Das Problem mit Google ist, „dass es nicht die Wahrheit findet, sondern Ihnen jene Informationen gibt, die Sie für relevant halten“, sagt Michael Fertik, Gründer von ReputationDefender, einem Online-Dienst, der Menschen dabei hilft, ihren Ruf im Netz zu verbessern.

Ein Extrembeispiel dafür ist der Fall von Sue Scheff. Sie berät Eltern beim Umgang mit Problemkindern und pubertierenden Teenagern, insbesondere wenn diese größere Probleme haben, wie etwa eine ungewollte Schwangerschaft oder Drogenmissbrauch. Einmal allerdings war eine Mutter mit ihrer Beratung offenbar gar nicht einverstanden. Plötzlich tauchten im Netz überall negative Kommentare, Verleumdungen in Foren und sogar rufschädigende Videos bei Youtube auf. Und alles zusammen erschien auf der ersten Trefferseite von Google, wenn man nach ihrem Namen suchte. Eine Katastrophe.

Zwar zog sie gegen die Kampagne vor Gericht und gewann, die negativen Einträge im Netz aber blieben und vermehrten sich teilweise noch. Wahrheit mischte sich mit Gerüchten, Gerüchte mischten sich mit Lügen. Freunde sandten ihr die Links aus dem Netz zu, einige potenzielle Klienten sprachen sie darauf an. Wie viele sie erst gar nicht kontaktierten, weil ihnen Sue Scheff wegen ihres Netz-Images sofort suspekt war – keiner weiß es. Aber ihr Unternehmen litt stark darunter.

Schließlich wandte sie sich an ReputationDefender, um die alles entscheidende erste Trefferseite bei Google zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Der Service kostet, je nach Aufwand über 10.000 Dollar. Scheff investierte dennoch, was blieb ihr auch anderes übrig?! Das Unternehmen legte diverse Seiten für sie an: SueScheff.net, SueScheff.org, SueScheffTruth.com, sie eröffneten einen Myspace-Account, verlinkten alles untereinander, schufen neue Einträge – auch in der Presse. Mit Erfolg: Die erste Seite enthält nun nur noch Einträge, die Sue Scheff helfen.

Der Sue Scheffs Geschichte ist inzwischen eine Art Präzedenzfall in den USA, wie leicht eine virtuelle Hetzkampagne den Ruf eines Menschen zerstören kann, wie leicht man zum Opfer wird, und wie zäh und lange es dauert, bis man den Schaden einigermaßen repariert hat. Sie finden in diesem Blog bereits über 16 Artikel, Daten, Beispiele und Tipps zum Reputations-Management, zur Leumundspflege im Web aber auch in der realen Welt. Da das Thema künftig sicher wichtiger wird, habe ich heute die neue RubrikReputation: Einfluss + Pflege” dafür angelegt.

Wie sich die Reputation im Netz konkret auswirkt, können Sie aber auch am Beispiel der virtuellen Kunstfigur Reiner Fakeman beobachten… Sein Ruf verbessert sich gerade langsam aber stetig.

Und noch ein Nachtrag: Robert Basic berichtet gerade von dem lustigen Fall eines Blaumachers. Der erschien nicht zur Arbeit, postete aber noch am selben Tag ein Party-Bild von sich auf Facebook. Die schlechte Nachricht: Der Chef sah das Bild ebenfalls. Die gute Nachricht: Er sah es gelassen.