Was Personaler wirklich denken im Bewerbungsgespräch
Wenn Sie zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden, haben Sie die schwerste Hürde schon genommen: Ihre Bewerbungsunterlagen haben überzeugt, Ihre fachlichen Qualifikationen ebenfalls. Glückwunsch! Allerdings ist die Sache noch nicht gelaufen. Jetzt müssen Sie den Personaler auch im persönlichen Gespräch überzeugen - und den interessieren vor allem drei Dinge...

Was Personaler wirklich interessiert

Theoretisch gibt es natürlich viele Fragen, die Personaler haben könnten. Einige davon stellen sie auch und wieder, andere fallen in die Kategorie Fangfragen. Doch im Kern geht es dabei stets um dieselben Punkte, die Chefs oder Personaler wirklich interessieren. Diese:

  1. Kompetenz.

    Welche Belege können Sie erbringen, die sicherstellen, dass Sie den Herausforderungen des Jobs gewachsen sind? Hierbei geht es nicht nur um Ausbildungen oder Hochschulabschlüsse. Ebenso wichtig sind Soft Skills, Erfahrungen und Fertigkeiten (erlangt etwa durch Praktika), die beweisen: Sie schaffen das.

  2. Teamgeist.

    Werden Sie in das vorhandene Team passen - oder die Firmenkultur empfindlich stören? Wir alle wissen: Querdenker und Kreative sind der Humus, auf dem Innovationen gedeihen. Deshalb braucht sie jedes Unternehmen. Theoretisch. Tatsächlich achten Personaler - leider - eher auf Konformität. Ihre Jobchancen steigen erheblich, je eher Sie dieses Fitting vermitteln. Wie weit sich ein Bewerber dabei verstellt, hängt natürlich davon ab, wie dringend man den Job benötigt.

  3. Mehrwert.

    Verfügen Sie über eine Liste von Erfolgen, die nahelegen, Sie werden dem Arbeitgeber auch Umsatz, Einsparungen oder Mehrwert bringen? Letztlich geht es bei jeder Einstellung um eine einfache Rechnung: Man bezahlt Ihnen Gehalt X und hofft, dass Ihre Leistung einen Mehrwert von Y erwirtschaftet. Das ist zu dem Zeitpunkt zwar reine Spekulation, aber je überzeugender Sie darstellen können, dass Y größer X ist, desto eher werden Sie eingestellt. Gut, wer also auf konkret bezifferbare Erfolge aus seiner bisherigen Laufbahn verweisen kann.

Extra-Tipp: WIE erbringen Sie Ihre Leistung?

Bewerbungsformel-GrafikDer Gedanke ist vielleicht ein bisschen ungewöhnlich, provokant, aber nachdenkenswert: Angenommen, Sie wären Manager und auf der Suche nach Nachwuchskräften, vor allem nach echten Talenten. Dann würden Sie Bewerber vermutlich weniger dafür einstellen, WAS sie machen, sondern vor allem dafür, WIE sie es machen.

Der Grund: Ob Manager oder Personaler: In so einem Auswahlprozess haben sich beide zig Bewerbungsmappen angesehen, Lebensläufe gelesen, Bewerbungsanschreiben studiert und die vielversprechendsten Kandidaten selektiert.

Die Finalisten haben damit alle etwas gemeinsam: Es ist sehr wahrscheinlich, DASS sie den Job machen können.

Was jeder Personaler, jeder, der einstellt, jetzt noch will, ist die Sahnehaube oben auf: ein Bewerber mit Persönlichkeit. Und genau das steckt hinter der Frage, WIE er oder sie den Job erledigt.

Das WIE macht Sie einzigartig

Das WIE differenziert jeden Bewerber vom anderen. Es macht den Kandidaten einzigartig.

Es ist okay, wenn Manager ihren Mitarbeitern sagen, dass sie ihren Job erledigen sollen, sie persönlich führen. Es ist noch besser, wenn darüber zwischen allen ein Konsens besteht, wenn die Arbeit konzertiert und klug organisiert wird.

Wenn man Menschen auch noch sagt, WIE sie ihren Job zu erledigen haben, dann nimmt man ihnen die Identität und degradiert sie zu Befehlsempfängern und tumben Arbeitsmaschinen. Beim WIE offenbart sich schließlich die Vielfalt der Belegschaft und jedes individuelle Talent.

Natürlich denken nicht alle Manager so. Leider. Manche suchen tatsächlich lieber seelenlose Arbeitsmaschinen. Selber schuld.

Für Bewerber, die das Glück haben auf den anderen Typus Manager oder Personaler zu treffen, bedeutet dies aber auch, sich über das WIE vorab mehr Gedanken zu machen. Reihen Sie im Vorstellungsgespräch weniger berufliche Stationen aneinander, sondern erzählen Sie Geschichten anhand von Beispielen, die davon handeln, WIE Sie Ihre Aufgaben lösen.

Und nicht zuletzt denken Personaler auch darüber nach, ob die Einstellung irgendwann mal auf sie (negativ) zurückfallen könnte. Schließlich geht es dabei auch immer um ihren Job und ihre Karriere. Nicht wenige gehen deshalb auf Nummer Sicher und wagen wenig Experimente. Je besser Ihre Argumente also sind und mehr Garantien Ihre Erfahrungen und Kompetenzen bieten, desto besser Ihre Chancen.

Der Management-Guru Dave Ulrich hat es mal so zusammengefasst:

Personalverantwortliche sollten sich zuallererst um das Geschäft kümmern. Sie sollten ihren Erfolg nicht daran messen, wie viele Mitarbeiter sie einstellen oder ausbilden, sondern daran, wie stark ihre Arbeit zum Geschäftserfolg beiträgt.

Personaler: Das verbirgt sich hinter ihren Fragen

Personalberater-Personalberatung-Check01Gerne machen Kandidaten Personalern den Vorwurf, sie hätten einen von Anfang an auf dem Kieker. Zugegeben, für Kandidaten sind manche Fangfragen schwierig und auf den ersten Blick mag es den Anschein haben, als würden Personaler alles tun, um einen Kandidaten aus dem Unternehmen rauszuhalten (was zuweilen auch stimmt). Im Großen und Ganzen steht aber auch hinter der abstrusesten Fragen oft nur ein sachlicher Grund: Sie wollen ihrer Verantwortung gerecht werden und einen geeigneten Kandidaten für die freie Stelle finden.

Und dabei denken und interessieren sich diese vor allem für die oben genannten Punkte in praktisch jedem Bewerbungsgespräch. Erst wenn Sie die dazugehörigen Fragen überzeugend beantworten können, sind Sie wirklich gut vorbereitet.

Aber - und das ist die gute Nachricht - das ist keine Raketenwissenschaft. Die 5 Kernfragen kennen Sie nun - jetzt sollten Sie die brillanten Antworten vorbereiten. Und das ist gar nicht so schwer. Denn auch hier kommt es vor allem auf Ehrlichkeit, Persönlichkeit und Authentizität an.

Deshalb, daher und darum...

  1. Nehmen Sie sich Zeit

    Auch in einem Vorstellungsgespräch darf man sich einige Sekunden Zeit nehmen, um über die Antwort zu einer Frage nachzudenken. So senken Sie nicht nur Ihren Blutdruck, sondern können sich auch eine entsprechende Antwort überlegen. Die Aufregung und Nervosität verleiten oft dazu, möglichst rasch zu antworten, doch gerade bei Fragen, die Sie unvorbereitet treffen, ist Ruhe die bessere Strategie.

  2. Fragen Sie nach

    Viel zu selten nutzen Bewerber die Chance, in einem Vorstellungsgespräch nachzufragen (insbesondere, wenn sie die Frage nicht verstanden haben). Zu groß ist die Angst, dass dies als fehlende Aufmerksamkeit oder Schwäche ausgelegt wird. Dabei können Sie so Interesse demonstrieren - und eine passendere Antwort geben.

  3. Lassen Sie sich darauf ein

    Manche Fragen sind durchaus außergewöhnlich, wenn nicht gar abwegig. Genau das sollen sie auch sein, um den Bewerber aus der Komfortzone zu locken. Bleiben Sie offen und gehen Sie selbstbewusst auf die Fragen ein, um einen guten Eindruck zu hinterlassen.

  4. Erklären Sie Ihre Lösung

    Bei vielen dieser Fragen kommt es nicht darauf an, die richtige Lösung zu nennen. Meist gibt es gar kein Richtig oder Falsch. Wichtiger ist, dass Sie Ihre Gedankengänge erklären und so Ihren Lösungsansatz aufzeigen. So erhält Ihr Gegenüber ein Bild, wie Sie an Probleme und Herausforderungen herangehen.

Wie Sie Personaler garantiert abschrecken

Extra-Tipp-IconIn einer US-Umfrage wurden Personaler einmal gefragt, welche Peinlichkeiten ihnen im Bewerbungsprozess schon begegnet sind. Achtung, anschnallen! Mit diesen fünf Einlagen bringen Sie Personaler unter Garantie dazu, Ihre Bewerbung umgehend in Ablage P zu versenken...

  1. Ein Bewerber fand heraus, wo der Personaler speiste, machte sich auf den Weg zum Restaurant und übernahm dort für ihn die Rechnung.

    Warum es nicht funktioniert: Die Idee ist zwar durchaus originell, aber auf eine gespenstisch-gruselige Art und Weise. Wenn Sie als Stalker in Erinnerung bleiben wollen, so klappt's. Überdies ist Bestechung, in welcher Form auch immer, in Zeiten hammerharter Compliance-Anforderungen keine gute Idee.

    Lehre für Bewerber: Vermeiden Sie grundsätzlich alles, was den Anschein von Bestechung erwecken könnte. Schicken Sie keine Präsentkörbe, bringen Sie keine Pins, Spezialitäten oder andere Mitbringsel aus Ihrer Heimat mit - und übernehmen Sie selbstverständlich auch keine Rechnungen.
  2. Ein Bewerber veranlasste seine kleine Tochter, noch vor dem Vorstellungsgespräch den Personaler anzurufen, um ihm dafür zu danken, dass er "Papi einen Job gibt".

    Warum es nicht funktioniert: Manipulation höchster Stufe - wer seine kleine Tochter vorschickt, schreckt wahrscheinlich vor nichts zurück. Man könnte es auch als Bestechung ansehen. Oder als Mitleidstour. Die aber zieht im Vorstellungsgespräch ganz sicher nicht.

    Lehre für Bewerber: Die Firma ist an Ihren Fähigkeiten interessiert und nicht daran, Ihnen eine Freude zu machen oder Sie aus einer schwierigen Lebenslage befreien (so hart das klingt). Außerdem: Gehen Sie niemals davon aus, dass Sie den Job so gut wie in der Tasche haben. Das macht nachlässig.
  3. Ein Bewerber nahm im Vorstellungsgespräch einen Anruf entgegen, der angeblich von einem anderen Unternehmen kam, das mit ihm über ein Jobangebot sprechen wollte.

    Warum es nicht funktioniert: So etwas nennt man: Die Pistole auf die Brust setzen. Druck ausüben, das ist im Bewerbungsprozess für Jobkandidaten nur sehr begrenzt sinnvoll. Und auf diese Art schon mal gar nicht.

    Lehre für Bewerber: Das Handy im Vorstellungsgespräch nicht aus- oder zumindest lautlos zu stellen, ist Fehler Nummer 1. Wenn es bimmelt, auch noch dranzugehen, Fehler Nummer zwei - und unverzeihlich, wenn man nicht gerade auf die Nachricht von der Geburt des ersten Kindes wartet. Dann aber noch einen draufzusetzen und dieses Gespräch als Druckmittel zu instrumentalisieren - das ist schon fast wieder zu gut, um wahr zu sein. Dreistigkeit zahlt sich im Leben tatsächlich oft aus, so allerdings nicht.
  4. Ein Bewerber brachte alte Fotos mit, die Verwandte von ihm bei der Arbeit in eben diesem Unternehmen zeigten.

    Warum es nicht funktioniert: Eine persönliche Verbindungslinie zum Unternehmen herzustellen, das kann eine gute Taktik sein. Schließlich können auch die eigenen Verwandten ihren Arbeitgeber weiterempfehlen - oder eben nicht. Dennoch ist Sentimentalität in der Bewerbung völlig unangebracht. Auf die Qualifikationen und Eignung des Bewerbers kommt es an.

    Lehre für Bewerber: Dass schon Ihr Onkel, Tante oder Urgroßvater im Unternehmen gearbeitet und dort immer glücklich waren, das ist eine legitime Antwort auf die Frage: "Warum wollen Sie bei uns arbeiten?" Aber es sollte nur eine nette Ergänzung, nicht die Kernaussage sein.
  5. Ein Bewerber zündete eine Ecke seines Lebenslaufs an, um zu zeigen, wie sehr er "für den Job brennt".

    Warum es nicht funktioniert: Hier wird der dramaturgische Spannungsbogen ein klitzekleines bisschen überspannt. Zwar bleiben Sie so garantiert in Erinnerung, aber erwecken zugleich den Eindruck, dass Sie womöglich auch im Arbeitsalltag mehr Showman denn Arbeitstier sind. Obendrein kann so eine Aktion sogar gefährlich werden, für beide Seiten...

    Lehre für Bewerber: Übertreiben Sie es nicht. Einfallsreichtum in der Bewerbung ist prima, aber nur bis zu einer gewissen Grenze.
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