Feinde sind ja zuweilen die interessanteren Zeitgenossen. Sie fordern uns am meisten. Wahre Feinde kennen uns gut und wissen mehr Persönliches als uns lieb ist. Das setzen sie zwar gegen uns ein, man kann das aber auch Positiv sehen: Feinde halten uns einen ehrlichen Spiegel vor. Sie zeigen uns unsere bedeutendsten Fehler und geben uns so die Chance, daran zu arbeiten.

Wir Deutsche haben leider so unsere Probleme mit Feindbildern. Die Mehrheit sieht sich lieber in der Nachfolge Immanuel Kants und seinem Appell an die Vernunft und ihren Sieg über die Wut. Der Mann hat recht. Rache tut gewiss nicht gut. Aber seine Feinde nonchalant zu überwinden ist vielleicht die bessere Alternative.

So untersuchten Bernardo Jiménez-Moreno und seine Kollegen kürzlich 511 Mitarbeiter von drei Telekommunikationsunternehmen in Madrid. Während sich andere Forscher in der Regel darauf konzentrieren, wie organisatorische Faktoren die Wahrscheinlichkeit von Mobbing erhöhen, wählte Morenos Team einen anderen Ansatz: Sie erforschten, wie Mitarbeiter auf Mobbing-Situationen reagieren, jedoch abhängig von ihrer Persönlichkeit. Das Erstaunliche: Stress und Konflikte auf der Arbeit erhöhten zwar die Chance, zum Opfer von Intrigen und Mobbing zu werden. Jedoch nicht bei Menschen, die in der Lage waren, sich gedanklich von der Arbeit zu lösen und weniger Rachgelüste entwickelten. Oder anders formuliert: Wer bei allem Ärger über Chef und Kollegen weniger über mögliche Rache-Aktionen fantasierte, empfand nicht nur weniger psychische Belastungen – er wurde auch weniger zur Belastung für alle anderen.

Offen mit Faust und Waffe oder subtil mit Wort und Intrige gegen seine Widersacher vorzugehen, wäre ja auch reichlich dämlich. Erstens löst das meist eine kaum noch zu kontrollierende Rachespirale aus, zweitens verliert man dabei die innere Unabhängigkeit von den Tyrannen im Büro. Und Sie wollen ja stark werden, nicht abhängig, oder?!