Wahre Größe lässt sich nicht daran erkennen, wie einer Menschen mit hohem Sozialstatus behandelt oder gar hofiert. Sie verrät sich vielmehr daran, wie jemand mit den vermeintlich kleinen Leuten umgeht. Jenen, die sich allenfalls dafür bedanken können, von denen man aber gewiss keine adäquate Gegenleistung erwarten kann.
Zugegeben, der Ansatz erinnert an das moralinsaure Prinzip vom Geben, dass seliger macht als Nehmen. Doch es steckt mehr dahinter: Wer über den Status eines Menschen hinweg und hindurch blickt, der erkennt nicht nur sein wahres Gegenüber, sondern auch sich selbst. Status und Macht sind schließlich kein Eigentum, sondern Leihgaben. Sie erheben nicht nur, sie verpflichten auch. Und jeder, der sich das bewusst macht und verinnerlicht, macht diese Welt nicht nur zu einem besseren Ort, er bewahrt sich auch vor irrigen Eitelkeiten – und die sind bekanntlich die Vorstufe vor dem Fall.
Deshalb die Gewissensfrage: Wie behandeln eigentlich Sie andere Menschen – insbesondere jene, zu denen Sie nicht aufsehen?
Sie müssen die Frage nicht beantworten. Schon gar nicht mir. Wer bin ich schon? Aber womöglich ist es eine Anregung wert. Im Internet kursiert derzeit eine E-Mail, mit zumindest drei wunderschönen Anekdoten und Lektionen über Opportunitäten, wahre Demut und echte Menschenliebe…
Erste Lektion: Die Putzfrau
In den ersten Wochen an der US-Hochschule händigte der Professor seinen Studenten einen Fragebogen aus. Es war eine Art Quiz über ihre Motivation hier zu studieren, gemischt mit einigen Fragen zur Uni selbst. Nur die letzte Frage fiel aus dem Rahmen, sie lautete: “Wie heißt die Frau mit Vornamen, die regelmäßig diesen Hörsaal reinigt?” Tatsächlich konnte kaum jemand die Frage beantworten. Zwar hatten die meisten der Studenten die Putzfrau schon ein paar Mal gesehen, wussten dass sie um die 50 war, dunkle Haare hatte und einen spanischen Akzent. Aber ihren Namen kannte keiner. Wie auch? Niemand hatte mit ihr ein Wort gewechselt. Also ließen die meisten das Antwortfeld zu dieser Frage frei (einige versuchten es immerhin mit Chuzpe und schrieben einen geratenen Namen hin). Als alle den Fragebogen abgaben, fasste sich jedoch einer der Studenten ein Herz und sprach den Professor direkt auf diese Frage an: “Wird diese Frage Einfluss auf die Gesamtnote am Ende des Semersters haben?”, wollte er wissen. “Absolut”, antwortet der Professor und erklärte auch warum: “In Ihrer Karriere werden Sie einen Haufen Leute kennenlernen. Und alle werden sehr wichtig sein. Und ich meine wirklich a-l-l-e! Jeder einzelne davon verdient Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Zuwendung – zumindest aber ein Lächeln.”
Der Student vergaß diese Lektion nie – ebenso wie den Namen der Putzfrau, nach dem er sich kurz darauf bei ihr erkundigte. Sie hieß Dorothy.
Zweite Lektion: Der Regensturm
Es war in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und schon sehr spät an diesem Abend. Die Zeiger der Uhr standen auf halbzwölf und es goss in Strömen. Eine ältere Frau afro-amerikanischer Abstammung stand am Straßenrand des Alabama Highways und hatte sichtliche Probleme mit dem tobenden Regensturm. Ihr Auto lag im Straßengraben und konnte nicht mehr weiterfahren. Sie selbst hatte es sehr eilig, war verzweifelt und bereits völlig durchnässt. So stand sie also am Straßenrand und versuchte das nächstbeste Auto anzuhalten, um den Fahrer um eine Mitfahrgelegenheit zu bitten. Die meisten Autos aber fuhren einfach weiter. Nur ein junger weißer Mann, dem die Rassenressentiments jener Zeit offenbar völlig egal waren, hielt an. Er kümmerte sich sofort um die alte Dame, gab ihr seine Jacke, packte sie in sein warmes Auto und brachte Sie zu einem Taxi, damit sie ihre Fahrt fortsetzen konnte. Die Frau war wirklich sehr in Eile, schrieb sich aber zumindest seine Adresse auf.
Es vergingen rund sieben Tage, als es bei dem jungen Mann überraschend an der Tür klopfte. Zu seiner Verwunderung trugen zwei Lieferanten ein riesiges TV-Board samt Fernseher in sein Wohnzimmer. Daran war ein kleiner Zettel befestigt, darauf stand: “Vielen herzlichen Dank, dass Sie mir neulich Nacht auf dem Highway geholfen haben. Der Regen hatte nicht nur meine Kleider durchweicht, sondern auch meinen Glauben. Doch dann kamen Sie! Dank Ihnen war ich in der Lage, meinem Mann noch rechtzeitig auf dem Sterbebett beizustehen, bevor er heimging. Gott segne Sie für Ihre selbstlose Tat.
Hochachtungsvoll
Mrs. Nat King Cole
Dritte Lektion: Das Trinkgeld
Zu jener Zeit, als Eiscreme noch ein paar Cents kostete, kam ein kleiner Junge, nicht viel älter als zehn Jahre, in einen Coffee Shop und setzte sich an einen Tisch. Nach einiger Zeit kam die Bedienung an seinen Tisch und brachte ihm ein Glas Gratis-Wasser (was damals ebenfalls noch üblich war). “Was kostet bei Ihnen ein Eiscreme Sundae?”, fragte der Junge. “25 Cent”, gab die Bedienung zurück. Der kleine Junge wühlte in seinen Taschen und kramte einige kleine Münzen hervor, die er nun sorgsam zählte. Er überlegte eine Weile, dann fragte er erneut: “Und wie viel kostet ein kleines Wassereis?” Inzwischen waren auch noch andere Gäste in den Coffee Shop gekommen und wurden allmählig ungeduldig. Entsprechend barscht antwortete die Kellnerin dem Jungen: “20 Cent! Willst du nun ein Wassereis?” Der Junge zählte wieder seine Münzen und bejahte die Frage schließlich. Die Kellnerin beeilte sich, brachte den Jungen das Eis und die Rechnung und verschwand für eine Weile. Der Junge aß sein Eis, legte seine ganzen Münzen auf den Tisch und ging.
Als die Kellnerin später seinen Tisch abräumen wollte, sah sie auf die Rechnung, die Münzen und fing an zu weinen. Auf dem Tisch lagen exakt 25 Cent. Der Junge hatte genau ausgerechnet, dass er auf den leckeren Eiscreme Sundae verzichten musste, um der Kellnerin ein Trinkgeld geben zu können.
In den ersten Wochen an der US-Hochschule händigte der Professor seinen Studenten einen Fragebogen aus. Es war eine Art Quiz über ihre Motivation hier zu studieren, gemischt mit einigen Fragen zur Uni selbst. Nur die letzte Frage fiel aus dem Rahmen, sie lautete: “Wie heißt die Frau mit Vornamen, die regelmäßig diesen Hörsaal reinigt?” Tatsächlich konnte kaum jemand die Frage beantworten. Zwar hatten die meisten der Studenten die Putzfrau schon ein paar Mal gesehen, wussten dass sie um die 50 war, dunkle Haare hatte und einen spanischen Akzent. Aber ihren Namen kannte keiner. Wie auch? Niemand hatte mit ihr ein Wort gewechselt. Also ließen die meisten das Antwortfeld zu dieser Frage frei (einige versuchten es immerhin mit Chuzpe und schrieben einen geratenen Namen hin). Als alle den Fragebogen abgaben, fasste sich jedoch einer der Studenten ein Herz und sprach den Professor direkt auf diese Frage an: “Wird diese Frage Einfluss auf die Gesamtnote am Ende des Semersters haben?”, wollte er wissen. “Absolut”, antwortet der Professor und erklärte auch warum: “In Ihrer Karriere werden Sie einen Haufen Leute kennenlernen. Und alle werden sehr wichtig sein. Und ich meine wirklich a-l-l-e! Jeder einzelne davon verdient Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Zuwendung – zumindest aber ein Lächeln.”
Es war in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und schon sehr spät an diesem Abend. Die Zeiger der Uhr standen auf halbzwölf und es goss in Strömen. Eine ältere Frau afro-amerikanischer Abstammung stand am Straßenrand des Alabama Highways und hatte sichtliche Probleme mit dem tobenden Regensturm. Ihr Auto lag im Straßengraben und konnte nicht mehr weiterfahren. Sie selbst hatte es sehr eilig, war verzweifelt und bereits völlig durchnässt. So stand sie also am Straßenrand und versuchte das nächstbeste Auto anzuhalten, um den Fahrer um eine Mitfahrgelegenheit zu bitten. Die meisten Autos aber fuhren einfach weiter. Nur ein junger weißer Mann, dem die Rassenressentiments jener Zeit offenbar völlig egal waren, hielt an. Er kümmerte sich sofort um die alte Dame, gab ihr seine Jacke, packte sie in sein warmes Auto und brachte Sie zu einem Taxi, damit sie ihre Fahrt fortsetzen konnte. Die Frau war wirklich sehr in Eile, schrieb sich aber zumindest seine Adresse auf.
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Matze
Danke für den tollen Beitrag und die anregenden Gedanken. Ich glaube, jeder sollte ab und zu in sich gehen und überprüfen, ob man alle Menschen gleich behandelt. Das erste Beispiel kommt mir sehr bekannt vor. Die Reinigungskraft sind für den reibungslosen Ablauf an der Uni genauso wichtig, wie der Professor. Beiden verdienen Respekt und Aufmerksamkeit.
Viele Grüße,
Matze
Birgit Permantier
Schöne Geschichten! Sie erinnern mich an diese Geschichte von Rainer Maria Rilke aus der Zeit seines ersten Pariser Aufenthaltes.
Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin sass, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äussern als nur immer die Hand auszustrecken, sass die Frau stets am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück. Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zur Antwort: “Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.” Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weisse Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen.
Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.
Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe.
Nach acht Tagen sass plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. “Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?”, frage die Französin. Rilke antwortete: “Von der Rose . . .”
Jochen Mai
@Birgit: Auch eine sehr schöne Geschichte.
@ Matze: Gern geschehen.
S.Bauer
Einer der klassischen zeitlosen Tipps für das romantische Date, wenn man das erste Mal mit einer potenziellen neuen Partnerin abends ausgeht: (aus der Sicht eines Mannes, für Frauen gilt das alles äquivalent)
Unauffällig aber aufmerksam darauf achten, wie sie mit der Bedienung umgeht. Sollte sie sich launisch, tyrannisch oder herablassend dem Personal gegenüber verhalten, dann sollten sämtliche Alarmglocken schrillen, ganz egal wie sie sich einem selbst gegenüber verhält Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß man eher früher als später genauso behandelt wird, wenn sich die erste Verliebtheit gelegt hat.
Wenn aber die neue Angebetete sich auch dem Personal gegenüber souverän, höflich und zuvorkommend benimmt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß man tatsächlich die Frau fürs Leben gefunden haben könnte.
Strangerli
Das sind sehr schöne Geschichten über Menschen.
Nr. 1 ist ein gutes Beispiel wie selbstverständlich man ein System nimmt. Die Räume sind immer sauber weil die dunkelhaarige mit dem spanischen Akzent alles schön sauber macht. Etwas, das bei Führungskräften als gegeben hingenommen wird. Es gibt sogar Chefs, die kennen nicht einmal die Namen einiger Mitarbeiter, weil sie ihm einfach nicht wichtig erscheinen.
Nr. 2 ist eine Geschichte der Äußerlichkeiten. Erst beim zweiten Mal durchlesen habe ich die Unterschrift Mrs. Nat King Cole gelesen und erst dann verstanden wie viel mehr hinter der Geschichte steht.
@Birgit Permantier: Heute würde man die Rose an den Kopf geschmissen bekommen. Vielleicht ist es einfach nur eine von Rilkes Geschichten gewesen. Ich sollte das einmal bei Gelegenheit ausprobieren.
Birgit Permantier
@Strangerli: Die Haltung ist doch das entscheidende.
Ich habe neulich eine ganz bezaubernde Situation in der Stadt beobachtet. Da gab ein Mann einem Bettler eine Münze und strich ihm danach über den Kopf. Das nur zu sehen, hat mich sehr berührt.
Ich spreche z.B. manchmal (nicht immer) die Kassiererinnen im Supermarkt mit Ihrem Namen an – sie tragen ja alle Namensschilder. “Danke und haben Sie noch einen schönen Tag, Frau Schmidt” oder ähnliches.
Die sind dann immer völlig aus dem Häuschen, weil sie mal von jemandem wahrgenommen werden, denn meistens werden sie tatsächlich nicht “gesehen”.
Außerdem: So etwas verschafft nicht nur diesen Menschen einen emotionalen Moment, sondern auch mir selbst – der Tag wird durch solche kleinen Begegnungen farbiger und lebendiger.
smiley
@Matze: “ob man alle Menschen gleich behandelt.”
Ich denke Gleichmacherei ist ein großer Fehler. Ich behandle niemanden gleich.
Aber ich behandle jeden respektvoll, zumindest dann, wenn man mich nicht
vorher respektlos behandelt hat.
@Jochen: Schöne Geschichten :-)
@Birgit:
“Ich spreche z.B. manchmal (nicht immer) die Kassiererinnen im Supermarkt mit Ihrem Namen an – sie tragen ja alle Namensschilder. “Danke und haben Sie noch einen schönen Tag, Frau Schmidt” oder ähnliches.”
Mit dem Gedanken spiele ich oft, aber mir fehlt der Mut dazu. Ich frage mich dann eher – das mag jetzt sehr komisch klingen – was wird sie von mir denken?
Matze
@smiley: gleich behandeln != Gleichmacherei. Es geht um die wesentlichen Punkte, die du ansprichst: Respekt, Aufmerksamkeit, Höflichkeit.
Birgit Permantier
@smiley: Mach doch mal! Das ist im übrigen auch ein hervorragendes Smalltalktraining und eine kliltzekleine Möglichkeit eigene Grenzen zu erweitern!
Außerdem: Es gibt kaum etwas, das unfreier macht als die Gedanken darüber, was andere über uns denken könnten. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Gedanken, die andere sich WIRKLICH über uns machen im Verhältnis dazu umgekehrt proportional verlaufen.
Anders ausgedrückt: Die meisten Menschen sind derartig mit sich selbst beschäftigt, dass sie sich sicher KEINE Gedanken über Dich machen, deshalb kannst Du ruhig mal was riskieren!
smiley
@Birgit: Gut. Ich probiere es das nächste Mal. Danke.
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