Zahlungsmoral
Freiberufler, Selbstständige und Unternehmer kennen das Problem und sie alle haben sich schon einmal darüber geärgert: Die Zahlungsmoral mancher Kunden kann zu einem ernsthaften Problem werden. Dabei könnte alles so schön simpel sein: Man erbringt die Leistung, für die man beauftragt wurde, stellt im Anschluss eine entsprechende Rechnung und diese wird innerhalb der vorgegebenen Frist bezahlt. Soviel zur Theorie, denn die Praxis zeigt immer wieder, dass die Kunden häufig mit dem Begleichen ihrer Rechnungen warten. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann bei Einzelpersonen und kleinen Betrieben sogar bis zur Zahlungsunfähigkeit führen, wenn die Einnahmen mehreren Kunden ausbleiben. Wir erklären, was Sie tun können, wenn die Zahlungsmoral der Kunden zu wünschen übrig lässt...

Zahlungsmoral: Das Problem der ausbleibenden Zahlungen

Rechnungen müssen normalerweise innerhalb eines bestimmten Zeitraumes bezahlt werden. Je nach Rechnungssteller kann diese Zeit variieren, die einen erbitten eine Zahlung innerhalb von 14 Tagen, andere gewähren eine Frist von einem Monat. Bleiben die Zahlungen aber auch nach dieser Zeit weiterhin aus, kann es gerade für Freiberufler und kleine Unternehmen zu einem Problem werden.

Der Grund: Als Leistungserbringer geht man in Vorkasse. Material, Lohn an Mitarbeiter, Miete für Räumlichkeiten und eigene Rechnungen müssen bezahlt werden. Die Vorfinanzierung ist eingeplant und wird bei der angegebenen Frist der Rechnungen berücksichtigt. Dies funktioniert allerdings nur, solange sich die Kunden auch daran halten. Werden Zahlungsfristen nicht mehr eingehalten, kommt man vielleicht plötzlich selbst in Zahlungsschwierigkeiten, denn die eigenen laufenden Kosten wollen weiterhin gedeckt werden.

Freiberufler beispielsweise müssen möglicherweise ihren gesamten Lebensunterhalt von dem Geld bezahlen. Kommt es zum Extremfall, bei dem gleich mehrere Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlen, steht ein großes finanzielles Problem an, das gelöst werden muss.

Versuchen Sie das Problem zu klären

Extra-Tipp-IconAusbleibende Zahlungen können finanzielle Schwierigkeiten bedeuten und lösen großen Frust aus. Schließlich hat man das Gefühl, umsonst gearbeitet zu haben und anschließend übers Ohr gehauen worden zu sein. In der Folge versucht man oft wutschnaubend das Geld möglichst schnell zu erhalten. Diese Reaktion ist auf der einen Seite verständlich, birgt jedoch auch die Gefahr, dass man damit eine Kundenbeziehung endgültig zerstört.

Bevor man diesen Weg geht, empfiehlt es sich deshalb, zunächst ein Gespräch mit dem Kunden zu suchen, um die Ursache zu klären. Wurde die Rechnung bisher tatsächlich aufgrund einer schlechten Zahlungsmoral nicht beglichen oder liegen vielleicht andere Gründe vor? Möglicherweise wartet sogar Ihr Kunde selbst noch darauf, dass seine eigenen Rechnungen beglichen werden, und es fehlt ihm schlichtweg das Geld, um Ihre Forderungen zu bezahlen.

Im direkten Kontakt lassen sich oft gute Lösungen und Kompromisse finden, mit denen beide Seiten einverstanden sind - und es trägt dazu bei, einen Kunden zu halten und von möglichen Folgeaufträgen zu profitieren.

Zahlungsmoral: Das können Sie tun, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden

ZahlungsmoralMan kann immer versuchen, die Dinge im Guten zu klären, doch leider gibt es keine Garantie, dass dieser Versuch von Erfolg gekrönt sein wird. Trotz Kontaktaufnahme, E-Mails oder Gesprächen bleiben einige Kunden stur und die Rechnungen stehen immer noch aus. Die finanzielle Belastung für Freiberufler und Selbstständige besteht damit für einen längeren Zeitraum, doch gibt es noch einige Möglichkeiten, die Sie ausnutzen können, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden:

  1. Erinnern Sie den Kunden an die Zahlung

    Der erste Schritt, wenn Ihre Rechnung nicht beglichen wird, ist eine Zahlungserinnerung. Diese tut genau das, was der Name bereits vermuten lässt. In dem Schreiben wird der Kunde auf freundliche Art noch einmal daran erinnert, seine noch ausstehende Rechnung doch bitte zu begleichen. Wichtig dabei ist, dass keinerlei Absicht oder böswilliges Verhalten unterstellt wird.

  2. Beginnen Sie mit offiziellen Mahnungen

    Erfolgt auf die freundliche Zahlungserinnerung keine Reaktion des Kunden, beginnen Sie im nächsten Schritt damit, Mahnungen zu verschicken. Üblicherweise verläuft das Manhnverfahren dabei in drei Stufen, in denen dem Kunden nahegelegt wird, die noch offene Rechnung endlich zu begleichen. Anders als bei der Zahlungserinnerung, die noch keine konkreten Auswirkungen hat, beginnt ab der ersten Mahnung auch der Zahlungsverzug des Kunden. Damit muss der Kunde nun auch für die entsprechenden Verzugszinsen aufkommen, die durch die ausbleibende Zahlung entstehen.

  3. Schalten Sie einen Anwalt ein

    Verlaufen auch Ihre Mahnungen ohne die erwünschte Antwort, bleibt Ihnen nur noch der Anwalt, um das Geld zu erhalten, dass Ihnen zusteht. Dieser wird erneut versuchen, schriftlich mit dem Kunden in Kontakt zu treten. Ob es anschließend wirklich zu einem Gerichtsverfahren kommt, bei dem Sie Ihr Geld einklagen, hängt sowohl von Ihnen als auch von der Reaktion des Kunden ab.

    Das Schreiben von einem Anwalt zeigt bei den meisten große Wirkung und sorgt häufig dafür, dass die offenen Zahlungen doch noch getätigt werden. Sollte aber auch das ohne Effekt bleiben, liegt es an Ihnen, ob Sie mit einer Klage gegen den zahlungsunwilligen Kunden vorgehen wollen oder die Sache - und damit auch Ihr Geld - vergessen.

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