Vor wenigen Tagen räumten wir in einem anderen Artikel mit zahlreichen Vorurteilen gegenüber älteren Mitarbeitern auf, die in der Berufswelt leider nach wie vor verbreitet sind. Auch heute greifen wir den Generationenkonflikt wieder auf, wenn auch in einem anderen Zusammenhang: Es geht darum, wie Führungskräfte aus verschiedenen Generationen ihre Aufgabe interpretieren – und wie sich die Rolle des Managers im Laufe der vergangenen 60 Jahre verändert hat.

Welchen Sinn die Beschäftigung mit dieser Thematik hat, fasst die Figur des Wagner in Goethes Faust für uns zusammen:

Verzeiht! Es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen;
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

Zum Einstieg liefern wir eine Tabelle, die die unterschiedliche Auslegung von Führungsfähigkeiten für drei Generationen dokumentiert: Baby Boomer, Generation X und Generation Y.

Im Anschluss daran erlaube ich mir eine kurze Bewertung der getroffenen Annahmen – und lade Sie schon an dieser Stelle zur Diskussion über die Kommentarfunktion ein.

Management-Historie: Führungsstile aus drei Generationen

Die folgende Tabelle zeigt verschiedenste Kriterien der Mitarbeiterführung und wie sich die Auslegung in den vergangenen Generationen gewandelt hat. (Hinweis: Hierbei handelt es sich um die freie Übersetzung einer Forbes-Tabelle, die Sie hier im Original betrachten können.)

Führungsmerkmal Baby Boomer Generation X Generation Y
Problemlösung Strikte Abgrenzung nach Aufgaben- bereichen; hierarchisch Weitgehend selbstständig und unabhängig Teamorientiert; selten auf eigene Faust
Multitasking Weitgehende Vermeidung Im Ausnahmefall möglich Teil der täglichen Arbeitsroutine
Kommunikation mit Mitarbeitern Einseitig; auf Hierarchien achtend Delegierend; Dialog möglich Offener, multimedialer Dialog
Kooperation Strenge Beachtung der Hierarchien Zusammenarbeit mit direkt unterstellten Mitarbeitern Zusammenarbeit ohne Berücksichtigung von Position und Status
MA-Feedback (Halb)jährlich Monatlich bis wöchentlich Auf Anfrage; „Offene Tür“, Mentoring
Entscheidungsfindung Eigenständig; Mitarbeiter werden informiert Eigenständig mit Berücksichtigung von MA-Meinungen Im Diskurs mit Mitarbeitern
Weiterbildung Nur im Bedarfsfall Häufiges On-the-job-Training; seltene Seminarbesuche Ständige Weiterbildung, lebenslanges Lernen
Lernstil Frontale Wissensvermittlung durch Autoritäten Wie Baby Boomer; jedoch gelegentliches Selbststudium Selbststudium; soziales Lernen in Netzwerken
Technologieeinsatz (sozial) Im Ausnahmefall nützlich; direktes Gespräch bevorzugt Selbstverständlich; aber direktes Gespräch bevorzugt Allgegenwärtig; Verweigerung löst Verwunderung aus

Interpretation: Die Hierarchien schmelzen

Neben einer wachsenden Dynamik am Arbeitsplatz verdeutlicht die Tabelle vor allem eines: Die Zeiten der strengen hierarchischen Unterteilung von Mitarbeitern sind vorüber. Positionen unterscheiden sich nach wie vor in Status und Kompetenzen. Jedoch sind Führungskräfte heute eher bereit, über die vorgegebenen Machtstrukturen hinwegzusehen und die Kooperation mit Mitarbeitern zu suchen.

Das ist keinesfalls eine Frage des Alters – jedoch liegt die Vermutung nahe, dass für jüngere Generationen die moderne Auslegung einer Führungsaufgabe selbstverständlich ist, während sie von älteren Semestern bewusst erlernt wird bzw. werden muss. Diese Lernphase kann für einen erfahrenen Chef sogar zum Vorteil werden, da er bereits verinnerlichte Handlungsmuster hinterfragt und so eine wertvolle Selbstreflexion vollzieht. So werden ihm Vor- und Nachteile der modernen Führung bewusst, während der jüngere Manager diese als gegeben wahrnimmt.

So oder so: Führungskräfte können nur davon profitieren, sich mit dem Wandel der Chefrolle zu beschäftigen. Beide Seiten, Frischlinge und Büroveteranen, können so die Standpunkte und Perspektiven des anderen besser verstehen und Konflikte mit besserem Verständnis lösen. Gelungene Kommunikation ist schließlich das Ziel jeder Generation.