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0 von Jochen Mai am 1. März 2010 → Fundsachen in Watchblog
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Weisheit der Masse – Das Sozialkapital wird zum Produktionsfaktor

Vielleicht ist es nur eine urbane Legende. Doch der erste Vorbote einer neuen, wirtschaftlichen Epoche könnte schon 1970 an der Universität von Oregon erschienen sein. Damals, so geht die Geschichte, beauftragte die Universitätsleitung die Studenten mit der Umgestaltung des Campus’. Die planierten ihn, säten Rasen und warteten ein Semester lang ab. Danach teerten sie die Wege wo der Rasen heruntergetrampelt war. So entstanden befestigte Wegstrecken exakt und nur an jenen Stellen, wo sie benötigt wurden. Kein Landschaftsarchitekt hätte sie so planen können.

Mit der richtigen Methode – in diesem Fall war es Rasen – lässt sich ein Wert aus dem Kollektiv schöpfen, der dem Einzelnen verwehrt bleibt. Genau das verbirgt sich letztlich auch hinter der „Wisdom of the Crowds“, der Weisheit der Vielen – ein im Internetkontext ebenso häufig wie falsch benutzter Begriff. Tatsächlich ist dabei weniger echte Weisheit gemeint, sondern vielmehr ein implizites Wissen, das sich aus den miteinander vernetzten Handlungen vieler einzelner Menschen speist.

Diese charmante, aber simple Mechanik der Wertschöpfung ist in der Wirtschaft keineswegs neu; neu ist aber, dass dieser Wert in der sozialen Vernetzung selbst liegt – mit weitreichenden Auswirkungen auf Technologien und Märkte. 2004 formulierte Howard Rheingold in seinem Buch „Smart Mobs“ die These: „Die Killerapplikationen der mobilen IT-Industrie von morgen werden nicht Hardware oder Software sein, sondern soziale Handlungen.“ Betrachtet man die erfolgreichste Plattform des mobilen Internets, Facebook, dann scheint die These bereits verifziert zu sein.


So beginnt der Debattenbeitrag, den Promiblogger Sascha Lobo für die WirtschaftsWoche (für die ich arbeite) verfasst hat und den ich nur wärmstens zum Lesen und Mitdiskutieren empfehlen kann. Denn in der Tat ist es eine wichtige Frage, ob das Sozialkapital einen wesentlichen Produktionsfaktor der Zukunft ausmacht – neben den klassischen Faktoren Arbeit, Boden, Kapital und Wissen.

Eines der neuesten sozialen Netzwerke setzt bereits darauf: Blippy.com lässt seine Nutzer auf ihren Profilen automatisiert veröffentlichen, was sie mit ihrer Kreditkarte und in verschiedenen Online-Shops gekauft haben. Das kann man als Spinnerei abtun, doch womöglich steuern solche Netzwerke schon bald Konsumströme. So ist es auch kein Zufall, das einer der Blippy-Finanziers Sequoia Capital ist. Die haben schon Apple, Yahoo, Google, Paypal und Youtube groß gemacht. Aber genug der Vorrede, am besten Sie lesen selbst weiter… HIER.



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