Das ist der Alptraum jedes Prüflings: Der Prüfer stellt eine Frage – und plötzlich ist alles weg. Wo eben noch Ihr Wissen parat lag, klafft jetzt ein schwarzer Abgrund. Während Sie den Prüfer anstarren, als wären Sie das Kaninchen und er die Schlange, kommt langsam Panik auf: Jetzt bloß nicht versagen! Und dann kommt es genau so… Dumm gelaufen?

Mitnichten. Denn so steigern Sie erst recht die Prüfungsangst und türmen die Denkblockaden auf, bis nichts mehr geht. Und ganz gewiss versemmeln Sie so am Ende das Ergebnis der Prüfung. Schade, denn eigentlich wäre es ihr Spezialgebiet gewesen… Wer Glück hat, bei dem läuft es nicht ganz so dramatisch ab: Solche Prüflinge finden den Faden wieder. Entweder, weil der Prüfer ihnen hilft und sie behutsam vom Eis führt. Oder weil sie die entscheidenden Techniken kennnen, mit Prüfungsangst umzugehen.

Prophylaxe

Meistens ist Stress die Ursache für Denkblockaden. Dagegen hilft in erster Linie gute Vorbereitung – und sich nicht vom Ergebnis der Prüfung abhängig zu machen:

  • Gründlich informieren: Wenn Sie wissen, welche Themen in der Prüfung dran kommen und welche inhaltliche Tiefe erwartet wird, können Sie sich entsprechend vorbereiten.
  • Rechtzeitig beginnen: Prokrastination ist bei Examenskandidaten beliebt, aber ein großer Fehler: Gutes Zeitmanagement dagegen hilft bei der Vorbereitung. Stellen Sie einen Lernplan auf – und halten ihn ein. So schaffen Sie Ihr Pensum und behalten stets den Überblick.
  • Stoff einteilen: Wenn Sie den Lernstoff in kleine Häppchen aufteilen und portionsweise lernen, kann Ihr Gehirn ihn besser verarbeiten. Jede geschaffte Portion ist außerdem ein Erfolgserlebnis.
  • Erfolgskontrollen einbauen: Lesen ist nicht gleich lernen. Erst, wenn Sie es aufschreiben, bleibt das Gelesene hängen. Indem Sie sich das Gerlente auf Karteikarten notieren, schaffen Sie sich die Möglichkeit, Ihr Wissen zu prüfen. So sehen Sie wo es hapert – und was Sie alles schon beherrschen. Und umso sicherer werden Sie.
  • Dran bleiben: Teilen Sie sich Ihre Zeit so ein, dass Sie jeden Tag an Ihrem Pensum arbeiten können. Durch eine Balance zwischen Lernen von neuem Stoff und Wiederholung des Bekannten verdichten Sie Ihr Wissen.
  • Pausieren: Ihr Gehirn ist nicht endlos aufnahmefähig. Deswegen sollten Sie nach spätestens 90 Minuten eine Viertelstunde Pause machen, nach maximal drei Einheiten mindestens eine Stunde. In der Zeit machen Sie bitte etwas völlig Anderes, Entspannendes, Lustiges – anschließend ist Ihr Hirn wieder fit.
  • Ausreichend schlafen: Im Schlaf verarbeitet das Gehirn die Eindrücke des Tages. Zu wenig Schlaf verhindert, dass sich das Gelernte setzen kann. Schlimmer noch: Mit steigendem Schlafmangel sinken Aufnahmefähigkeit und Belastbarkeit. Sie reagieren zunehmend überfordert – und leisten der Panik Vorschub.
  • Angst akzeptieren: Lampenfieber vor Prüfungen ist normal. Mentaltraining hilft gegen Angst – sofern Sie akzeptieren, nicht wie ein Roboter zu funktionieren. Falls Sie allein gegen Ihren Perfektionismus machtlos sind, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Situation trainieren: Vertraute Situationen lösen keine Angst aus. Das gilt selbstredend auch für Prüfungen. Je mehr Probeklausuren Sie erfolgreich bearbeiten, desto geringer wird die Angst, in der konketen Situation zu versagen.
  • Ball flach halten: Perfekte Vorbereitung ist nicht möglich. Wenn Sie Mal eine Frage nicht beantworten können, wird schlimmstenfalls die Note etwas schlechter. Selbst wenn Sie die Prüfung komplett in den Sand setzen, hängt nicht Ihr Leben davon ab.

Wenn Sie hingegen hundertprozentig durchfallen wollen, fangen Sie erst kurz vor der Prüfung an, hektisch Wissen in Ihren Schädel stopfen, weil Sie die Klausur keinesfalls vermasseln dürfen. Das ist erprobt – und hilft (fast) immer.

Gegenmaßnahmen

Auch die beste Vorbereitung beugt Denkblockaden nicht absolut vor. Sie entstehen meist dann, wenn Sie sie am wenigsten gebrauchen können. Doch auch da gibt es Lösungen.

Wenn Sie die Panik etwa beim Schreiben eines Referats oder einer Hausarbeit überfällt, ist die Lösung in der Regel recht einfach:

  • Innehalten: Sobald Angst aufsteigt, hilft laut „Stopp!“ zu sagen. Klingt komisch, funktioniert aber – vor allem, wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie schon viel schwierigere Situationen gemeistert haben.
  • Analysieren: Wenn Sie nicht mehr weiter kommen, lehnen Sie sich zurück und analysieren, wie Ihr Problem genau aussieht: Glauben Sie gerade nur, die Aufgabe nicht zu schaffen – oder ist tatsächlich zu wenig Zeit?
  • Entwickeln: Und dann schaffen Sie Lösungen: Wenn Sie nur glauben, dass die Zeit nicht reicht, hilft allein das Bewusstwerden, dass das nicht stimmt. Falls die Zeit tatsächlich nicht reicht, müssen Sie Konsequenzen daraus ziehen – zum Beispiel die Abgabefrist verlängern lassen.

Schwieriger wird es, wenn Sie die Denkblockade ausgerechnet während der mündlichen Prüfung überfällt. Aber nicht unmöglich:

  • Blackout zugeben: Sagen Sie Ihrem Prüfer, dass Sie gerade blockiert sind. Wenn er weiß, dass Sie feststecken, kann er Ihnen helfen – zum Beispiel mit einer anderen Frage. Die meisten Prüfer tun das ohne zu zögern – sofern sie von Ihrer Notlage wissen. Falls Sie aber eisern schweigen, um sich keine Blöße zu geben, wird er Ihre Vorbereitung in Frage stellen.
  • Tief durchatmen: Wenn Sie so blockiert sind, dass auch die Ersatzfrage nicht hilft, bitten Sie um eine kleine Pause – falls der Prüfer Ihnen das nicht sowieso anbietet. Atmen Sie langsam und tief ein – bis hinunter in den Bauch. Anschließend atmen Sie ebenso langsam wieder aus – so lange, bis Sie den Stress im Griff haben.
  • Blockade lösen: Wenn selbst das nicht hilft, denken Sie eine Sekunde lang an irgend etwas völlig anderes. Das Wetter, die Krawatte des Prüfers, von mir aus auch Ihre Steuererklärung. Hauptsache, es löst den Knoten in Ihrem Hirn und lässt Sie wieder klare Gedanken fassen. Nur so kommen Sie in die Prüfung zurück.

In der schriftlichen Prüfung beugen Sie Blackouts vor, indem Sie zuerst alle Fragen in Ruhe durchlesen und mit denen beginnen, die Ihnen leicht fallen. Mit jeder gelösten Aufgabe schwindet der Druck auf Ihren Schultern, dafür wächst Ihre Sicherheit aufgrund der Erfolgserlebnisse.

Außerdem hilft, wenn Sie während der Examensarbeit immer die Zeit im Auge behalten. So sehen Sie rechtzeitig, falls Sie in Verzug geraten – und können entsprechend reagieren. Etwa, indem Sie eine Aufgabe vorziehen, die viele Punkte bringt – und sich anschließend dem Kleinvieh widmen. Weil Handys als Zeitmesser selten zugelassen sind, nehmen Sie notfalls Omas Küchenwecker mit.

Und vergessen Sie nie, dass Denkblockaden etwas völlig normales sind. Jeder kennt sie. Keiner ist davor gefeit. Sie sind nichts, wofür man sich schämen müsste. Also sparen Sie sich bitte die Angst vor der Panik!