Studenten auf Wohnungssuche Studentenbude
Bevor es mit dem Studium überhaupt losgehen kann, stehen viele Studenten vor einem großen Problem: Die Wohnungssuche. Enorme Kosten, wenig verfügbarer Wohnraum und eine große Konkurrenz, die es obendrein noch erschwert, die Zusage für eine der begehrten Studentenbuden zu erhalten. Wir zeigen, worauf angehende Studenten sich bei ihrer Wohnungssuche einstellen müssen, in welchen Städten die Situation besonders schwierig ist und was Sie tun können, um eine passende Wohnung zu finden...

Wohnung für Studenten: Immer teurer

Die Mieten für Studenten sind zwischen 2010 und 2015 teils sprunghaft in die Höhe geschnellt. Das zeigt der neue Studentenwohnpreisindex, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und der Deutsche Real Estate Funds (DREF) in Kooperation mit Immobilienscout 24 berechnet haben.

Ihren Berechnungen legten die Autoren eine studentische Musterwohnung zugrunde: 30 Quadratmeter groß, Baujahr 1995, Einbauküche und 1,5 Kilometer von der Uni entfernt. Für so eine Studentenbude muss man in Frankfurt mittlerweile über 500 Euro warm zahlen, vor fünf Jahren waren es noch 470 Euro. In Bremen kostet das Studentenapartment 390 Euro, 2010 waren es erst 360 Euro.

Der Bedarf an kleinen Wohnungen steigt generell in den Städten, daher wuchsen die Preise auf dem studentischen Wohnungsmarkt im Vergleich zum Gesamtmarkt auch deutlich stärker. Problem dabei: Studenten sind in der Regel von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt, Preissteigerungen treffen sie also besonders hart.

Das IW untersuchte allerdings nur elf Städte in Deutschland, im September 2016 soll der Index aktualisiert und um weitere Städte ergänzt werden.

Studentische Wohnungsnot: Die Gründe

  1. Zahl: Der Anteil der Studenten steigt. Mittlerweile sind 3,3 Prozent der Bevölkerung Studierende, im Jahr 2000 waren es erst 2,2 Prozent. Gleichzeitig wächst die Zahl der Single-Haushalte insgesamt - und damit die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt. Beispiel Stuttgart: Allein zwischen März 2012 und März 2014 wuchs die Anzahl der Singlehaushalte im Alter von 18 bis 29 Jahren um stolze fünf Prozent.
  2. Angebot: Zwischen 2010 und 2015 ist die Zahl der Wohnungsinserate in Städten wie Berlin, München, Köln, Frankfurt und Stuttgart schrittweise zurückgegangen, hat sich in diesem Zeitraum teilweise um mehr als ein Drittel reduziert. Das Wohnungsangebot schrumpft also, während die Zahl der Studienanfänger durch die Decke geht und eine immer höhere Nachfrage produziert. Konsequenz: Immer mehr Studenten konkurrieren um immer weniger Wohnungen.
  3. Kontakte: Die Wohnungssuche wurde durch das Internet - auch für Studenten - sehr stark erleichtert. Das ist die eine Seit der Medaille, die andere aber ist: Wohnungen werden heute vermehrt über Wartelisten oder informelle Netzwerke vergeben. Für viele Studenten ein großes Hindernis auf der Suche nach der richtigen Bude.

Wohnungssuche: Die teuersten Orte

Das neue Semester steht vor der Tür - und genauso stehen viele Studenten vor der Tür, müssen aber draußen bleiben. Für sie ist einfach keine passende Wohnung verfügbar. In schlimmen Fällen müssen Erstsemester mancherorts schon mal draußen campieren oder sich in engste Container zwängen. Und hat man erst eine passende Bleibe gefunden, raubt sie einem die letzten Münzen, die man doch eigentlich sinnvoll investieren wollte. Beispiel München: In der bayerischen Schickeria-Hauptstadt kostet ein WG-Zimmer nach Berechnungen des Immobilienentwicklers GBI AG mittlerweile schon 521 Euro im Schnitt - Rekord.

Dahinter folgen Frankfurt mit 425 Euro, Hamburg (411 Euro), Stuttgart (390 Euro) und Köln (385 Euro). Aber auch in typischen Studentenstädten wie Freiburg (381 Euro), Heidelberg (370 Euro) oder Konstanz (370 Euro) ist schon ein durchschnittliches WG-Zimmer sündhaft teuer.

Die höchsten Quadratmeter-Mieten an Hochschulstandorten

  1. München: 13,40 Euro pro Quadratmeter
  2. Frankfurt am Main: 10,60 Euro
  3. Stuttgart: 10,30 Euro
  4. Freiburg im Breisgau: 10,20 Euro
  5. Konstanz: 10,20 Euro
  6. Heidelberg: 9,60 Euro
  7. Tübingen: 9,50 Euro
  8. Hamburg: 9,40 Euro
  9. Mainz: 9,30 Euro
  10. Düsseldorf: 9,30 Euro
  11. Wiesbaden: 9,30 Euro

Wo ist die Wohnungssuche besonders schwer?

Die Preise steigen immer weiter, angehende Studenten haben aber nicht mehr Geld zur Verfügung. Wenn nicht gegengesteuert wird, stehen noch mehr Akademiker ohne vernünftige Wohnung da, so zumindest die Einschätzung der Experten des Immobilienentwicklers GBI AG, die den Wohnungsmarkt in 87 deutschen Studentenstädten auf den Prüfstand gestellt - und jeder Stadt am Ende Punkte vergeben haben:

Unter 25 Punkte: Hier gibt es ein Mietniveau von unter sechs Euro pro Quadratmeter. Wohnungssuche: problemlos.

25 bis 35 Punkte: Zu Beginn des Wintersemester könnte die Wohnungssuche schwierig sein, insgesamt aber ist die Lage nicht akut problematisch.

35 bis 50 Punkte: Diese Standorte stehen auf der Kippe, hier könnte es bald zu einer deutlichen Verschärfung der Situation kommen.

Über 50 Punkte: Problemstandorte, an denen es dringenden Handlungs-, sprich Neubaubedarf, gibt.

Wohnungssuche für Studenten: Von schwierig bis einfach

  • München: 80 Punkte
  • Frankfurt am Main: 71 Punkte
  • Hamburg: 70 Punkte
  • Stuttgart: 66 Punkte
  • Köln: 64,5 Punkte
  • Freiburg: 63,5 Punkte
  • Berlin: 62,5 Punkte
  • Heidelberg: 60,5 Punkte
  • Tübingen: 58 Punkte
  • Darmstadt: 57,5 Punkte
  • Konstanz: 55 Punkte
  • Münster: 54 Punkte
  • Aachen: 53,5 Punkte
  • Karlsruhe: 53 Punkte
  • Ulm: 52,5 Punkte
  • Mainz: 52 Punkte
  • Düsseldorf: 51 Punkte
  • Ingolstadt: 51 Punkte
  • Bonn: 50,5 Punkte
  • Erlangen: 48,5 Punkte
  • Regensburg: 48 Punkte
  • Bremen: 46 Punkte
  • Mannheim: 44 Punkte
  • Augsburg: 42,5 Punkte
  • Gießen: 42,5 Punkte
  • Wiesbaden: 40,5 Punkte
  • Marburg: 39 Punkte
  • Hannover: 38,5 Punkte
  • Ravensburg: 37,5 Punkte
  • Paderborn: 37,5 Punkte
  • Ludwigsburg: 37 Punkte
  • Würzburg: 37 Punkte
  • Braunschweig: 37 Punkte
  • Kiel:
  • Rosenheim: 36,5 Punkte
  • Heilbronn: 36,5 Punkte
  • Oldenburg: 36,5 Punkte
  • Reutlingen: 35,5 Punkte
  • Trier: 35,5 Punkte
  • Osnabrück: 34,5 Punkte
  • Bielefeld: 34,5 Punkte
  • Nürnberg: 34 Punkte
  • Bamberg: 34 Punkte
  • Bochum: 34 Punkte
  • Postdam: 33,5 Punkte
  • Lüneburg: 33,5 Punkte
  • Landau in der Pfalz: 33 Punkte
  • Rhein-Sieg-Kreis: 33 Punkte
  • Kassel: 32 Punkte
  • Passau: 32 Punkte
  • Esslingen: 31,5 Punkte
  • Pforzheim: 31 Punkte
  • Jena: 30,5 Punkte
  • Essen: 30,5 Punkte
  • Bayreuth: 30 Punkte
  • Flensburg: 29 Punkte
  • Göttingen: 28,5 Punkte
  • Lübeck: 28,5 Punkte
  • Koblenz: 28 Punkte
  • Dortmund: 28 Punkte
  • Dresden: 27,5 Punkte
  • Kempten (Allgäu): 27 Punkte
  • Kaiserslautern: 26 Punkte
  • Saarbrücken: 25,5 Punkte
[Quelle: GBI AG]


Leichter haben es Studenten, die es in Städte zieht, die nach dieser Erhebung ein Punkteniveau von weniger als 25 haben. Sie können sich auf einen Wohnungsmarkt freuen, der fast schon entspannt ist. Dazu zählen beispielsweise Chemnitz, Erfurt, Gelsenkirchen, Krefeld, Leipzig, Magdeburg, Mönchengladbach, Rostock, Siegen, Weimar und Wuppertal.

Wohnungssuche: Wo findet man entsprechende Angebote?

StockLite/shutterstockDie Suche nach einer bezahlbaren Studentenwohnung in angebrachter Größe und Lage ist eine große Herausforderung, die - wie obige Liste zeigt - in vielen Städten nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Meist dauert es Wochen, wenn nicht gar Monate, bis man verschiedene Objektive gefunden hat, die den eigenen Anforderungen entsprechen und die gleichzeitig im Budget liegen.

Aber wo findet man passende Anzeigen und Angebote?

  1. Studentenwerk

    Wenn Sie auf einen Platz im Wohnheim hoffen oder Informationen zu günstigen Wohnungen suchen, sind Sie im Studentenwerk an der richtigen Adresse. Gerade am Anfang der Wohnungssuche ist es ratsam, sich hier zu informieren und einen Überblick über die eigenen Möglichkeiten zu erhalten.

  2. Aushänge an der Universität

    Auch wenn das eigentliche Studium noch nicht losgeht, sollten Sie sich in der Universität umsehen und die Augen nach Aushängen offen halten. Am schwarzen Brett finden sich oftmals Informationen über freie Zimmer oder Wohnungen. Auch haben Sie die Möglichkeit, hier selbst Ihre Suche bekannt zu machen und Ihre Telefonnummer anzugeben - vielleicht haben Sie ja Glück.

  3. Online-Wohnungsmärkte

    Es gibt unzählige Seiten im Internet, auf denen Wohnungen und Zimmer angeboten werden. Hier lohnt sich eine gründliche Recherche, um möglichst viele Optionen zu finden. Der Vorteil liegt auch darin, dass man das eigene Budget angeben und die Suche so filtern kann.

  4. Zeitungen

    Die Wohnungssuche funktioniert nicht nur digital, sondern auch über Anzeigen in den lokalen Zeitungen. Auf jeden Fall sollten Sie diese regelmäßig zur Hand nehmen, um vielleicht eine Wohnung zu entdecken, die online nicht aufgeführt wurde.

Hat man eine passende Immobilie gefunden, muss man sich aber immer noch gegen unzählige Konkurrenten durchsetzen, um am Ende tatsächlich den Mietvertrag unterschreiben zu können. Wir haben fünf Schritte zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen können, den Vermieter zu überzeugen und Ihre Studentenbude zu bekommen.

Schritt 1 bei der Wohnungssuche: Überzeugen Sie den Vermieter von sich

Der erste Eindruck, den Sie hinterlassen, kann den entscheidenden Unterschied machen. Der aber verfestigt sich nicht erst beim ersten Zusammentreffen, sondern weit vorher. Sie schauen sich sicher mehrere Wohnungen an. Da kann es leicht passieren, dass Sie Zahlen, Daten und Fakten durcheinander werfen. Am besten schreiben Sie sich einen großen Zettel mit wichtigen Eckdaten der einzelnen Wohnungen und tragen ihn bei sich. Darauf sollte stehen:

  • Name des Vermieters
  • Größe der Wohnung
  • Kosten für die Studentenbude

Bei unangekündigten Anrufen des Vermieters haben Sie so immer sofort den Überblick und drohen sich nicht zu verhaspeln.

Schritt 2 bei der Wohnungssuche: Die Unterlagen

Viele Vermieter bitten vorab, eine Selbstauskunft auszufüllen, um sich ein Bild über den Wohnungsanwärter zu machen. Schummeln Sie hier bloß nicht! Sind die Angaben geschönt oder gefälscht, ist unter Umständen nicht nur diese Wohnung futsch, wenn das ans Licht kommt! Oder denken Sie, dass Vermieter nicht untereinander vernetzt sind?

Bei Studenten ist bei diesen Selbstauskünften logischerweise von besonderem Interesse:

  • Wer bezahlt die Miete?
  • Sind die monatlichen Zahlungen gesichert?

Daher wollen Wohneigentümer in der Regel darüber hinaus einen Einkommensnachweis oder eine Schufa-Auskunft von Ihnen. Da Studenten selbst oft keinen Verdienst haben, sollten Sie außerdem einen Mietbürgschaftsnachweis Ihrer Eltern vorlegen, in dem diese sich bereit erklären, Mietausstände fristgerecht zu begleichen, falls in Ihrem Geldbeutel mal wieder gähnende Leere herrscht. Weitere Unterlagen, an die Sie denken sollten sind:

  • Lebenslauf: Hieraus kann der Vermieter Rückschlüsse auf Ihr Wohn- und Zahlungsverhalten ziehen. Dieser will natürlich das Risiko, es mit einem Mietnomaden zu tun zu haben, so gering wie möglich halten.
  • Kopie des Personalausweises: Der Vermieter will schließlich mit der richtigen Person einen Mietvertrag eingehen!
  • Studentenausweis / Immatrikulationsbescheinigung: Besonders wichtig bei Wohnungen oder Wohnheimen, die speziell für Studenten angeboten werden!
  • Bescheinigung über Mietschuldenfreiheit: Wenn das nicht Ihre erste Miet-Wohnung ist, kann Ihnen Ihr früherer Vermieter bescheinigen, dass die Miete immer pünktlich gezahlt wurde. Ein solcher Beleg ist ein starker Beweis für Ihre Zuverlässigkeit.

Auch wenn diese Unterlagen nicht ausdrücklich verlangt werden, ist es ratsam, sie dem Vermieter vorab zuzusenden, oder sie unaufgefordert zum Besichtigungstermin mitzubringen. Das zeigt, dass Sie sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt haben und verschafft vielleicht das nötige Quentchen Vorsprung vor der Konkurrenz.

Schritt 3 bei der Wohnungssuche: Der Besichtigungstermin

Für einen guten Eindruck sorgt auch, beim Besichtigungstermin die Eltern im Schlepptau zu haben. Keine Sorge – das wirkt nicht unselbstständig oder unreif. Darüber macht sich der Vermieter letztlich keine Gedanken, wohl aber, ob der Wohnraum an einen ordentlichen, verlässlichen Menschen geht. Und hier können Mama und Papa durchaus als eine Art lebende Visitenkarte fungieren - der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm.

Wohnungsbesichtigungen sind wie Castings. Sicherlich eher unnötig zu erwähnen. Aber der Vollständigkeit halber: Gepflegtes Aussehen, Pünktlichkeit, Höflichkeit sind das A und O. Und auch wenn die Situation ungewohnt ist, seien Sie nicht zu schüchtern. Das hilft zum einen, sich aus dem Windschatten der Eltern herauszumanövrieren und zum anderen bekunden interessierte und qualifizierte Nachfragen rund um die Wohnung ernsthaftes Interesse und zeugen von einer gewissen Reife und Selbstständigkeit.

Schritt 4 bei der Wohnungssuche: Wonach sollten Sie fragen, was darf der Vermieter fragen?

Am besten schon vorab Fragen zurechtlegen. Dann bleibt auch nichts im Unklaren. Folgende Dinge könnten für sie interessant sein:

  • Heizkosten
  • Verkehrsanbindung
  • Sport- und Kulturangebote in der Nähe
  • Einkaufsmöglichkeiten</li>

Tipp: Schauen Sie sich die Umgebung doch schon mal an – zu Fuß oder per Google Maps. Umso zielgerichteter fällt Ihr Fragenkatalog aus. Natürlich hat auch der Vermieter Fragen. Hier müssen Sie aber nicht alle Informationen preisgeben. Und: Sind zu intime Details von Interesse – Finger weg! Hier handelt sich möglicherweise um kein seriöses Mietverhältnis.

Danach darf der Mieter fragen:

  • Einkommen
  • Anzahl der Kinder
  • Familienstand
  • Ausbildung / Laufbahn
  • Alter

Diese Fragen müssen Sie wahrheitsgemäß beantworten. Ansonsten kann das zur Kündigung des Mietverhältnisses führen. Diese Fragen sind dem Vermieter dagegen verboten:

  • Vorstrafen
  • Religion/Nationalität
  • frühere Mietverhältnisse
  • Aktivität in Parteien/Gewerkschafte
  • Kinderwunsch/Schwangerschaft

Manchmal ist die Höhe der Miete verhandelbar. In diesem Fall geben Sie gleich beim Besichtigungstermin eine Mietobergrenze an, damit es später zu keinen Missverständnissen kommt. Was Sie beim ersten Termin unbedingt lassen sollten, ist nach Schäden zu suchen oder diese gar abzufotografieren. Was nicht heißt, dass Sie keinen Blick auf eventuelle Mängel haben sollten – nur nicht zu offensichtlich.

Schritt 5 bei der Wohnungssuche: Visitenkarte dabei?

Und? Hat alles geklappt? Dann vergessen Sie nicht, dem Vermieter eine Visitenkarte mit Ihren Kontaktdaten in die Hand zu drücken. Denn oft lässt sich der Vermieter ein paar Tage für seine Entscheidung Zeit und er sollte wissen, wie er Sie erreichen kann.

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