Ein Gastbeitrag zum Weltfrauentag von der freien Radio-Journalistin Maren Cremer

Heute ist Weltfrauentag – Grund genung, um die aktuelle Situation der Frauen in Deutschland zu beleuchten. „Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen!“ Das wusste bereits Kurt Tucholsky. Frauen sind erfolgreich, das steht außer Frage. Aber wie erfolgreich darf eine Frau sein? Wie hoch hängt die gläserne Decke? Diese Fragen prägen die aktuelle Debatte um Frauenquoten für die deutsche Wirtschaft.

Man könnte meinen, es ginge dabei stets um Qualifikationen. Doch wer aufmerksam die Diskussionen verfolgt, merkt schnell: Der eigentliche Streitpunkt ist das Handicap Kind. Es geht nicht darum, ob Frauen den Männern das Wasser, sondern ob sie nebenbei auch noch dem Kind die Flasche reichen können. Tatsächlich liegt Deutschland in Sachen Kind & Karriere im internationalen Vergleich weit zurück. Wie die „Welt“ berichtet waren die Vorstände 2010 in Schweden zu 17 Prozent mit Frauen besetzt, in Großbritannien und den USA zu 14 Prozent, in Norwegen waren es 12 Prozent. Deutschland hingegen teilt sich den letzten Platz mit Indien, bei 2 Prozent Frauenanteil, noch nach China mit 8 Prozent.

Die Frauen, die es in die Führungsetagen der Unternehmen geschafft haben sind neben dem Job auch weiterhin stark in Haushalt und Familie eingebunden. Zahlen des DIW bestätigen, dass Frauen weiterhin 58 Prozent des Haushaltes erledigen. Nur 28 Prozent der Frauen haben neben dem Job Kinder, im Gegensatz zu 38 Prozent der männlichen Kollegen, die in einer vergleichbaren Position arbeiten. Auch für Ehepartner scheint den Frauen weniger Zeit zu bleiben, ganze 55 Prozent sind ledig, auf der männlichen Seite sind es hingegen nur 38 Prozent.

Die Gegner einer vom Staat verordneten Frauenquote meinen daher, dass das Problem der mangelnden Präsenz von Frauen in Führungsgremien nur durch einen Strukturwandel im Bereich der Kinderbetreuung zu lösen ist: Kindertagesstätten, Ganztagsschulen und flexible Arbeitszeiten werden gefordert. Außerdem brauche es mehr karriereverträgliche Ansätze Vätern die Möglichkeit zu geben sich eine Zeit lang um Familie und Haushalt zu kümmern. Denn: Wenn die Strukturen erstmal stimmen, dann wird sich auch der Frauenanteil in der Unternehmensführung ändern.

Andere glauben jedoch nicht an einen automatischen Wandel. Die traditionellen Geschlechterrollen müssten überwunden werden, und dies könne nur durch mehr Frauen in Führungspositionen erreicht werden. Solange die Frauenquote freiwillig ist, werden Frauen nicht vermehrt berufen, dies habe man nach nun zehn Jahren der freiwilligen Selbstverpflichtung gesehen. Männer scheinen lieber Männer zu berufen, da die ein ähnliches Lebensmodell teilen und sich demnach auch besser einschätzen können.

Ohne Quote denken Männer nicht um

Charlotta Köster-Brons, Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen meint, dass Männer bezüglich ihres „Mentalitätsproblems“ nur durch stärkere Präsenz von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten umdenken. Doch das scheinen sie zu scheuen.

Die Bundesministerin für Familie, Kristina Schröder, befürchtet jedoch, dass eine Quote per Gesetz nur einen bestimmten Typus Frau begünstigen würde, und dies wären eben nicht die Frauen mit Kind und Kegel. Eine gesetzliche Vorschrift sei „Augenwischerei“, man habe danach vielleicht mehr Frauen im Gremium, aber dadurch gebe es noch keine grundlegende Veränderung im Unternehmen als Ganzem.

Manche Frau befürchtet gar durch eine Quote als unqualifiziert abgestempelt zu werden – als Quotenfrau eben. Und das Klischee will wohl keine bedienen.

Während die einen über die Frau, ihre Qualifikationen und Kinder debattieren, nimmt der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Männer in den Blick: Es sei gegen das Unternehmens- und Verfassungsrecht, jemanden aufgrund eines falschen Geschlechts aus der Führung hinaus zu drängen. Eine Frauenquote führe doch nur wieder zur Diskriminierung, dann eben der der Männer.

Die Debatte um die Frauenquote liest sich wie die philosophische Frage nach der Henne und dem Ei. Was braucht es zuerst, die Quote oder die Kita?

Sicherlich schadet die Diskussion nicht. Aber letztlich fehlen bisher die wirklich großen Taten, von denen Frauen und damit auch die Wirtschaft profitieren. Womöglich ist es weniger entscheidend, welchen Weg man einschlägt – und wichtiger nicht länger auf der Stelle zu treten, sondern konkrete Schritte zu wagen.

Die Geschichte des Weltfrauentags

Die Geschichte des Weltfrauentags ist eine Geschichte voller Verve und Verluste. Das Datum selbst geht auf den 8. März 1908 zurück. Damals forderten amerikanische Arbeiterinnen der Social Democratic Women’s Society die Einführung des Frauenwahlrechts. Im gleichen Amtemzug wird irrtümlicherweise auch die Feuerkatastrophe vom 25. März 1911 erwähnt. Die Inhaber der an diesem Tag bestreikten Textilfabrik Cotton in New York, beendeten den Streik auf brutale Weise und schlossen die Frauen in der Fabrikhalle ein. Als auf bis dato ungeklärte Weise ein Feuer ausbrauch, starben vermutlich 146 Aufständische qualvoll in den Flammen. Für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Der erste internationale Frauentag fand dann jedoch an einem anderen Datum statt. Am 19. März 1911, initiiert durch Clara Zetkin. Das Datum sollte für einen revolutionären Anstrich sorgen, denn am Tag zuvor, dem 18. März war traditioneller Gedenktag für die Gefallenen in Berlin – während der Revolution von 1848.

Die Festlegung des Weltfrauentages auf das heutige Datum erfolgte erst im Jahr 1921. Wieder gaben unzufriedene Textilarbeiterinnen den Auslöser. Dieses Mal in Petersburg, dort fanden anlässlich des Frauentages am 8. März 1917 Streiks und Kämpfe statt, die schließlich zur Februarrevolution führten (Nach dem russischen Kalender fiel der Tag dort auf den 23. Februar 1921).

Während des Dritten Reiches wurde der Frauentag schließlich ganz verboten und durch den heutigen Muttertag ersetzt. Für die Nazis war die Rolle der Frau als Aufständische und Kämpferin unvorstellbar, schließlich sollte sie ihre Rolle als Ehefrau und vor allem Mutter einnehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der DDR bereits wieder der Weltfrauentag gefeiert, während es in der Bundesrepublik erst eine engagierte Frauenbewegung brauchte, um in den späten Sechzigerahren wieder an die Rechte der Frauen zu denken.