Werkstudent Sozialversicherung Werkstudent Gehalt Werkstudent Einkommensgrenze Werkstudent Steuern
Von außen betrachtet wirkt das Studentenleben häufig unbeschwert und sorgenfrei; gerade wer bereits direkt nach der Schule eine Ausbildung gemacht hat, blickt teilweise neidisch auf Studenten, die vermeintlich von einer Party zur nächsten stolpern. Weniger im Blick sind Studenten, die neben dem Studium noch arbeiten: Als Werkstudent verdienen sich viele noch einige Euros dazu, um über die Runden zu kommen. Was Sie als Werkstudent wissen müssen, lesen Sie hier.

Werkstudent Sozialversicherung: Befreit oder nicht befreit?

Wer neben dem Studium jobbt, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, gilt als Werkstudent. Allerdings müssen Werkstudenten bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um tatsächlich in den Genuss des Werkstudentenprivilegs zu kommen, die sie gegenüber anderen Erwerbstätigen haben:

  • Sie müssen an einer Universität oder Fachhochschule als ordentlicher Student immatrikuliert sein.
  • Das Studium muss erkennbar die Haupttätigkeit sein (Urteil des Bundessozialgerichts vom 11.11.2003 - B 12 KR 24/03 R.).
  • Sie dürfen das 25. Fachsemester nicht überschritten haben.
  • Sie dürfen nicht im Urlaubssemester sein.
  • Der Nebenjob darf 20 Stunden pro Woche nicht überschreiten, außer:
    • in den Semesterferien
    • am Wochenende
    • bei Jobs mit Nachtschichten
    • der Job ist auf drei Monate begrenzt.

Sind die oben aufgeführten Bedingungen gegeben, dann werden Sie als Werkstudent von den Abgaben für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit, und zwar unabhängig von der Höhe Ihres Gehaltes. Nicht befreit hingegen sind Sie von der Rentenversicherung.

Theoretisch können Studierende mit einem Einkommen bis 450 Euro (Minijob) sich von den Beiträgen zur Rentenversicherung befreien lassen, allerdings erwerben sie damit dann auch keine Beitragszeiten.

Ebenso nicht von der Sozialversicherung befreit sind Sie, wenn Sie...

  • das Studium als Teilzeitstudium betreiben,
  • ein Urlaubssemester nehmen,
  • sich im Promotionsstudium befinden oder
  • Studierender im dualen Studium sind.

Wichtig: Um vom Werkstudentenprivileg zu profitieren, müssen Sie dem Arbeitgeber regelmäßig den Nachweis Ihres Studiums in Form einer aktuellen Immatrikulationsbescheinigung einreichen. Nur so gelten Sie als ordentlicher Student und erfüllen die Kriterien zur Befreiung von der Sozialversicherung.

Werkstudent: Krank - was nun?

Werkstudent Sozialversicherung Werkstudent KrankenversicherungViele Studenten sind familienversichert, das heißt, sie genießen Versicherungsschutz durch die Familienversicherung bei der Krankenkasse. Allerdings fällt dieser Schutz weg, sobald Sie als Werkstudent mehr als 450 Euro verdienen. Dann müssen Sie sich selbst versichern; allerdings bieten die meisten Krankenkassen einen speziellen Studententarif an.

Dadurch, dass Sie als Werkstudent nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, erwerben Sie mit Ihrer geringfügigen Beschäftigung auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dieser Hinweis ist dann von Bedeutung, wenn Sie beispielsweise durch einen gebrochenen Arm für längere Zeit auf der Arbeit ausfallen.

Denn die Entgeltfortzahlung bei Krankheit besteht nur für höchstens sechs Wochen, danach zahlt die gesetzliche Krankenversicherung kein Krankengeld.

Werkstudent: Steuern

Auch als Werkstudent sind Sie steuerpflichtig. Wer unverheiratet und kinderlos ist, wird üblicherweise in Steuerklasse I eingeordnet, ein zweiter Nebenjob Klasse VI.

Allerdings werden Ihnen erst ab einem bestimmten Einkommen Steuern abgezogen. Gegenwärtig werden Ihnen im Rahmen der Lohnsteuererklärung die Steuern zurückerstattet, wenn Sie einen Betrag von 8.820 Euro (Stand 2017) nicht überschreiten.

Werkstudent: Anspruch auf Bafög, Kindergeld und Waisenrente

Normalerweise dient das Bafög dazu, ein Studium ohne Nebentätigkeit absolvieren zu können. Dennoch kann es notwendig sein, neben dem Bafög zu jobben. Wer allerdings Bafög bezieht, muss auf die Obergrenze beim Verdienst achten: Aktuell ist es möglich, bis zu einem Jahresverdienst von 5.400 Euro (entspricht 450 Euro im Monat; Stand 2017) ohne Abzüge zu arbeiten.

Sobald Sie über diesen Verdienst kommen, wird Ihnen das zusätzliche Einkommen entsprechend vom Bafög abgezogen. Sie sollten daher zuvor genau abwägen, ob sich ein Nebenjob dann noch lohnt.

Etwas anders sieht es beim Kindergeld aus. Hier haben Studenten unabhängig vom Einkommen bis zum 25. Lebensjahr Anspruch auf das Kindergeld. Es gilt allerdings auch hier die 20-Stunden-Regel.

Wer seine Eltern oder einen Elternteil verloren hat, bezieht eine (Halb-)Waisenrente. Ein Werkstudent kann bis zum 27. Lebensjahr Waisenrente beziehen. Die Waisenrente wird rückwirkend für bis zu zwölf Kalendermonate vor dem Antragsmonat gezahlt. Der Nebenerwerb eines Werkstudenten hat keinen Einfluss auf die Waisenrente, da die zuvor gültige Einkommensabrechnung seit dem 01. Juli 2015 entfallen ist.

Werkstudent: Arbeit neben der Arbeit

Je nach Studienwahl können die Anforderungen an die Studierenden immens sein: Zwanzig Semesterwochenstunden an der Uni, dann vielleicht noch ein studienrelevantes Pflichtpraktikum und darin sind noch keine Fahrtwege, Nachbereitungen, Prüfungsvorbereitungen oder ähnliches enthalten, so dass auch das vermeintlich chillige Wochenpensum eines Studenten schnell bei 35 bis 40 Stunden liegt.

Nicht wenige Studierende verlassen das Elternhaus, um in die Großstadt zu ziehen. Wer selbst studiert hat, weiß, dass selbst winzigste Studentenbuden und WG-Zimmer vergleichsweise horrende Mieten kosten.

Dazu kommt pro Semester der sogenannte Semesterbeitrag, der sich aus Verwaltungsgebühren, Gelder für universitäre Einrichtungen wie Kita und Hochschulsport und das Semesterticket zusammensetzt. Geld zum Leben, für Kleidung, Unternehmungen und Essen kommt ebenfalls dazu.

Wer nicht das Glück hat, aus feudalen Verhältnissen zu stammen und von den Eltern finanziell unterstützt zu werden, beantragt zumeist Bafög. Allerdings sind bestimmte Anforderungen an den Erhalt geknüpft, beispielsweise erbrachte Leistungsnachweise bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Wer den Anforderungskatalog nicht erfüllt oder dennoch Geld benötigt, muss als Werkstudent zusätzlich arbeiten gehen.

Werkstudent Gehalt: Das ist für Sie drin

Idealerweise suchen sich Werkstudenten einen Job, der inhaltlich ihrem Studium nahe kommt. Auf diese Art sammeln sie bereits Berufserfahrungen in dem für sie relevanten Bereich und knüpfen gleichzeitig Kontakte für die Zeit nach dem Studium.

Je nach Job ist es auch möglich, seine Abschlussarbeit in demselben Unternehmen zu schreiben und damit bereits Geld zu verdienen, beispielsweise als Student der Wirtschaftswissenschaften.

Grundsätzlich gilt für Werkstudenten wie für alle anderen Arbeitnehmer der Mindestlohn, das heißt, Ihnen steht ein Stundenlohn von 8,84 (Stand: 2017) zu. Wenn Sie eine Tätigkeit von bis zu 20 Stunden pro Woche ausüben, kämen Sie somit auf ein Gehalt von 707,20 Euro brutto.

Wer eins der MINT-Fächer studiert, wird vermutlich in gefragten Industriebereichen leichter unterkommen. Dort sind Stundenlöhne von 10 bis 15 Euro möglich.

Als studentische Hilfskraft liegt der stündliche Verdienst bei 9 bis 11 Euro, je nachdem, ob sich der Studierende im Bachelor- oder Masterstudium befindet. Zwar ist das nicht besonders üppig, allerdings sind gerade für Geisteswissenschaftler hier die Vorteile des Netzwerkens und der Wissensvertiefung nicht zu unterschätzen.

Wenn Sie aktuell einen Job als Werkstudent suchen, schauen Sie doch auch in unserer Jobbörse vorbei:

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Werkstudent: Urlaubsanspruch

Wie jeder andere Arbeitnehmer auch haben Sie Anspruch auf bezahlten Urlaub. Wieviele Tage Ihnen im Einzelnen zustehen, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Arbeiten Sie beispielsweise in einem Betrieb, der einen Tarifvertrag abgeschlossen hat, wird sich Ihr Urlaubsanspruch danach richten.

Anderenfalls steht jedem Arbeitnehmer Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz zu. Das heißt, bei einer 5-Tage-Arbeitswoche à 40 Stunden sind das mindestens 20 Urlaubstage. Als Werkstudent werden Sie allerdings maximal 20 Stunden die Woche arbeiten, das heißt, Ihr Urlaub fällt anteilig aus.

Ihnen stehen somit mindestens 10 Urlaubstage pro Jahr zu, allerdings erst ab einer Betriebszugehörigkeit von sechs Monaten.

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]