Früher war alles besser. Sagt man. Ein paar Bratwürste und eine Maß Bier kosteten nur 55 Pfennige. Vollbeschäftigung war eine Tatsache und keine leere Versprechung populistischer Wahlkampfredner. Neue Jobs gab es an jeder Straßenecke. Und Kontakte zu Unternehmen mussten nicht aufwendig geknüpft werden – man ging einfach nur hin, fragte und hatte danach entweder eine neue Beschäftigung oder nicht.

Tempi passati. Es folgten Jahre, in denen man 60, 70, 100 Bewerbungen schreiben und verschicken und angespannt auf die Morgenpost warten musste, um viele Absagen und hoffentlich eine oder zwei Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch entgegen zu nehmen. Die Jobs wurden weniger, gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Bewerber.

    Und heute?

Vollbeschäftigung gibt es nicht mehr – und die Aussichten darauf sind, nunja, alles andere als rosig. Noch immer müssen Bewerber viele Briefe schreiben, Lebensläufe und Motivationsschreiben verschicken. Nicht wenige müssen danach noch Assessment Center erfolgreich absolvieren oder knifflige Fallstudien bearbeiten. Falls Sie überhaupt eingeladen werden – zu den Tests, den Gesprächen, den Schnupperpraktika.

ABER – und das ist ein großes Aber – heute gibt es auch das Internet. Es gibt Soziale Netzwerke, Mikrobloggingdienste, Blogs, Foren… Kurz: Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen, Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen, Beziehungsgeflechte aufzubauen und zu pflegen. Gerade für die weniger eloquenten Menschen, die Schüchternen und die Bewerber in ländlichen oder abgelegenen Ecken der Republik ergeben sich so zahlreiche neue Chancen, die sie früher nicht gehabt hätten.

Das gilt natürlich nicht nur für schüchterne Bewerber. Jeder Jobinteressierte kann sich heute verschiedener Kanäle bedienen, um mit seinem Wunscharbeitgeber in Kontakt zu treten. Die nützlichsten davon sind: E-Mail, Xing, Twitter und Facebook. Welche dieser Medien Sie wann und wie optimal einsetzen können, erfahren Sie jetzt:

  • E-Mail Unter den modernen Medien ist Mailen die älteste und bewährteste Form der Kontaktaufnahme. Via E-Mail können Sie unverbindlich nachfragen, ob derzeit Praktika vergeben werden, oder Sie können sich nach einem Ansprechpartner erkundigen. Die E-Mail ist ein regelrechter Eisbrecher. Wenn Sie anschließend bei dem Unternehmen anrufen oder sich zum Vorstellungsgespräch treffen, können Sie sich auf die vorherige E-Mail-Korrespondenz beziehen.

    Drei Grundregeln sollten Sie dabei jedoch beachten:

    1. Verwenden Sie einen aussagekräftigen Betreff wie beispielsweise “Praktikum August/September 2010″.
    2. Vermeiden Sie Abkürzungen wie „thx” oder “MFG” – Die E-Mail ist kein Tweet: Sie haben mehr als 140 Zeichen!
    3. Die korrekte Anrede lautet “Sehr geehrte Frau …” beziehungsweise “Sehr geehrter Herr …” – nicht “Hallo Frau …” oder “Lieber Herr …”.
  • Xing In dem Businessnetzwerk geht es längst nicht so förmlich zu, wie man vielleicht meint. Als ich im vergangenen Jahr eine Serie las, in der eine junge Wirtschaftsprüfungsassistentin über Ihren Arbeitgeber berichtete, wollte ich mehr dazu wissen und habe die Frau bei Xing gesucht und sofort gefunden. Bis zu diesem Punkt kann das jeder. Für eine Bewerbung können Sie aber noch einen Schritt weiter gehen und solchen Personen eine persönliche Nachricht schicken. Ich selbst habe schon für eine Bewerbung zehn Personen angeschrieben und nachgefragt, wie es ihnen bei einem bestimmten Unternehmen ergeht. Alle haben geantwortet und einige davon haben mir sogar sehr detaillierte Erfahrungsberichte geschickt. Anhand solcher Informationen können Sie wesentlich bessere Entscheidungen treffen. Nutzen Sie die Möglichkeiten von Xing! Besonders wertvoll sind Informationen von Jobwechslern, denn die haben keinen Grund geschönte Details ihres alten Arbeitgebers zu verbreiten. Eine weitere Möglichkeit der Kontaktaufnahme sind die auf Xing eingestellten Jobangebote, die ja meist von Personalverantwortlichen der Unternehmen betreut werden. Wenn Sie eine Frage haben, fackeln Sie nicht lange und schreiben Sie die betreffende Person an. Überdies können Sie auch durch Gruppenbeiträge auf sich aufmerksam machen. Denn Fakt ist: Sie müssen in erster Linie selbst aktiv werden.
  • Twitter Auch hier können Sie sehr schnell und sehr leicht den ersten Kontakt zu Ihrem Wunschunternehmen herstellen. Bei Twitter finden Sie zwar derzeit noch vermehrt Medien- oder IT-Unternehmen, doch auch die klassische Industrie und der Mittelstand ziehen dort immer mehr ein. Der einfachste Weg ist dann, den betreffenden Zielunternehmen und Mitarbeitern zu folgen und via @Reply einen Dialog zu beginnen. Das Weitere ergibt sich dann sehr schnell. Lesenswert dazu ist übrigens auch der Gastbeitrag von Olivera Wahl, zum Thema Jobsuche via Social Media.

    Wichtigste Regel hierbei ist:

    1. Sie müssen sich einfach nur trauen, auf diese lockere Weise jemanden anzusprechen.
  • Facebook Das Prinzip eines lockeren Twitter-Kontakts trifft auch auf Facebook zu. Mit einem Klick werden Sie hier Fan oder Gruppenteilnehmer und nehmen so ersten Kontakt mit Ihrem Wunschunternehmen (oder anderen Fans) auf. Allerdings ist es hier nicht ratsam, wahllos Unternehmensvertretern Freundschaftseinladungen zu schicken. Im Gegensatz zu Xing sollten Sie Ihre Kontakte bereits persönlich kennengelernt haben – etwa auf einer Jobmesse.

Früher war eben vielleicht doch nicht alles besser.

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Vom Studium zum ersten Job. Die Artikel richten sich in erster Linie (aber nicht ausschließlich) an abschlussnahe Studierende und Absolventen. Morgen erfahren Sie den Grund, warum ihr erster Arbeitgeber nicht der letzte sein wird.

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