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Weltkusstag: Der perfekte Kuss

Weltkusstag-Küssen-Paar
Das Schöne am Küssen ist ja: Es gibt dabei kein Solo, der Kuss ist immer ein Duett. Der eine oder andere mag jetzt einwenden, dass es auch ein Trio, ein Quartett oder Quintett geben kann. Ich behaupte das Gegenteil. Der Kuss in seinem Moment, in seinem Element ist immer nur ein Duett. Ausschließlich. Dabei gibt es viele interessante Küsse:

  • den Bruderkuss
  • den Abschiedskuss
  • den Handkuss
  • den Judaskuss

Normalerweise würde diese schier unglaubliche Inflation dazu beitragen, dass der Kuss seinen Wert verliert. Nichts davon: Der Kuss ist das Wertvollste, was sie Liebende schenken können. Ein Argument für diese These: Selbst Huren – und die kennen sich aus in Sachen Lust und Leidenschaft – verwehren ihren Freiern in der Regel den Kuss, er bleibt ausschließlich der Liebe vorbehalten…


Was aber ist ein perfekter Kuss?

Weltkusstag-perfekter-Kuss-KinderDie Antwort darauf ist, das es keine Antwort geben kann. Der perfekte Kuss ist einmalig. Jedes Mal anders.

Manchmal ist es nur ein flüchtiger Moment. Ein leises Berühren von Lippen. Eine Andeutung. Ein Luftzug. Öfter ist es Knabbern und Saugen, Pressen und Schlingen. Manchmal auch ein Schmatzen. Zungen, die miteinander spielen. Gleichstarke Gegner, die sich jagen und fangen, die ihren Gefühlen folgen, sich kosten und kosen.

Das ist freilich noch immer keine Definition für den perfekten Kuss. Aber der Versuch einer Annäherung. So ist das nun mal mit dem Küssen, bei dem Phantasie und Kreativität, Zärtlichkeit und Ungestüm, Sturm und Drang abwechseln. Er ist wie eine Formel mit 20 Variablen. Und das macht den Reiz aus. Ein Kuss ist mal aktiv, mal passiv. Man spielt mit dem anderen, dirigiert ihn und lässt sich dominieren.

Die Hände spielen dabei keine unwesentliche Rolle. Küssen ist nicht nur Mund-zu-Mund-Akrobatik. Die Hände können dabei sogar die Hauptrolle übernehmen: Sie greifen ins Haar, zerren daran, zwingen den anderen sich auszuliefern. Sie können den Körper verführen, wandern, streicheln, stimulieren. Das Gebiet der Empfindung vergrößern oder verlagern, Akzente setzen. Sie können ablenken und hinführen, verführen im Wortsinne. Natürlich können die Hände ebenso gut festhalten, Halt geben, beschützen, damit der andere sich fallen lassen kann.

Ganz anders der passive Kuss. Er ist Hingabe. Genuss. Das Denken setzt aus und wird überstrahlt von Fühlen. Loslassen. Vertrauen. Ausliefern. Man spürt die Küsse auf der Haut. Feuchtigkeit und Wärme. Spürt die Zunge kitzeln, hört ihr Schmatzen, fühlt das Saugen. Vielleicht wird es begleitet von Worten, die zart ins Ohr gehaucht werden.

Ein perfekter Kuss hat immer auch seine eigene Akustik. Er ist hörbar. Nicht nur durch seine primären Laute, sondern auch durch die Reaktionen, die er auslöst. Die Laute sind wie eine Art Ventil für überkochenden Druck. Das kann leises Wimmern sein, Seufzen. Auch anschwellendes Atmen, Keuchen. Das Schöne an diesen Lauten ist, sie stimulieren noch mehr. Bis wir uns davon mitreißen lassen.

Auch gelegentliches Beißen erhöht diesen Reiz. Weil dosierter Schmerz Sinnlichkeit steigert. Weil er Assoziationen weckt. Und weil er Teil der Gewissheit ist, dass jeder Kuss endlich ist. Wie oft wünschen sich Liebende, dass der innige Moment der Verschmelzung niemals enden würde, obgleich sie wissen, dass es genau so kommt. Ja, kommen muss. Denn gäbe es kein Ende – es gäbe auch keinen neuen Kuss. Es ist ein Anlauf gegen den Ablauf, ein Aufbäumen gegen das Ausbleiben.

Der Schmerz – er gehört zum Kuss wie die Vorfreude darauf.

Akkolade statt Handschlag

Immer häufiger wird zur Begrüßung der angedeutete (!) Wangenkuss verwendet. Der stammt ursprünglich aus der Ritterzeit: Mit dem Kussritual wurden Ritter in ihren Orden aufgenommen. Heute gehört diese Bussi-Bussi-Kultur zu den alltäglichen Begrüßungsformen, die den Handschlag immer mehr ablöst.

Laut einer Studie der Manchester Metropolitan Universität geben sich zwar noch 74 Prozent der Erwachsenen die Hände zur Begrüßung oder zum Abschied – bei der Generation der Unter-25-Jährigen sind es aber nur noch 45 Prozent. Die Jüngeren geben sich stattdessen lieber ein Küsschen rechts und Küsschen links, stellt der Psychologe David Holmes fest.

Während in Deutschland oder Italien meist zwei Küsse reichen, wird in der Schweiz oder den Niederlanden bei der Begrüßung und beim Abschied sogar ein dritter Kuss erwartet. In Frankreich wiederum variiert die Zahl der Wangenküsse je nach Region zwischen zwei und vier.

Egal, wie oft sie den Wangenkuss letztlich andeuten: Die Akkolade gehört eindeutig ins Privatleben und bitte niemals ins berufliche Umfeld! Nur Menschen, die sich privat sehr gut kennen, dürfen sich so begrüßen. Alles andere ist eine deutliche Verletzung der sogenannten Distanzzone, beziehungsweise Intimsphäre.

Wissenswerte Fakten über das Küssen

  • Rechtskuss.

    Zwei Drittel aller Menschen drehen ihren Kopf beim Küssen nach rechts.

  • Zungenkuss.

    Nicht nur Menschen kennen den Zungenkuss. Auch bei Bonobos und Orang Utans sind Zungenküsse schon beobachtet wurden.

  • Kussverbot.

    In In Baltimore und Halethropem im US-Bundesstaat Maryland dürfen sich Pärchen in der Öffentlichkeit nicht länger als eine Sekunde küssen. In Iowa darf immerhin maximal fünf Minuten geknutscht werden. Und im Logan County (Staat Colorado) ist es indes verboten, schlafende Frauen zu küssen. Ein Gesetz des Staates Wisconsin verbietet wiederum, sich in Zügen zu küssen, während die Franzosen das Küssen auf Bahnübergängen verboten haben.

  • Fastenkuss.

    Im Fastenmonat des Ramadan ist es Moslems nicht erlaubt, ihren Ehepartner zu küssen.

  • Nasenkuss.

    Das berühmte Aneinanderreiben der Nasenspitze bei den Inuit, auch Nasenkuss, Eskimokuss oder Riechkuss genannt, ist – im Gegensatz zum Klischee – gar kein Kuss, sondern eine ganz eigene Geste, bei der es vor allem darum geht, den anderen zu riechen.

  • Rekordkuss.

    Der längste Kuss der Welt fand vom 18. September 2010 bis 19. September 2010 in New Jersey statt. Matty und Bobby knutschten dabei ganze 33 Stunden lang (Guinness-Rekord).

  • Knabberkuss.

    In Neuguinea knabbern sich Verliebte zärtlich an den Wimpern (statt eines Kusses).

  • Filmkuss.

    Die meisten Filmküsse gab es in dem Streifen „Don Juan“ aus dem Jahre 1926. Damals knutschte John Barrymoore mit Mary Astor und Estelle Taylor ganze 127 Mal.

  • Kussangst.

    Die krankhafte Angst vor dem Küssen oder dem Geküsstwerden heißt Philemaphobie. Oftmals stecken dahinter hygienische Bedenken.

Einen schönen Welttag des Kusses!

[Bildnachweis: Ollyy, Vitalinka by Shutterstock.com]



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