Kaum ein Unternehmen, das heute nicht irgendwelche Werte oder Leitbilder propagieren würde. Das macht sich immer gut, schmückt bestenfalls und gibt in Krisen zumindest etwas Orientierung. Aber werden diese Leitlinien im Alltag auch umgesetzt und angewendet? Oder anders gefragt: Identifizieren sich die Mitarbeiter damit?

Das hat jetzt die Beratungsgesellschaft ServiceValue untersucht und dazu knapp 2000 Arbeitnehmer in zwölf Wirtschaftszweigen befragt. Und herausgekommen ist etwas, das die Unternehmen so gar nicht schmückt: Jede dritte Führungskraft und nahezu jeder zweite Mitarbeiter kann sich mit den Wertvorstellungen seines Arbeitgebers nicht identifizieren. Am geringsten ist die Akzeptanz in der Finanzwirtschaft, am höchsten noch in der Energiewirtschaft (siehe Grafik).

Zuweilen ist der Unterschied zwischen Mitarbeitern mit und ohne Führungsverantwortung gravierend. So stimmen etwa über 80 Prozent der Führungskräfte im Einzelhandel zu, sich mit den Unternehmenswerten zu identifizieren, dafür aber nur weniger als 50 Prozent der Angestellten. Solche Unterschiede sind in der Energiewirtschaft und im Gastgewerbe kaum auszumachen, in diesen Wirtschaftszweigen ist die allgemeine Identifikation auch am höchsten.

Das Problem ist allerdings – und das muss man ganz deutlich sagen – in der Regel hausgemacht. Oder ganz platt ausgedrückt: Die Manager sind selber schuld an der Misere. Denn die von ihnen propagierten Werte sind oft nur Lippenbekenntnisse. So stimmt gerade einmal nur jeder zweite Arbeitnehmer zu, dass seine Führungskraft auch vorlebt, was von anderen erwartet wird.