140 Zeichen – was ist das schon? Manche bringen ganze Geschichten darin unter. So schnell wie auf Twitter wird im Netz kaum kommuniziert. Für mich persönlich sind Tweets längst eine der Hauptnachrichtenquellen. Je nachdem wie man sich die Gruppe derer zusammenstellt, denen man folgt, bekommt man die relevanten Informationen, die einen interessieren, noch bevor sie in den großen Nachrichtenportalen stehen. Mindestens aber zeitgleich. Das aber ist zugleich das Problem: Auf Twitter kursieren auch immer wieder sogenannte Hoaxes, Falschmeldungen und Scherze, denen nicht wenige aufsitzen und sie sofort verbreiten, was mich zur Frage bringt: Wie lässt sich unterscheiden, wann ein Tweet oder Twitterer glaubwürdig ist und wann nicht?
Ich bin wahrlich nicht der Erste, der sich diese Frage gestellt hat. Eine Gemeinschaftsstudie (PDF) von Microsoft und der Carnegie Mellon Universität (Titel: Tweeting is believing) hat dies kürzlich ebenfalls untersucht, um herauszufinden, was Tweets insgesamt glaubwürdiger und die Absender in den Augen der anderen vertrauenswürdiger macht (auf einer Skala von 1 bis 5 = hohe Vertrauenswürdigkeit). Zugegeben, die Ergebnisse bringen jetzt keine bahnbrechenden und unerwartbaren Ergebnisse. Müssen sie aber auch nicht. An ihnen lässt sich schon gut ablesen, was überhaupt Vertrauen im Netz schafft – nämlich Transparenz, Leumund, eine hohe Gefolgschaft und ein gutes Profilfoto.
Die Top10 Faktoren, die Tweets glaubwürdig machen
- Der Tweet wurde von jemandem retweetet, dem ich selbst vertraue (4,08)
- Der Tweet wurde von einem Experten anerkannt, bestätigt, wiederholt (4,04)
- Ich selbst folge dem Autor schon eine zeitlang (4,00)
- Der Tweet enthält einen Link zur Quelle (3,93)
- Der Autor genießt im Netz einen guten Ruf (3,93)
- Der Account des Absenders gilt als “verifiziert” (3,92)
- Der Autor twittert häufig über dieses Thema (3,74)
- Die Tweets des Autors drehen sich regelmäßig um dieses Thema (3,71)
- Der Autor zeigt sich im Profil-Foto (3,70)
- Der Autor wird insgesamt häufig erwähnt oder retweetet (3,69)
Die Top5 Faktoren, die Tweets eher unglaubwürdig machen
- Der Tweet enthält viele Tippfehler und die Grammatik ist mies (2,71)
- Das Profilbild entspricht noch der Default-Einstellung (2,87)
- Der Autor benutzt ein Comicbild oder Avatar als Profilbild (3,22)
- Der Autor folgt vielen Menschen, mehr als ihm folgen (3,30)
- Der Autor nutzt ein Logo als Profilbild (3,37)
Die letzten Punkte, also die fünf Faktoren, die einen Absender oder Tweet am wenigsten vertrauenswürdig machen finde ich besonders interessant: Das Profilbild taucht darin gleich drei Mal auf, woraus man zwar einerseits auf die Oberflächlichkeit der Menschen schließen könnte, die an einem Foto – das ebenfalls ein Fake sein könnte – Vertrauenswürdigkeit festmachen. Oder aber man nimmt diese Erkenntnis und bearbeitet sein Profilbild… Ich selbst nutze seit einiger Zeit ein Comicbild. Hm…
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Mike Schnoor
Das Comic-Bild bei Dir ist letztendlich ein reflektiertes Konterfei deiner selbst, welches m.E. kein Problem hinsichtlich Glaubwürdigkeit darstellt. Vielmehr wäre z.B. Bart Simpson, Barbie oder He-Man für die Glaubwürdigkeit des Autoren bzw. Twitter-Nutzers ein Problem zur Chance auf RTs – zumindest so deute ich dieses Ergebnis.
Bianca
Bei Punkt 4 der Top5-Faktoren, die angeblich zur Unglaubwürdigkeit führen, bin ich skeptisch (und nein, nicht nur weil es bei mir so ist;-). Es könnte doch auch sein, dass der Twitterer sich einfach für viele(s) interessiert? Das kann sich ja dann auch um grosse Unternehmen handeln, die nicht jedem folgen können.
Punkt 3 und 5 kann ich auch nicht nachvollziehen. Eben ein Unternehmen, welches sein Logo als Profilbild benutzt, ist ja wohl kaum unglaubwürdig. Und grade Privatpersonen können doch auch machen, was sie wollen…
Ich finde schon auch, dass dies von einer allgemeinen Oberflächlichkeit in den Köpfen der Leute zeugt.
Karsten
Bianca,
ich denke es kommt bei Punkt 4 eher auf das Verhältnis und die Größe der Zahlen an. Wenn du bspw. 250 Leuten folgst und dir “nur” 170, dann ist das auf jeden Fall ok.
Wenn du allerdings 2000 Leuten folgst und dir nur 50, dann wirds schon schwierig… Denn auch wenn man sehr interessiert ist, so ist jedem glaub ich klar, dass man 2000 Leuten nicht wirklich “folgen” kann… Schaut halt nach Follower-Sammler aus.
Und beim Logo einer Firma geht’s glaub ich weniger um die Glaubwürdigkeit, sondern eher um die Authentizität. Denn zu nem Logo kann man schlecht ne persönliche Bindung aufbauen. Das geht mit Personen besser… und bei Twitter geht’s eben um Kommunikation mit anderen Personen.
Das hat Mark Schaefer hier übrigens mal sehr schön beschrieben:
http://www.businessesgrow.com/2011/01/17/your-companys-single-biggest-mistake-on-twitter/
Horst Schulte
In den Augen des “Internets” jedenfalls, wenn dieser mehr als 1000x geretweetet wurde.
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