Wir können nicht nicht kommunizieren. Selbst der nichtssagendste Typ trifft immer noch ein paar Aussagen – egal, wie sehr er sich anstrengt (oder auch nicht). Auf der vergangenen Bloggerkonferenz re:publica bin ich in Berlin zwei Mal zum Thema Dresscodes interviewt worden und hatte ein, zwei längere Gespräche zum Thema nonverbale Kommunikation durch Kleidung oder Körpersprache.
Das Thema ist kontrovers. Schließlich geht es dabei auch um die Frage: Bin ich noch authentisch, wenn ich mich so verhalte oder kleide, wie der andere das von mir erwartet? Erst recht im Vorstellungsgespräch, wo es doch eher darum geht, die wahre Persönlichkeit eines Kandidaten kennenzulernen.
In der Tat wird man seine wahre Natur nur schwer verbergen können. Wer sich etwa in einem Anzug unwohl, steif und verkleidet fühlt, wird das auch ausstrahlen – und vermutlich auch scheitern. Der- oder diejenige sollte dies indes als Chance nutzen, um sich zu fragen, ob ein Beruf, in dem man fünf Tage in der Woche einen Anzug oder ein Kostüm trägt (zum Beispiel in einer Bank), überhaupt der richtige für ihn oder sie ist.
Fakt ist aber auch: Die meisten Kandidaten scheitern im Jobinterview nicht an ihrer fachlichen Qualifikation. Die hat ihnen per Bewerbung überhaupt erst die Einladung zum Vorstellungsgespräch verschafft. Vielmehr erleiden sie Schiffbruch aufgrund ihrer nonverbalen Signale. Nicht wenige verfestigen ihren ersten Eindruck von einem Kandidaten innerhalb der ersten beiden Minuten und rücken danach kaum noch davon ab. Kleidung und Körpersprache geben deshalb einen bedeutenden Ausschlag bei jedem Gespräch, denn wer sagt schon in den ersten zwei Minuten soviel Überzeugendes, dass der Rest total egal ist?!
Konkret gesprochen: Betreten Sie nicht den Raum, während Sie sich noch die Bluse zurecht zupfen, die Krawatte richten oder das Hemd in die Anzughose stopfen. Rennen Sie nicht mit ausgestreckter Hand auf den Personaler zu, sondern warten Sie bis er Ihnen die Hand reicht – und legen Sie ihm keinen toten Fisch in die Handflächen. Ein kurzer, fester Händedruck sollte es schon sein. Und bitte: Halten Sie dabei stets Blickkontakt!
Bitte nicht vergessen: Ihre Vorstellung beginnt beim Betreten des Firmengebäudes! Ich kenne Personaler, die auch schon mal beim Empfang nachfragen, welchen Eindruck der Kandidat dort gemacht hat, ob er muffelig, unhöflich oder gar herrisch war. Behandeln Sie also alle Personen, die Ihnen begegnen, zuvorkommend und höflich.
Ihre Kleidung sollte gepflegt und der Branche angepasst sein. Bis dato herrscht die Auffassung, dass wer sich schlampig kleidet, vermutlich auch so denkt und arbeitet. Natürlich sollte Ihr Outfit auch zu Ihnen passen. Aber tappen Sie nicht in die Falle, vor allem hierüber Ihre Individualität auszudrücken. Letztlich geht es bei einem Jobinterview immer auch um die Frage, ob Sie in das bestehende Team passen, also sich auch anpassen können. Zudem signalisieren Sie mit einer formal richtig gewählten Kleidung, dass Sie sich auf das Gespräch gründlich vorbereitet haben und die Gepflogenheiten Ihres Zielunternehmens bereits kennen.
Klassische körpersprachliche Tabus sind wiederum: sich später im Büro in den Stuhl lümmeln, die Arme verschränken, hektische Mikrogesten (Fingertrommeln, Nasenkratzen, Haarezupfen), die Beine übereinander schlagen und dabei nervös mit dem oberen wippen, die Arme hinter dem Kopf verschränken, Pseudo-Denkerposen (Daumen und Zeigefinger um Wange und Kinn reiben), zu weites Vorlehnen im Stuhl. All das lässt Sie entweder aggressiv, abwesend, desinteressiert, unsouverän, unfreundlich, reserviert oder manierlos erscheinen.
Stattdessen sollten Sie sich aufrecht (=Aufrichtigkeit) hinsetzen, leicht vorgelehnt (signalisiert Engagement und Interesse) und Ihre Sitzhaltung derjenigen des Gesprächspartners anpassen. Profis sprechen in dem Zusammenhang auch vom subtilen spiegeln der Körpersprache Ihres Gegenübers, um Vertrauen und Sympathie herzustellen.
Ich hatte hier auch schon über die Wirkung von Düften und Aromen geschrieben. Gerade für Vorstellungsgespräche aber gilt: Übertreiben Sie es nicht! Ein dezenter Duft ist okay, wirkt gepflegt und kann Ihre Präsenz unterstreichen. Ist diese aber auch 10 Minuten nach Ihrem Besuch noch immer nicht verduftet, ist das nur noch aufdringlich und unangenehm.
Falls Sie übrigens von zwei oder drei Personalern interviewt werden, sollten Sie bei Ihren Antworten alle Teilnehmer nacheinander ansehen und ansprechen (und dabei möglichst nicht dreinschauen als würden Sie gerade ein Tennismatch verfolgen) und zum Schluss zu jener Person zurückkehren, die die Frage gestellt hat. Und das Wichtigste: Lächeln Sie!
Versauen Sie Ihren guten Eindruck bitte auch nicht beim Abschied. Reichen Sie erneut dem anderen die Hand, blicken Sie ihm dabei in die Augen und verabschieden Sie sich – ein selbstbewusstes „Auf Wiedersehen!“, das Sie wirklich zu meinen, ist dabei übrigens die beste Alternative. Danach gehen Sie aufrecht und unter genug Körperspannung aus dem Gebäude bis Sie außer Sichtweite sind – erst jetzt dürfen Sie völlig entspannen oder sich umsehen.







blogfeuer
Ich sehe das komplett anders. Sich zu verkleiden bringt nichts. Zu einem Gespräch solltem an sich so anziehen, als würde man arbeiten gehen – nur eine Portion schicker!
Mag deine Ansicht auf “äusserlichkeiten” beruhen, sehe ich diese als Falsch an. Was du falsch verstehst, ist nicht die “Kleidung”. Diese sagt nicht wirklich mehr aus, als ob jemand sich gut oder schlecht pflegt. Sondern die / Haltung / ist das entscheidende.
Meine Erfahrungen zeigen, dass man sich wohl und gut fühlen muss. Dazu kann Kleidung helfen. Man sollte dies, genauso wie die Frage nach dem richtigen Foto, nicht überbewerten.
Denn: Alles gehört in den Mix.
Florian H.
“Bitte nicht vergessen: Ihre Vorstellung beginnt beim Betreten des Firmengebäudes! Ich kenne Personaler, die auch schon mal beim Empfang nachfragen, welchen Eindruck der Kandidat dort gemacht hat, ob er muffelig, unhöflich oder gar herrisch war. Behandeln Sie also alle Personen, die Ihnen begegnen, zuvorkommend und höflich.”
Sowieso. Auch wenn man nicht auf dem Weg zum Jobinterview ist. Macht das Leben schöner. Garantiert.
Jochen Mai
@Blogfeuer: Das nächste Mal bitte gründlicher lesen! Es geht hier in keinster Weise um “Verkleidung”, war auch nie die Rede davon. Ganz im Gegenteil. Da steht: “Wer sich etwa in einem Anzug unwohl, steif und verkleidet fühlt, wird das auch ausstrahlen – und vermutlich auch scheitern.” Und jede noch so authentische Haltung wirkt nicht, wenn die Kleidung unpassend ist – in beiden Bedeutungen. Und meine Erfahrung wiederum spricht eine andere Sprache: Wie oben beschrieben prägt beides – Körpersprache und Kleidung – entscheidend den Eindruck von der Persönlichkeit.
@Florian: Natürlich. Leider halten sich nur nicht alle daran.
Monika Rathert
Die meisten Dinge hier sollten sich von selbst verstehen. Bei meinen wichtigen Vorstellungsterminen hat es mir geholfen, dass ich die Personen vor Ort gut kannte. Verkleiden war unnötig und hätte albern gewirkt. Authentizität und Vernetzheit, ohne kriegt man eh die guten Jobs nicht.
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