Was soll ich denn auf Twitter? Da macht man sich nur lächerlich. Und brauche ich wirklich ein Xing-Profil? Dort tummeln sich doch nur Freiberufler und Leute, die einen Job wollen… von mir!

Solche Einwände höre ich immer wieder, wenn ich mit erfahrenen Managern über den persönlichen Einsatz von Social Media diskutiere. Und keine Sorge, ich gehöre nicht zu den religösen Eiferern, die meinen, jeder müsse im Netz unbedingt und überall präsent sein, noch dazu in jedem Job und auf jeder Ebene. Das wäre wirklich Unsinn.

Es ist aber auch so, dass solche Einwände gerne als Vorwände missbraucht werden, um sich mit dem Thema nicht weiter beschäftigen und eine individuelle Lösung finden zu müssen.

Ja, als Manager kann man sich auf Twitter lächerlich machen. Das gilt für den Hauspostboten aber genauso. Und als Führungskraft kann man auch falsche Entscheidungen treffen und damit gehörig scheitern. Aber hören Sie deswegen auf, weiterhin Entscheidungen für Ihr Unternehmen zu treffen? Eben.

So ist es auch in den Sozialen Medien: Sie bieten Risiken und Chancen, wobei letztere deutlich überwiegen – vorausgesetzt, man nutzt sie ebenso strategisch wie überlegt. Und ein bisschen wählerisch sollte man dabei auch sein. Nur weil ein bestimmtes Netzwerk gerade angesagt ist und alle mitmachen, heißt das freilich noch lange nicht, dass man der Masse wie ein Lemming folgen sollte.

Genau hingucken schadet aber auch nicht.

Gerade für Führungskräfte mit internationalem Format lohnt sich beispielsweise ein Profil auf Linkedin. Mit mehr als 120 Millionen Mitgliedern weltweit ist es das größte globale Business-Netzwerk im Internet. Noch dazu brauchen Sie dort nicht zu fürchten, ständig von irgendwelchen Hallodris angequasselt zu werden. Um eine Kontaktanfrage zu versenden, muss man mit der betreffenden Person wenigstens im selben Unternehmen gearbeitet haben oder dessen E-Mail-Adresse kennen. Umgekehrt bietet das Netzwerk professionellen Zugang zu gleichgesinnten Managern aus anderen Branchen (und Kontinenten) und – vorausgesetzt, sie pflegen Ihr Profil regelmäßig – zu Headhuntern.

Vergleichbares gilt – wenn auch deutlich eingeschränkter – für das deutsche Pendant Xing. Das Netzwerk hat jedoch hierzulande ein deutlich nationaleres Flair und ist eher für Nachwuchsführungskräfte interessant oder solche, die dort Kontakt zu potenziellen Geschäftspartnern und Bestandskunden suchen. Um es auf einen Nenner zu bringen: Xing ist ein gutes Akquise-Werkzeug, aber kein allzu exklusives. Dafür ermöglichen die zahlreichen moderierten Gruppen den Gedanken- und Wissensaustausch auf zahlreichen Interessensgebieten. Jedoch muss man hier vor allem anfangs viel Zeit investieren, um hinein zu finden und vor allem jene Beiträge und Mitglieder herauszufiltern, die wirklich was zu sagen haben und nicht nur dokumentieren, dass sie nichts zu tun haben.

Twitter wiederum ist vor allem kurze, knappe und knackige Kommunikation. 140 Zeichen – das kriegen auch Manager hin, die sich dem Bloggen verweigern, weil sie meinen, nicht schreiben zu können. Eine kurze Kommentierung von Nachrichten (über das Unternehmen und in etablierten Medien), insbesondere vom Chef, hat jedoch enormen medialen Einfluss. Wird die Nachricht dementiert oder richtiggestellt? All das lässt sich gezielt nutzen – zum Wohl des Unternehmens wie auch zum persönlichen Markenschutz.

Hinzu kommt: Sie haben bei Twitter die Wahl, ob Sie Ihrem Kanal eine persönlichere oder fachlichere Färbung geben wollen. Interessanter für Ihre Follower ist sicher Ersteres. Wann hat man schon die Chance, einem Manager so persönlich und praktisch live über die Schulter zu schauen? Das liegt aber eben nicht jedem. In diesem Fall können Sie mehr Fachartikel zwitschern, News aus dem Unternehmen (gerne auch von der Pressestelle ausgewählt) oder aber Sie zeigen, womit Sie sich gerade gedanklich beschäftigen. Das müssen ja keine Geschäftsgeheimnisse sein. Wie sich Mitarbeiter für Social Media begeistern und motivieren lassen, wäre auch ein gutes Thema. Das sehen Sie schon an diesem Beitrag…