Ollyy/shutterstock.com
Gründe, einen Job zu hassen, gibt es so viele wie Bäume im Wald. Besser also, ich nehme den Job, der mich krank machen wird, erst gar nicht an. Hier beginnt das Problem: Welche Kriterien lege ich an meinen Arbeitgeber in spe an? Gehalt, Urlaubstage, Standort, Bewertungen im Netz - alles wichtig. Manchmal aber sind es die kleinen Dinge des Bewerberalltags, die einem zu denken geben sollten. 10 Warnzeichen für Bewerber ...

Warnzeichen: Hier stimmt was nicht

Eine schmuddelige Firmentoilette könnte, folgt man der Toiletten-Theorie, auf eine gestörte Unternehmenskultur hindeuten. Logisch: Wo jeder nur an sich denkt, wird auch die Klorolle nicht gewechselt, das Fenster nicht geöffnet, das Waschbecken nicht gesäubert. Wer also nach dem Vorstellungsgespräch noch eine Begegnung der unangenehmen Art auf dem stillen Örtchen hatte, sollte vielleicht noch mal über das Job-Angebot nachdenken.

Das ist aber nicht das einzige Warnzeichen, das Ihnen auf dem Weg zur neuen Stelle begegnen kann. Natürlich kommt es dabei immer auf Situation und Kontext an, ist nicht jede Kleinigkeit gleich eine Katastrophe. Aber manchmal sind Mücken in Wahrheit eben doch Elefanten. Bei diesen 10 Warnzeichen sollten Ihre Alarmglocken anschlagen ...

10 Warnzeichen für Bewerber

  1. Personaler spricht schlecht über Mitarbeiter

    Die No-Go-Area für Personaler: Über eigene Mitarbeiter oder andere Bewerber schlecht reden. Dazu zählen auch schon ominöse Andeutungen über die "mangelnde Leistungsfähigkeit" einer Abteilung. Wenn schon über Teammitglieder gelästert wird, wie wird man denn erst über Sie reden? Von einem Firmen-Repräsentanten erwartet man zu jeder Zeit, dass er sich, so ähnlich wie bei einem Fußballtrainer, "schützend vor seine Spieler stellt." Lässt sich der Interviewer im Vorstellungsgespräch also zu negativen Kommentaren über die eigene Mannschaft hinreißen, hilft nur eine klare Ansage: Hier arbeiten, nein danke!

  2. Standard-Floskeln werden heruntergerattert

    Als HR-Mensch kann man sich natürlich nicht auf jedes Bewerbungsgespräch vorbereiten wie auf die erste Mondreise. Aber ein bisschen mehr als „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“ und „Was würde ein Freund über Sie sagen?“ darf man auch als Bewerber durchaus erwarten. Wenn Sie mit Worthülsen und Fragen aus dem Standard-Baukasten bombardiert werden, setzt das zwar kein Stopp-Schild. Ein klitzekleines Zeichen fehlender Wertschätzung ist es aber schon. Und ob Sie die Wertschätzung wirklich erfahren, sobald Sie den Job haben?

  3. Übertriebene Selbstanpreisung bricht sich Bahn

    Der Job ist zu wunderschön, um wahr zu sein. Wirklich? Auch gute Arbeitgeber müssen zwar laufend an ihrem Image arbeiten und Eigenwerbung betreiben, haben es aber nicht nötig, sich selbst während des Vorstellungsgesprächs permanent über den grünen Klee zu loben. Bei überzogener Lobhudelei also vorsichtig sein, vielleicht steckt pure Verzweiflung dahinter. Vor allem, wenn die Jobbeschreibung nur vage und die Frage nach ihren Qualifikationen scheinbar gar keine so große Rolle spielt.

  4. Die Mitarbeiter mögen ihren Chef nicht

    Sie sitzen also im Konferenzraum und parlieren eloquent über ihre Stärken, während die Sekretärin zur Tür reinkommt und den Chef verschüchtert um Hilfe fragt. Irgendwie scheinen sich ohnehin alle in seiner Anwesenheit unwohl zu fühlen. Ängstlich, verkrampft, gehemmt. Ganz schlechtes Zeichen. Vielleicht wollen und brauchen Sie keinen Big Buddy als Boss, aber unter der Knute eines eisernen Alleinherrschers will man ganz sicher nicht die nächsten Arbeitsjahre stehen.

  5. Die Stelle taucht immer und immer wieder auf

    Wenn diese eine Stellenanzeige immer und immer wieder in den Online-Jobbörsen auftaucht. Wenn sie wochenlang dauergeschaltet ist. Wenn sie nach kurzer Abwesenheit erneut erscheint - womöglich noch in modifizierter Form. Dann ist möglicherweise was faul. Vielleicht hat das Unternehmen überzogene Erwartungen an seine Bewerber - oder selbst nichts zu bieten. Oder es schaltet Stellenanzeigen auf Verdacht, weil man gar nicht genau weiß, was und wen man eigentlich sucht. In diesem Fall die Alarmsensoren ausfahren.

  6. Jeder ist neu, nur das Unternehmen nicht

    Die Teammitglieder sind allesamt neu, die Firma aber ist gar nicht mehr so taufrisch. Das könnte darauf hindeuten, dass man sich hier eher nicht wohl fühlt - jedenfalls nicht dauerhaft. Die Fluktuation im Unternehmen kann man dem Personaler leider nicht an der Nasenspitze ablesen. Aber man könnte sich ja durchaus mal umhören - und im Internet spionieren.

  7. Die Körpersprache in der Lobby ist schlecht

    Während Sie da so auf Ihre Gesprächspartner warten, schlendert sicher der eine oder andere Mitarbeiter die Halle entlang. Schauen Sie sich Ihre Kollegen von morgen einmal ganz genau an. Schlurfen sie mit herunterhängenden Schultern durch die Gänge oder kommen sie frohen Mutes um die Ecke? Haben sie ein Lächeln auf den Lippen oder eher sieben Tage Regenwetter? Ein paar Hinweise gibt das schon, ob sich die Menschen in dieser Firma wohl fühlen.

  8. Die Mitarbeiter verstehen keinen Humor

    Das Bewerbungsgespräch ist nicht der richtige Anlass für Witzchen. Warum eigentlich nicht? Logisch erscheint: Verstehen die Menschen in diesem Unternehmen keinen Spaß, dann wird auch Ihenn das Lachen schnell im Halse stecken bleiben. Gegen einen lockeren Spruch, mit dem Sie die Humor Ihrer künftigen Kollegen testen, ist also pauschal gar nichts einzuwenden. So lange Sie es damit nicht übertreiben - und sich nicht gerade in einer Bank oder Versicherung bewerben.

  9. Sie können den Typen einfach nicht ausstehen

    Sie waren gut vorbereitet, das Gespräch lief prima, auf fachlich hohem Niveau, alles scheint zu passen. Wenn da nur dieser Typ am anderen Tischende nicht wäre. Ein Mensch, den Sie schon nach zwei Minuten nicht leiden konnten. Den Sie einfach nicht ausstehen können. Und Sie wissen nicht mal genau warum. Eine Frage des Instinkts: Nehmen Sie den Job an, müssen Sie bald jeden verdammten Werktag mit diesem Menschen verbringen. Wollen Sie das?

  10. Man lässt Sie eine Viertelstunde warten

    Was für Bewerber tabu ist, soll für Arbeitgeber also erlaubt sein? Nö. Wer schon vor seinem Amtsantritt respektlos behandelt wird und erst nach längerer Wartezeit ins Gesprächszimmer gebeten wird, kann sich auch im Angestelltenverhältnis auf einiges gefasst machen. Wieso, weshalb, warum man Sie hat sitzen lassen ist dabei völlig uninteressant. Bitte (einigermaßen) pünktlich beginnen. Sonst tschüss!

[Bildnachweis: Ollyy by Shutterstock.com]