Sobald der Druck steigt, fangen die Leute an sich zu behumsen. Das jedenfalls ist das Fazit eines Experiments (pdf) der beiden Wissenschaftlerinnen Christiane Schwieren und Doris Weichselbaumer. Die hatten 33 Studenten und 32 Studentinnen zu einem Computertest eingeladen. Allerdings gab es dabei unterschiedliche Belohnungsmodi: Die eine Hälfte der Probanden erhielt für jeden komplettierten Testabschnitt einen Geldbetrag; die zweite Hälfte nur dann, wenn sie mit ihren Ergebnissen auch noch zu den besten ihrer jeweiligen Gruppe gehörten. Die zweite Variante erzeugte also wesentlich mehr Wettbewerbsdruck.

Was nun passierte, überraschte die Forscherinnen jedoch: Die Teilnehmer der zweiten Gruppe kamen ins Grübeln, rieben sich die Augen, kratzten sich am Kopf – und schummelten. Vor allem die Studentinnen fuschten, was das Zeug hielt, je mehr der Druck zunahm. Allerdings nur etwas mehr als die Männer, wirklich signifikant war der Unterschied nicht. Wohl aber der Betrug: Die Probanden fanden schnell einen Weg heraus, die Tests zu manipulieren. So gestatteten die Programme (natürlich nur scheinbar unbeabsichtigt), den Schwierigkeitsgrad der Fragen abzusenken oder eine Art Hilfsprogramm zu starten. Am Ende ließen Schwieren und Weichselbaumer sogar zu, dass die Studenten mehr Testeinheiten angeben konnten, als sie tatsächlich absolviert hatten.

Das Resultat war jedoch immer dasselbe: Mit dem Wettbewerbsdruck stieg auch die Neigung, zu betrügen. Insbesondere schlechtere Studenten oder jene, die sich wenig Chancen auf einen Erfolg ausrechneten, behumsten am meisten. “Es sieht so aus, dass ein System, in dem die Menschen für sich keine fairen Erfolgschancen erkennen, Maßnahmen ergreifen, die sie zumindest das Gesicht wahren lässt”, schreiben die Autorinnen etwas kryptisch. Im Klartext aber heißt das: Wer glaubt, eh schlechte Karten zu haben, versucht es umso lieber mit bluffen. Nicht gerade Raketenwissenschaften, es verdeutlicht wie wichtig Fairness im Management und Transparenz bei Belohnungssystemen sind.