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Erst kommt das Toffifee und dann die Moral... So ist es bei den Kindern, wenn ein gefühlter Nachteil im Raum steht. Die Pralinen der Erwachsenen sind ihre Handys. Das weiß Professorin Evi Hartmann. Und legt in Ihrem neuen Buch "Wie viele Sklaven halten Sie? - Über Globalisierung und Moral" schlüssig dar, warum wir zulassen, dass für das, was wir essen, tragen und täglich benutzen, nach wie vor Menschen ausgebeutet werden, obwohl wir das eigentlich alle ganz schrecklich finden. Gleichzeitig liefert die vierfache Mutter zahllose Beispiele, wie sich mit Mini-Schritten langfristig Änderungen ergeben, von denen alle profitieren...

Der Fluch der Globalisierung

Jeder weiß, dass einiges faul ist, nicht nur in diesem und jenem Staate in Europa, sondern in sämtlichen Industrienationen. Auch Evi Hartmann, die als Lehrstuhlinhaberin in Erlangen über Supply Chain Management spricht. Denn E-Commerce mit blitzschnellen Lieferzeiten und supergünstig produzierter Kleidung ist nur möglich zu Lasten von Umwelt und Menschen.

Aber die entsprechenden Gedanken werden meist ausgeblendet, verdrängt und vergessen. Aus diesem schwarzen Loch will die 1973 geborene, promovierte Wirtschaftsingenieurin die bedrückende Wahrheit holen, um die Leserschaft dafür zu sensibilisieren und vielleicht ein Umdenken zu erreichen – darum dieses Buch.

Schon gleich am Anfang weist Hartmann darauf hin, dass man nicht bis Bangladesch reisen muss, um Lieferanten und Zulieferer zu finden, die bis zum Äußersten gemolken, im Preis gedrückt oder sogar in die Insolvenz geschickt werden. Da reicht ein Blick auf die Schwäbische Alb zur Textilindustrie.

Dennoch bleibt die Tatsache, dass in dieser Welt, in der (das Pareto-Prinzip lässt grüßen) 1,5 Milliarden Menschen 80 Prozent aller Güter verkonsumieren, sehr viele Güter und Rohstoffe, aber auch Dienstleistungen aus fernen Ländern.

Was aber hindert Konsumenten, aber auch Manager mit Gewissen, im großem Stil moralisch zu handeln?

  • Geld (Bio-Honig kostet 1,80 Euro mehr)
  • Wohnort (in Ländern, in denen Korruption zum Alltag gehört, wird Moral anders definiert)
  • Gruppengröße (niemand mag sich gegen die Masse stellen beziehungsweise Individuen schließen sich leichter der Massenmeinung an)
  • Genovese-Syndrom (je mehr unbeteiligte Zuschauer in einer Sache involviert sind, umso weniger fühlt sich jeder einzelne verantwortlich, die Initiative zu ergreifen)
  • Status (ethisch einwandfreie Handys sind leider uncool)
  • Distanz (die Schwellenländer sind so weit weg)
  • Grundhaltung (Wem der Sinn des eigenen Lebens schon ziemlich egal ist, der hat erst recht kein Interesse am Schicksal und der Lebensquälität von Familien im Regenwald)
  • Einsparungsdruck (oft von oben, der nach unten weitergegeben wird)
  • Effizienz (lieber hohe Entschädigungen für Fehlverhalten zahlen als grundsätzliche Änderungen herbeiführen)

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Gruppenzwang statt Moralkeule

Natürlich sind wir nicht alle absichtlich böse. Nur nachlässig. Und faul. Manchmal bringt allerdings bringt sogar der aktuell angesagte Lifestyle ungewollt eine Verbesserung - wenn auch nicht notwendigerweise eine Veränderung der eigenen Haltung.

Zuweilen findet korrektes Verhalten mitnichten aus Überzeugung statt, sondern vielmehr, um bei anderen moralisch zu punkten. Eine Fügung des Gruppenzwangs.

Nicht immer bedarf es der großen Moralkeule – in manchen Mikrosystemen (sei es beruflicher oder privater Art) liegt der erste und wichtigste Schritt bereits in einem respektvollen Umgang miteinander, der dann wiederum den Ton in der Kommunikation und langfristig auch deren Inhalte beeinflusst.

Auch wenn Freundlichkeit, Respekt, Gewissen und Kooperationsbereitschaft immer noch in manchen Kreisen als Schwächen gesehen werden, signalisieren Integrität und das Stehen zu eigenen Werten Stärke, weil man sich damit als Individuum positioniert.

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Warum lohnt sich die Lektüre?

Die zahlreichen, teils aus persönlichen Erfahrungen resultierenden Praxisbeispiele, mit denen Hartmann ihr Buch garniert, täuschen trotz des Plaudertons nicht darüber hinweg, dass es noch viel zu tun gibt, wenn man als Nahrung aufnehmender, Kleidung tragender und Auto fahrender Smartphonebesitzer sein Dasein als Halter von hochgerechnet 60 Sklaven ändern möchte.

Moral ist letztlich eine aktive Entscheidung, die jede und jeder treffen kann, und schon kleine Schritte können viel bewirken.

Über die Buchautorin

Evi-Hartmann-SklavenEvi Hartmann studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe (TH). Nach ihrer Habilitation wurde sie an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg berufen, wo sie seit April 2009 Inhaberin des Lehrstuhls für Supply Chain Management ist. Die Mutter von vier Kindern forscht und lehrt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und ist Mitglied im Netzwerk Generation CEO für Frauen in Führungspositionen - und sie schreibt das Blog Weltbewegend.

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Sklaven-halten-Hartmann-01Ist Ihr Interesse an dem Buch geweckt? Dann können Sie jetzt unser Rezensionsexemplar gewinnen. Alles, was Sie dazu tun müssen, ist, einen Kommentar zu schreiben und uns zu erklären, warum SIE das Buch gewinnen sollten...

Der oder die Gewinner(in) wird unter allen Kommentatoren ausgelost. Einsendeschluss ist: Samstag, der 9. April 2016, 11 Uhr. Es entstehen Ihnen keinerlei Zusatzkosten, wir fragen lediglich per Mail, wohin wir das Buch schicken sollen. Viel Erfolg!

[Bildnachweis: Jochen Mai, Campus]