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Viele Arbeitgeber versprechen mehr, als sie am Ende halten. Entsprechend blumig lesen sich die Jobangebote: tolles Team, tolles Klima, toller Job. Müssten Adam und Eva arbeiten - hier wäre das Paradies. Oft kommt es anders, und die Enttäuschung ist groß. Müsste sie aber gar nicht, denn es gibt meist schon lange vorher ein paar stichhaltige Warnzeichen, die gegen das Jobangebot und den Arbeitgeber sprechen. Wer ein bisschen übt und darauf achtet, zwischen den Zeilen zu lesen oder subtil hinter die Kulissen zu blicken, kann eine Menge über das Unternehmen erfahren. Wir verraten die Tricks, die manch gepimpte Arbeitgeberfassade entlarven...

Warnzeichen: So kratzen Sie an der hübschen Arbeitgeber-Fassade

Der erste und wichtigste Tipp klingt wenig spektakulär, verrät aber am meisten: Nutzen Sie bereits das Vorstellungsgespräch intensiv zum Kennenlernen und stellen Sie clevere Rückfragen. In diesem Artikel finden Sie mehr als 40 Beispiele dafür. Die drei wesentlichsten für den Blick hinter die Fassade des Jobangebots sind:

  1. Warum ist diese Stelle vakant?

    Sie könnte neu geschaffen sein - oder einfach schwer zu besetzen sein, weil der Job ein Schleudersitz ist; die Erwartungen an den Inhaber sind entweder zu hoch oder die Herausforderungen mit dem Budget und Team nicht zu schaffen. Besser Sie finden das vorher heraus. Manchmal ist Ihr Vorgänger auch befördert worden. Klasse! Das könnte für einen sogenannten Durchlauferhitzer mit guten Beförderungschancen sprechen. Fassen Sie hier ruhig weiter nach...

  2. Wie werden bei Ihnen Talente und Stärken gefördert?

    Erfolgreiche Unternehmen entwickeln Ihre Mitarbeiter weiter und arbeiten dem Peter Prinzip entgegen. Heißt: Sie fördern Ihre besten Seiten und suchen gleichzeitig die beste Position im Unternehmen dafür - was im Übrigen ein ständiger Prozess ist. Aber sieht das Unternehmen das auch genauso?

  3. Welchen Herausforderungen muss sich Ihr Unternehmen aktuell stellen?

    Gewiss, man wird Ihnen kaum erzählen, dass die Company kurz vor der Insolvenz steht. Aber vielleicht erfahren Sie etwas über das (Selbst-)Bewusstsein der Firma - wo diese aktuell im Markt steht und künftig stehen will. Die wichtigste Frage - wenn auch verhüllt gestellt - dabei ist natürlich: Befindet sich das Unternehmen auf Wachstumskurs oder Schrumpfkur?

Darüber hinaus lässt sich während des Gesprächs an drei weiteren Indizien ablesen, wie es um die Unternehmenskultur und die Arbeitsatmosphäre wirklich bestellt ist:

  1. Wertschätzung.

    Schon der Auswahlprozess selbst und ob man Sie über alle Stufen dabei aktiv informiert, offenbart, wie professionell und wertschätzend der Arbeitgeber, insbesondere die Personalabteilung mit den Mitarbeitern umgeht. Gerade vollmundige Aussagen wie "Die Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital" entpuppen sich hier oft als hohle Phrase. Ernsthaft: Seinen wertvollsten Schatz pflegt man entsprechend, bemüht sich darum und weiß auch, dass selbst Kandidaten, die man am Ende ablehnen muss, heute auch in Social Media darüber berichten.

  2. Herzlichkeit.

    Stellt man Ihnen zum Vorstellungsgespräch ein Glas Wasser hin? Oder vielleicht sogar Kaffee und Kekse? Diese simple Geste sagt viel darüber aus, ob man Mitarbeiter hier als Kapital oder als Kostenstelle begreift. Achten Sie ruhig auch darauf, wie intensiv und gierig die Personaler selbst zulangen. Es könnte bedeuten: Kaffee und Kuchen gibt's hier nur, wenn wir nach außen einen guten Eindruck machen wollen. Genauso verräterisch: Wie herzlich und respektvoll werden Sie begrüßt? Ist der Dialog anerkennend und ein Gespräch auf Augenhöhe oder doch eher ein Stressinterview?

  3. Verlässlichkeit.

    Wenn der Personaler verspricht, sich am Montag zu melden und tut das nicht, zeugt das weder von einem manierlichen Umgang, noch von einem gut organisierten Auswahlprozess. Gut, Missgeschicke passieren. Aber entschuldigt man sich später auch bei Ihnen dafür - obwohl Sie doch nur ein Bewerber sind? Ihr Alarmsystem sollte aufschrillen, wenn Sie ein Auswahlverfahren nach dem anderen durchlaufen: Kann man sich in dem Laden partout nicht entscheiden - oder handelt es sich einfach nur um einen Chaotenhaufen? Man erwartet - zu Recht - von Ihnen, dass Sie im Jobinterview wahrhaftig und verlässlich sind. Umgekehrt gilt das aber genauso.

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Die Toiletten-Theorie

Klopapierrolle-ToilettentheorieWenn Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen sind, besuchen Sie ruhig auch mal eine der Bürotoiletten. Kein Scherz! Laut Toiletten-Theorie erkennen Sie die wahre Firmenkultur auch daran, wie gepflegt das stille Örtchen ist:

  • Sind etwa die Mitarbeiter selbst dafür verantwortlich, dass die Klorollen gewechselt werden beziehungsweise dem Nachfolger ein benutzbares WC hinterlassen wird und geschieht dies nicht, so sagt das: Hier denkt jeder nur an sich. Ein einziges Hauen und Stechen. Und da der Fisch vom Kopf stinkt, hausen in der Teppichetage vermutlich ebensolche Egomanen.
  • Ganz anders wenn die Bürotoilette gepflegt ist, stets sauber und eben keine papierlose Bürozelle. Dann spricht das entweder für eine sehr gute Reinigungskraft (was ja auch was über das Unternehmen sagt, weil die schließlich dafür bezahlt werden muss) oder eben für eine gute Sozialgemeinschaft, bei der man auch an die Kollegen denkt, selbst wenn es um NajaSiewissenschon geht.

Das ist zwar, wie gesagt, nur eine Theorie und leider ohne echten empirischen Beweis. Es spricht aber einiges für deren Plausibilität.

Warnzeichen im Jobangebot: Drum prüfe, wer sich bindet...

Bisher ist alles gut gelaufen, die oben genannten Auffälligkeiten blieben aus... Gut! Nun liegt also ein konkretes Jobangebot auf dem Tisch, das Sie wie viele andere Bewerber auch jetzt am liebsten sofort unterschreiben würden. Stopp!

Genau an diesem Punkt bitten wir Sie, mit der Unterschrift noch etwas zu warten. Auch das Jobangebot und den Arbeitsvertrag (Checkliste!) selbst sollten kritisch prüfen und genauer unter die Lupe nehmen und eine Nacht darüber schlafen. Die Bedenkzeit haben Sie immer. Lehnt der Arbeitgeber in spe diese Bitte ab und drängt auf eine sofortige Unterzeichnung des Arbeitsvertrages, sollten Sie erst recht hellhörig werden.

Weitere Warnzeichen sind:

  • Im Gespräch wird Ihnen viel versprochen, doch diese Zusagen bekommen Sie nicht schriftlich.
  • Der Arbeitsvertrag weicht deutlich von dem ab, was Sie in den bisherigen Gesprächen vereinbart haben.
  • Die Stellen- und Aufgabenbeschreibung im Arbeitsvertrag hat wenig bis gar nichts mit der besprochenen Stelle zu tun.
  • Im Vorfeld war von einem unbefristeten Vertrag die Rede, im Vertrag finden Sie aber eine Befristung.
  • Ihre beruflichen Pläne spielen keine Rolle. Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit scheint nicht zu bestehen.
  • Zu keinem Zeitpunkt werden Ihnen Position und Aufgabe wirklich erklärt.
  • Ihr künftiger Arbeitgeber würde Sie lieber gestern als morgen einstellen und verspricht Ihnen unrealistisch gute Arbeitsbedingungen.
  • Sie bekommen keinen festen Ansprechpartner, sondern werden immer nur vertröstet und weitergeleitet.

Killerjob: Warnzeichen für ein schädliches Arbeitsumfeld

Aber auch später im Job kann es noch genug Warnzeichen geben, die eher für eine baldige Beendigung des Arbeitsverhältnisses sprechen.

Falls Sie sich also gerade nicht bewerben, mal ganz direkt gefrat: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem aktuellen Job? Knapp jeder zweite Arbeitnehmer ist im Job unzufrieden. Sie machen nur Dienst nach Vorschrift und haben sich mit der Situation bereits abgefunden.

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Unzufriedenheit im Job hat in der Regel zwei Ursachen:

  1. Es kann daran liegen, dass Sie das Gefühl haben, den falschen Job gewählt zu haben. Viele Arbeitnehmer haben das Gefühl, nicht das zu tun, was sie wirklich wollen. Sie sind zufällig in ein Arbeitsumfeld hinein geraten, wollten ursprünglich jedoch etwas ganz anderes machen. Haben sich auf Prognosen über angeblich sichere Jobs verlassen, statt nach persönlichen Interessen zu entscheiden. Die Erkenntnis, den falschen Job auszuüben, führt zu Frustration und Unzufriedenheit im Job.
  2. Sie haben den richtigen Job gewählt und lieben Ihre Tätigkeit, doch Ihr Arbeitsumfeld macht Sie kaputt. Sie fühlen sich nicht wohl und würden es am liebsten vermeiden, überhaupt ins Büro zu gehen.

Ein Zustand dauerhafter Unzufriedenheit hinterlässt meist seine Spuren in der Psyche. Besser Sie erkennen die Signale frühzeitig...

Woran aber lässt sich erkennen, dass das Arbeitsumfeld einen kaputt macht und es Zeit wird, ernsthaft über einen Jobwechsel nachzudenken?

Die folgenden Warnzeichen dienen zwar zur ersten Orientierung - das Wichtigste aber: Fragen Sie sich selbst bitte, ob es sich dabei nur um eine temporäre Frust-Phase oder um einen dauerhaften Zustand handelt.

  • Sie empfinden keine Freude mehr am Job.

    Ihr berufliches Ziel am Montag lautet: Freitag. Also verrichten Sie nur noch Dienst nach Vorschrift, innerlich haben Sie sich längst von der Arbeit distanziert, stellen keine Ansprüche mehr und argumentieren auch nicht mehr mit Kollegen oder Vorgesetzten, um den Zustand zu verbessern. Klassischer Fall von "Ist-mir-alles-egal-Haltung". Der nächste Schritt sollte sein, sich zu fragen, wieso es Ihnen so geht.

  • Sie identifizieren Sich nicht mehr mit dem Arbeitgeber.

    Ein verlässliches Anzeichen dafür ist, dass Sie nur noch von "die" und nicht mehr von "wir" sprechen. Es zeigt, dass Sie Distanz aufbauen und die Entscheidungen Ihres Arbeitgebers nicht mehr mittragen. Das hat auch Auswirkungen auf Ihre Leistungsbereitschaft und auf Ihre Eigeninitiative.

  • Ihre Kollegen machen Ihnen das Leben zur Hölle.

    Der starke Konkurrenzdruck, wachsende Antipathien, zunehmende Unehrlichkeit und Intrigen können den eigentlichen Job unmöglich machen. Man begegnet sich zwar bei der Kaffeemaschine, wechselt jedoch nur ein paar Worte und ist froh, sich ansonsten nicht über den Weg zu laufen. In dem Umfeld kann sich keiner verwirklichen oder gar glücklich werden.

  • Sie fühlen sich ungerecht behandelt.

    Obwohl Sie versuchen, Ihre Arbeit nach besten Kräften zu erledigen, reißt das schlechte Feedback von Vorgesetzten und Kollegen nicht ab. Das belastet enorm - und Sie beginnen, an Ihren Fähigkeiten zu zweifeln.

  • Sie sehen Ihren Arzt häufiger als Ihre Kollegen.

    Die Situation im Job schlägt sich bereits auf die Gesundheit nieder. Sie fühlen sich ständig müde und kraftlos. Auch Ihr Schlaf ist nicht erholsam. Seit Sie dort arbeiten, haben Sie das Gefühl, gesundheitlich anfälliger geworden zu sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Ursachen!

  • Sie halten Ihren Chef für einen Idioten.

    Das Verhältnis zum Vorgesetzten ist elementar für die Jobzufriedenheit. Man sagt: Die Menschen kommen wegen des Jobs und gehen wegen des Chefs. Falls persönliche Gespräche nicht helfen und Missverständnisse sowie atmosphärischen Störungen sich partout nicht ausräumen lassen, ist das ein starkes Warnzeichen für einen miesen Job.

Der letzte Punkt verdient - weil er so entscheidend ist - allerdings noch einmal gesonderte Betrachtung...

5 Warnzeichen, dass Ihr zukünftiger Chef ein Idiot ist

warnzeichen-chef-job-kollegenWie erkennen Sie frühzeitig, dass Sie es in einem neuem Job mit einem Idioten und Tyrannen als Vorgesetzten zu tun bekommen?

Sicher können Sie vorab ein bisschen Recherche betreiben, Arbeitgeberbewertungsportale besuchen, nach dem Namen des Chefs googeln... Das liefert vielleicht schon erste Hinweise. Viel entlarvender aber sind die Signale und Warnzeichen, die Sie schon im Vorstellungsgespräch aufschnappen können:

  1. Er ist unflexibel

    Einige Vorgesetzte sind der Meinung, dass es nur einen richtigen Weg gibt, etwas zu erledigen - ihrer. Entsteht bei Ihnen schon während des ersten Zusammentreffens das Gefühl, dass Sie es mit einer rechthaberischen Engstirne zu tun haben, sollten Sie eher vorsichtig sein. Es ist wahrscheinlich, dass der Führungsstil später ähnlich strikt ausfällt. Im Alltag wird es dann wenig Freiräume geben und der Chef wird versuchen, durch genaue Vorgaben Einfluss auf die Arbeit der Mitarbeiter zu nehmen.

  2. Er ist unfreundlich zu anderen Mitarbeitern

    Sollten Sie die Gelegenheit bekommen, den Umgang Ihres künftigen Chefs mit einem Mitarbeiter zu beobachten, sollten Sie genau hinsehen: Verhält er sich freundlich und professionell, ist dies ein gutes Zeichen. Ist er hingegen wenig respektvoll, müssen Sie davon ausgehen, dass er sich Ihnen gegenüber genauso verhalten wird, wenn Sie die Stelle erst einmal angenommen haben.

  3. Er fällt Ihnen ständig ins Wort

    Ein weiteres Zeichen von Respekt ist es, den Gesprächspartner ausreden zu lassen. Wenn Sie das Gefühl haben, kaum einen Satz abschließen zu können, scheint Ihr Chef in spe kein besonders guter Zuhörer zu sein - und damit auch keine gute Führungskraft. Dass er großen Wert auf Ihre Aussagen oder Vorschläge legt, steht dann ebenfalls infrage.

  4. Er lästert über Ihren Vorgänger

    Es ist äußerst unprofessionell, in einem Vorstellungsgespräch über den Vorgänger auf der Position zu reden. Noch schlimmer ist, wenn Ihr Gesprächspartner den Anlass nutzt, um den Vorgänger schlecht zu machen. Hier sollten Sie sich ernsthaft fragen, ob Sie in diesem Umfeld arbeiten wollen. Bis auch hinter Ihrem Rücken geredet wird, ist es dann wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit.

  5. Er lächelt nicht

    Natürlich ist ein Bewerbungsgespräch kein Kindergeburtstag. Allerdings ssollte es auch nicht so bierernst ablaufen, dass man das Gefühl hat, man sitzt in einem Verhör. Fehlendes Lächeln kann ein Zeichen dafür sein, dass er sich nicht für Sie interessiert. Oder es handelt sich bei Ihrem Gegenüber um einen notorischen Miesepeter, den auch die besten Ergebnisse im Job nicht überzeugen werden können.

Wie immer bei solchen Indizien handelt es sich um Puzzlesteine. Eine Beobachtung, eine Antwort allein sagt noch nichts über das Unternehmen und seine Arbeitgeberqualitäten aus. Häufen sich aber die Warnzeichen und können Sie dazu vielleicht sogar passende Hinweise im Internet recherchieren, ist Vorsicht geboten.

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