Wahrnehmungsstörung-Test-Beispiel-Farben
Das mit dem Durchblick ist so eine Sache. Zwar nehmen wir nicht immer alles wahr. Wir sind aber auch nicht in der Lage, unsere Wahrnehmung daran zu hindern, immer so viel wie möglich wahrzunehmen. Oder in kurz: Unsere größte Wahrnehmungsstörung ist, wir können nicht nicht wahrnehmen. Aus der Hirnforschung weiß man inzwischen, dass unsere fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) das menschliche Gehirn in jeder Sekunde mit rund 11 Millionen Bits Informationen versorgen. Das entspricht rund 1,4 Megabyte - der Größe einer alten Floppy-Disk. Im gleichen Zeitraum verarbeitet unser Bewusstsein aber nur 40 bis 50 Bits. Der Rest, soweit er überhaupt verarbeitet werden kann, wandert ins Unterbewussstsein. Und bringt es dort mitunter kräftig durcheinander, was Sie gleich mal testen können...

Wahrnehmungsstörung Test: Der Chaos-im-Hirn-Effekt

Leigh Prather/ShutterstockBeim Thema Wahrnehmungsstörungen denken die meisten wohl an Sehschwächen, Rot-Grün-Blindheit oder selektive Wahrnehmung. Die Störung bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken lässt sich aber auch mit ganz simplen Mitteln provozieren.

Wir entschuldigen uns an dieser Stelle schon einmal, dass wir Ihre Oberstube gleich ein wenig durcheinander bringen - vorausgesetzt, Sie haben Lust, sich dem folgenden kleinen Test zu unterziehen...

Lesen Sie dazu bitte die Farben in der Tabelle Spalte für Spalte laut vor - aber NICHT, indem Sie die Worte laut vorlesen, sondern laut die Farben nennen in denen die Worte geschrieben sind! Profis stoppen dabei sogar noch die Zeit...

Die meisten von Ihnen dürften eine Art Stotter-Effekt erleben. Der ist auch völlig normal und beruht darauf, dass es hier zu einer Sinnesüberreizung und einem Widerspruch der Hirnaktivitäten kommt:

  • Das Lesen einfacher Worte (wie Rot, Grün, Gelb, Blau) ist ein automatischer, unwillkürlicher Akt, den man kaum unterdrücken kann, zumal Sie das schon in frühen Jahren gelernt haben.
  • Das Erkennen und Nennen von Farben dagegen erfordert unsere willentliche Konzentration. Beide Aktivitäten arbeiten in diesem Fall aber gegeneinander: Ihr Hirn bekommt über die Begriffe mehr Informationen als es verarbeiten kann und soll - und das verursacht diese kurzfristige Wahrnehmungsstörung.

Wie gesagt: Sorry.

Wahrnehmungsstörung in der Kommunikation

Dasselbe passiert allerdings ebenso häufig in der Kommunikation: Vor allem dann, wenn die Körpersprache unseres Gegenübers etwas anderes sagt als der Mund. Wir nehmen dann zwei widersprüchliche Aussagen wahr und bekommen dieses ungute Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmt. Eben auch eine Art Störgefühl oder Wahrnehmungsstörung.

Auch wenn Sie das vielleicht kurzfristig aus dem Konzept bringt - in dem Fall ist es gut so. Das ist schließlich ebenso eine Form des Durchblicks. Entscheidend ist nur, dass Sie sich diese widersprüchlichen Information bewusst machen und die Irritation nicht übergehen, sondern verifizieren.

Wie leicht wir zu manipulieren sind

Apropos Wahrnehmung und Störung: Unser Urteilsvermögen ist bei weitem nicht so sicher, wie manche vielleicht glauben. Im Gegenteil: Wir sind allesamt hochgradig manipulierbar und lassen uns allzu leicht blenden. Psychologische Experimente beweisen das immer wieder. Ein relativ simples, aber sehr anschauliches lieferten die beiden Psychologen Daniel Kahnemann und Amos Tversky...

Zwei Testgruppen bekamen eine mathematische Aufgabe:

  • Die einen sollten rechnen: 8*7*6*5*4*3*2*1.
  • Die anderen 1*2*3*4*5*6*7*8.

Allerdings hatten sie dafür nur fünf Sekunden Zeit. Also schätzten sie. Die erste Gruppe schätzte im Durchschnitt 2250, die zweite kam auf 512. Beides ist natürlich falsch.

Aber es zeigt, was Sie vielleicht längst ahnen: Wer mit etwas Großem beginnt, erwartet auch ein großes Ergebnis und umgekehrt. Die richtige Antwort wäre übrigens 40.320 gewesen.

[Bildnachweis: PathDoc, Leigh Prather by Shutterstock.com]