Ein Gastbeitrag von Björn Tantau

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An Klout scheiden sich die Geister. Was für die einen ein sinnvolles Tool ist, das mit einer neuen Metrik versucht, den Einfluss einzelner Personen im Internet zu messen, halten die anderen für einen überflüssigen und oberflächlichen Versuch, Selbstdarstellern die Möglichkeit zu geben, sich wichtig zu machen. Doch wo liegt die Wahrheit? Man sagt gern: in der Mitte. Von beidem also etwas. Grundsätzlich korrekt, bei Klout allerdings doch zu kurz gedacht. Die eigentliche sich zu stellende Frage lautet nicht, wer Klout braucht, sondern was daraus gemacht wird.

Wer braucht Klout?

Im Endeffekt ist Klout eine einfache Zahl. Ein Algorithmus berechnet diese Zahl und je nachdem, wie viele Daten dieser Algorithmus in die Finger bekommt, gestaltet sich die Zahl entsprechend. Für die eigentliche Vorgehensweise von Klout heißt das zunächst, dass quantitativ gesammelt wird.

Wie viel veröffentlicht eine Person in sozialen Netzwerken? Wie aktiv ist sie? Wie stark wird auf sie reagiert? Zusätzlich kann man sich bei Klout auch noch selbst auszeichnen lassen: befreundete Personen können Punkte vergeben ("+K") und somit auch einen Teil innerhalb von Klout dazu beitragen, dass die Bewertung genauer wird.

Sinn und Zweck von Klout ist es also, Personen zu bewerten. Man kennt das von Google, allerdings werden hier Websites bewertet. Der PageRank umfasst eine Skala von 0 bis 10 (hinzu kommt "unranked", das ist noch vor der "0").

Bei Klout ist es ähnlich, allerdings ist die Höchstpunktzahl hier 100 - aber alle starten ebenfalls mit 0.

Sowohl der PageRank als auch Klout erstellen eine mathematisch errechnete Kennzahl, um die Wichtigkeit eines Subjekts zu ermitteln. Bei Google geht es um Websites, bei Klout eben um Menschen. So ändern sich die Zeiten.

Was auf den ersten Blick wie eine reine Egoshow für Selbstverliebte erscheint, entpuppt sich als relativ cleverer Schachzug von Klout, wenn man sich das Konstrukt genauer ansieht.

Klout will das Leben digitalisieren

Um zu verstehen was Klout eigentlich will, muss man einen Blick in die Jahre vor dem Internet werfen. Bei Publikationen, gleich welcher Art auch immer, ging es stets darum, eine gewisse Reichweite zu generieren.

Beispiel Bestseller: Auch vor Harry Potter gab es Bücher, die sich wie geschnitten Brot verkauften. Die dazugehörigen Autoren konnten auch damals schon angenehme Leben führen.

Ein Grund dafür: Wer es ein Mal geschafft hatte, einen großen Coup zu landen, der konnte daraus durchaus Kapital schlagen. Das gilt nicht nur für Buchautoren.

Auch Sänger, Schauspieler und andere waren nach einem großen Erfolg oft in der Lage, gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen - weil die Menschen diese Personen in einem anderen Licht sehen. Auch heute kennt man den Begriff "Promi-Bonus".

Im TV und bei anderen Gelegenheiten (zum Beispiel bei Werbung) werden Prominente gern eingespannt. Der Grund liegt auf der Hand: Diese Personen haben eine größeren Einfluss auf andere Menschen, als das beim Otto-Normal-Verbraucher der Fall ist. Aufgrund ihrer Verdienste gehen andere Personen oft davon aus, dass Prominente mit ihren Worten und Taten richtig liegen. Für viele sind Prominente (egal aus welchem Bereich) Vorbilder, zu denen man aufschaut. Und von diesen Vorbildern lässt man sich beeinflussen.

Spätestens hier schließt sich der Kreis und wir landen wieder bei Klout.

Denn was im realen Leben immer schon offensichtlich war, findet im Internet auch statt. Auch hier haben bestimmte Personen aufgrund dessen, was sie tun oder schon getan haben, mehr Einfluss auf andere.

Inflationär: der Experte

In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff "Experte". Ich selbst vermeide dieses Wort, weil es vor allem dank des inflationären Gebrauchs durch TV Sender im Laufe der Jahre stark abgenutzt ist. Grundsätzlich aber steckt hinter dem Begriff einfach nur die Klassifizierung einer Person: ein Experte kennt sich auf seinem Gebiet besonders gut aus und kann so andere Menschen beeinflussen.

Im Idealfall natürlich mit Wissen und sinnvollen Mehrwerten.

Solche Personen haben oft einen sehr viel höheren Output im Internet als andere. Egal ob auf Facebook, via Twitter oder über Google+ - wichtig für Klout ist es zu wissen, wie hoch dieser Output genau ist und, fast noch wichtiger, wie viel und oft wird auf diesen Output reagiert.

Das bloße Verkünden von Meinungen reicht für einen hohen Klout Score nämlich nicht aus. Wenn keiner zuhört oder reagiert: Was ist eine Meinung dann unter dem Aspekt der Reichweite und der Einflussnahme wert?

Es kommt also durchaus darauf an, sinnvollen Output von sich zu geben, der dann von anderen honoriert wird.

Das passiert, wenn jemand den Beitrag eines anderen bei Facebook liked, oder wenn er bei Google+ diesen Beitrag mit +1 auszeichnet. Gleiches gilt auch, wenn es bei Twitter für einen bestimmten Tweet einen Retweet gibt oder eine Person mit einer Mention erwähnt wird. Klout berücksichtigt also sehr wohl, ob eine Meinung auch qualitativ sinnvoll ist - zumindest in einem gewissen Rahmen.

Klout hat noch viel Arbeit vor sich

Zugegeben, dieser Rahmen ist heute noch relativ klein und die Herausforderung für Klout und andere ähnlich funktionierende System wird es in der Zukunft sein, die wirkliche Qualität der Aussendungen bestimmter Personen festzustellen - über die reine Quantität hinaus. Das klappt bisher auch, aber eben nur indirekt, weil Klout, wie jede andere Maschine, nicht wirklich versteht, welchen genauen Inhalt eine Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Personen haben kann.

Insofern ist Klout in seinem heutigen Zustand schon interessant, aber sicher nicht nachhaltig.

Die Bewertungskriterien müssen genauer werden, damit auch besser bestimmt werden kann, ob ein Inhalt wirklich relevant oder einfach nur beliebt ist. Schließlich lässt sich bei Facebook auch mit Fotos von Katzenbabys und kleinen Hunden viel Interaktion erzielen.

Aber ist das wirklich relevant?

Interessant an Klout ist, dass eine einfache Zahl produziert wird. Vor allem auf sozialen Netzwerken aktive Personen lassen sich so einfacher miteinander vergleichen, besonders dann, wenn sie aus der gleichen Branche kommen.

Und spätestens hier wird Klout mehr und mehr auch für Personalentscheidungen relevant. Das soll nicht heißen, dass Personalmanager künftig nur noch nach dem Klout Score einstellen - eine eher abstoßende Vorstellung.

Aber schon heute wird man im Internet gründlich überprüft, wenn man sich um einen Job bewirbt. Und wenn ein Personalchef sich hier zwischen zwei Personen entscheiden muss, beide aber zu 99 Prozent mit vergleichbaren Leistungen aufwarten können...

In einer solchen Situation ist es verlockend, zumindest mal einen Blick auf das Klout Profil und somit auch den Klout Score zu werfen.

Bessere Chancen dank Klout?

Ob das dann wirklich den Ausschlag gibt, will ich an dieser Stelle nicht bewerten. Fakt ist, dass es Menschen gibt, die froh sind, wenn ihnen ein Teil ihrer Arbeit erleichtert wird. Und wie man es auch dreht und wendet: Die Zahl, die hinter dem Klout Score steckt, ermöglicht eine erste kurze und vor allem schnelle Bewertung einer Person.

Wer im Internet wirklich Einfluss hat, der hat auch einen hohen Klout Score.

Schaut man sich die Profile jenseits der 80er bei Klout an, dann stößt man auf Personen mit sehr großen Reichweiten. Diese Leute sind durchaus einflussreich. Für normalsterbliche User zeigt es, dass es sinnvoll sein kann, ebenfalls einflussreich zu werden.

Bei einer Bewerbung kann ein hoher Klout Score zumindest nicht schaden, wie es genauso wenig schaden kann, noch eine weitere Fremdsprache zu sprechen, obwohl der Job das gar nicht erfordert. Mehr ist immer besser als weniger und wer kann aber nicht muss, statt müssen und nicht zu können, hat auf jeden Fall einen Vorteil.

Bezogen auf Klout bedeutet das nicht, sich von nun an auf Facebook und Co. noch mehr zu engagieren und dort noch mehr Zeit zu verbringen. Oft kann auch das Gegenteil funktionieren.

Wichtig ist, sich sinnvoll und authentisch mitzuteilen und dafür zu sorgen, dass man mit Inhalten in Erscheinung tritt, die für andere wirklich interessant oder besonders nützlich sind.

Wer braucht also Klout?

Vermutlich niemand. Aber es ist da und die Augen verschließen kann man davor auch nicht.

Was macht man aus Klout?

Diese Frage muss jeder für sich selbst entscheiden. Klout ist ein interessanter Ansatz, um menschliche Verhaltens- und Bewertungsweisen aus der analogen in die digitale Welt zu übertragen. Wie sich das weiterentwickeln wird lässt sich aktuell nur sehr schwer beurteilen.

Eine der großen Herausforderungen für Klout dürfte es in den kommenden Jahren sein, das Gemessene wirklich zu verstehen und somit besser zu beurteilen. Die reine Abbildung eines quantitativen Aufkommens wird den Menschen auf Dauer nicht reichen, die Metrik des Klout Scores wird dann nicht nachhaltig ernst genommen.

Über den Autor

BjörnTantauBjörn Tantau lebt und arbeitet in Hamburg und ist im Bereich Online Marketing seit Ende der 1990er aktiv. Auf seiner Website bloggt er unter anderem über Social Media Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Er hat ein Buch über Google+ geschrieben und wurde schon in der ARD, im ZDF und bei RTL2 interviewt. Bei Radio4SEO moderiert er die Social Media Show und hat eine eigene Kolumne bei t3n. Zudem schreibt er regelmäßig in Fachmagazinen, wie zum Beispiel der WebsiteBoosting.

[Bildnachweis: Klout]