Wissenschaftliches Arbeiten: 10 Regeln für Studenten
Für frisch gebackene Studenten ist es ein völlig neuer, unbekannter und oft verunsichernder Bereich: das wissenschaftliche Arbeiten. Schlagworte wie Zitate, Quellenangaben, Literaturarbeit, Recherche und Plagiat geistern in den Erstsemesterkursen umher, ohne dass die Studenten davon eine klare Vorstellung haben. Doch die meisten Bedenken sind unbegründet: Wissenschaftliches Arbeiten mag manchmal anstrengend und zeitraubend sein - schwer ist es jedoch nicht. Die Einhaltung einiger grundlegender Regeln reicht völlig.

Wissenschaftliches Arbeiten: So geht es richtig

Die folgenden Grundsätze bilden das Fundament einer korrekten und sauberen wissenschaftlichen Arbeitsweise. Diese Prinzipien sind allgemeingültig, Details unterscheiden sich jedoch von Hochschule zu Hochschule. Daher sollten Sie im Vorfeld einer wissenschaftlichen Arbeit unbedingt mit dem zuständigen Professor oder Dozent Rücksprache halten und sich die Zitatregeln der Bildungseinrichtung gründlich durchlesen.

  1. Methoden kennen

    Um wissenschaftliches Arbeiten korrekt umsetzen zu können, sollten Studenten nicht nur die Regeln, sondern auch die dahinter stehenden Methoden kennen. Das ist jedoch erstaunlich oft nicht der Fall. Viele Studenten setzen Regeln stur um, ohne sich Gedanken über das Warum zu machen. Das geht früher oder später schief.

  2. Schrittweise arbeiten

    Gehen Sie einen Arbeitsschritt nach dem anderen durch und vermeiden Sie Multitasking so gut Sie können. Der Grund: So bald Sie mehrere Arbeitsschritte kombinieren, steigt das Fehler-Risiko. Quellenangaben werden dann schnell vergessen und Zitate nicht kenntlich gemacht. So entstehen viele ungewollte Plagiate.

  3. Detailliert Planen

    Vor Bachelor- und Masterarbeiten erstellen die meisten Studenten ganz selbstverständlich einen Plan - eine Vorgehensweise, die auch bei Studienarbeiten sinnvoll ist. Diese Planung muss und kann natürlich nicht auf das i-Tüpfelchen genau sein, doch die unterschiedlichen Arbeitsphasen und die Struktur der Arbeit sollten feststehen. Planen Sie bitte ausreichende Zeitpuffer ein.

  4. Ziele setzen

    Das Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit ist klar - sollte man meinen. Dem ist jedoch oft nicht so, denn grundsätzlich gibt es drei mögliche Zielsetzungen:

    • Das Aufstellen von Theorien und Hypothesen auf Grundlage bestehenden Materials.
    • Die Verifizierung oder Falsifizierung, beispielsweise durch empirische Untersuchungen und die Analyse bestehender Fachliteratur, bestimmter Theorien.
    • Die Überprüfung bestehender Theorien und Erkenntnisse auf ihren praktischen Nutzen hin.

    Je nachdem, welche der drei Zielsetzungen zutrifft, muss die Struktur der wissenschaftlichen Arbeit angepasst werden.

  5. Ergebnisse dokumentieren

    Die Ergebnisse jedes Arbeitsschrittes müssen lückenlos dokumentiert und archiviert werden. Das ist als Student vor allem in Ihrem eigenen Interesse, denn nur so sind Sie in der Lage, gegen Ende der Arbeit bestimmte Gedankengänge und Überlegungen vom Anfang des Prozesses nachzuvollziehen. Dann fällt es Ihnen leicht, Ihre Arbeits- und Vorgehensweise im Text darzulegen.

  6. Archiv pflegen

    Sowohl eine sinnvolle Dokumentation als auch die mittel- und langfristige Archivierung setzen ein festes System voraus. Dieses müssen Sie bereits vor Beginn des Arbeitsprozesses erstellt und erprobt haben. Denn während des eigentlichen Recherche- und Schreibprozesses sollten Sie sich um die technische Umsetzung keine Gedanken mehr machen müssen.

  7. Tools nutzen

    Was für Ihr System gilt, sollte sich bei den eingesetzten Tools fortsetzen. Idealerweise haben Sie alle Programme und Geräte bereits vor dem produktiven Einsatz ausgiebig - beispielsweise in Vorlesungen und bei der Vorbereitung von Referaten und Transferaufgaben - getestet und beherrschen den Umgang damit problemlos.

  8. Vorlagen einsetzen

    Unabhängig vom eingesetzten Textverarbeitungsprogramm sollten Sie Ihre wissenschaftlichen Texte unbedingt mit Formatvorlagen erstellen. Diese erleichtern Ihnen die Umsetzung aller formalen Vorgaben und sparen Ihnen im Lauf einer Arbeit jede Menge Zeit und Aufwand. Wie bereits bei Punkt sieben gilt auch hier: Den Umgang mit Formatvorlagen sollten Sie im Vorfeld üben.

  9. Wissensstand verifizieren

    Zitatregeln und Vorgaben für die Standards wissenschaftlichen Arbeitens werden immer wieder überarbeitet. Studenten sollten sich auch in diesem Bereich auf dem Laufenden halten und die neusten Entwicklungen mitverfolgen. Die meisten Hochschulen veröffentlichen entsprechende Informationen im eLearning-System oder Intranet, auf das Studenten in der Regel Zugriff haben. Nutzen Sie diese Informationsquelle.

  10. Quellen angeben

    Die goldene Regel jeder wissenschaftlichen Arbeit: Die Quellen einer Arbeit müssen problemlos auffindbar sein. Um nachvollziehbare Quellenangaben zu gewährleisten, wurden im Lauf der Zeit verschiedene Zitationsstile entwickelt. Oft lassen Bildungseinrichtungen den Studierenden die Wahl zwischen mehreren Stilen. Dann gilt: Entscheiden Sie sich für einen Stil und setzen Sie diesen konsequent um.

Wissenschaftliches Arbeiten: 33 Vorteile für den Beruf

Wissenschaftliches-Arbeiten-Tipps-VorteileWissenschaftliches Arbeiten - für Studenten klingt das zwar nach leidiger Pflicht, nach formalen Richtlinien und strengen Zitatregeln (siehe oben). So anstrengend wissenschaftliches Arbeiten aber auch sein kann - so viele Vorteile bietet es für den späteren Beruf (selbst wenn der nicht in der Uni ausgeübt wird). Der Grund: Durch konsequentes wissenschaftliches Arbeiten entwickeln Studenten Fähigkeiten und Kompetenzen, die in modernen Berufen dringend gebraucht werden. Glauben Sie nicht? Hier der Beweis...

  1. Sie lernen, Zusammenhänge zwischen Informationen zu erkennen.
  2. Sie können Informationen strukturieren und aufbereiten.
  3. Sie entwickeln die Fähigkeit, Texte schnell zu lesen und dabei die wichtigsten Informationen aufzunehmen.
  4. Sie können Themen schnell und umfassend recherchieren.
  5. Sie entwickeln einen Blick für die wesentlichen Informationen in einem Text.
  6. Sie können Text strukturiert aufarbeiten und exzerpieren.
  7. Sie lernen auf relevante Details zu achten.
  8. Sie können auch umfangreiche Informationen schnell miteinander verknüpfen und Muster erkennen.
  9. Sie können Argumente schriftlich darlegen und nachvollziehbar formulieren.
  10. Sie lernen den korrekten Umgang mit Quellenangaben.
  11. Sie entwickeln die Fähigkeit, sich schnell in Themen einzuarbeiten.
  12. Sie können Konzepte und Themen strukturiert weiterentwickeln.
  13. Sie lernen das systematische Arbeiten mit Quellen und Unterlagen.
  14. Sie entwickeln ein eigenes Ablagesystem und die notwendige Disziplin, um es konsequent zu pflegen.
  15. Sie kennen wichtige Online-Datenbanken und Recherche-Quellen für Fachliteratur.
  16. Sie beherrschen den grundlegenden Schreibprozess und können längere Texte verfassen.
  17. Sie sind in der Lage, sich argumentativ mit Thesen und Theorien auseinanderzusetzen.
  18. Sie beherrschen den wissenschaftlichen Sprachstil, der dem formalen Stil in vielen Unternehmen sehr ähnlich ist.
  19. Sie können sich - zumindest bis zu einem gewissen Grad - selbst organisieren und Deadlines einhalten.
  20. Sie sind mit der aktuellen Fachliteratur Ihres Fachgebietes vertraut.
  21. Sie können Themen nüchtern und analytisch betrachten und Ihre eigene Meinung aus Texten heraushalten.
  22. Sie sind in der Lage eine schlüssige Pro-und-Kontra-Argumentation zu verschiedenen Themen anzufertigen.
  23. Sie entwickeln die Fähigkeit, Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und diese nachvollziehbar darzustellen.
  24. Sie können mit verschiedensten Medien arbeiten und die jeweils relevanten Inhalte komprimiert in einen Text fassen.
  25. Sie können sich auf ein Thema fokussieren und relevante von unwichtigen Informationen trennen.
  26. Sie können - wenn Sie mit einem Betreuer gearbeitet haben - Kommentare und Kritik aufnehmen und in Ihren Texten und Ihrer Arbeit umsetzen.
  27. Sie sind in der Lage, große Projekte in kleine, machbare Aufgaben zu zerlegen und diese selbstständig anzugehen.
  28. Sie können längere Zeit an einer Aufgabe arbeiten und sich dabei selbst strukturieren.
  29. Sie kennen die Frustration, die aus mühseliger Textarbeit erwachsen kann und können damit umgehen.
  30. Sie sind mit Programmen und Tools zur Textverarbeitung und Quellensammlung vertraut.
  31. Sie kennen Prokrastination und haben Strategien gegen sie entwickelt.
  32. Sie können sich in Guidelines schnell und weitgehend problemlos einarbeiten und diese umsetzen.
  33. Sie kennen Ihr Arbeitstempo und können es realistisch einschätzen.

PS: Nutzen Sie die Liste der 33 Punkte übrigens auch als Reflexionsanlass, wo Ihre persönlichen Stärken und Kompetenzen liegen. Das kann Ihnen beispielsweise bei der Bewerbung enorm helfen.

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