Was mich betrifft, bin ich neulich sehr erschrocken. Ich las auf meinem iPad ein paar Meldungen aus meinem Social Media Umfeld. Ich schmökerte ein wenig in der App Flipboard. Die galt mal als so eine Art Zeitungs-Magazin-Killer bis sich die Zeitungen und Magazine selbst gekillt haben. Aber andere Geschichte. Dann wechselte ich zu Pinterest. Ich sah mir viele hübsche Bilder an. Irgendwelche Fashion-Girlies lächelten mir entgegen, umrahmt von Weihnachtsdekor und vielen Infografiken. Ich weiß jetzt, wie man aus Blechkleiderbügeln praktische Schuhhalter bastelt, seine Fingernägel kreativ bemalt und Frühstückseier in Herzform herstellt. Vor allem aber weiß ich jetzt, wie man seine Zeit vedaddelt.
Als ich die App zuklappte, waren drei Stunden vergangen. Drei Stunden! Weg. Futsch. Verronnen. Einfach so mit Bildern gucken, Tipps und Tweets lesen. Ich weiß, ich bin damit nicht alleine. Social Media sind längst ein gigantischer Zeitfresser. Dagegen sieht Glotzegucken aus, wie ein sinnvolles Hobby. Laut der unten abgebildeten Infografik verbringen US-Bürger im Schnitt knapp sieben Stunden auf Facebook, eineinhalb Stunden auf Pinterest und 21 Minuten auf Twitter. Im Monat. Aber das sind eben Durchschnittswerte – so wie ein Millionär und sein Chauffeur im Schnitt ein Einkommen von 530.000 Euro haben.
Es gibt Menschen, die verbringen den ganzen Tag am Computer. Unterbrochen allenfalls von der Nahrungsaufnahme und dem Ausscheiden dessen, was davon übrig bleibt. Aber auch nur so lange, wie unbedingt erforderlich ist, um auch morgen noch kraftvoll surfen, chatten, mailen, lesen, bloggen, pinnen, twittern, plussen, sharen und liken zu können. Erschreckend ist daran weniger, dass sie es können, sondern vielmehr dass sie dabei dokumentieren wie viel Zeit sie dazu haben. Ich erinnere mich dann immer an die zahlreichen Coaches und Freiberufler, die den ganzen Tag in Xing-Gruppen verbringen und dabei von ihren zahlreichen Aufträgen und Kundenerfahrungen berichten. Ich habe mich immer gefragt, wann haben die bloß ihre zahlreichen Aufträge und Kundenerfahrungen gesammelt, wenn sie doch – gut nachlesbar – jeden Tag, sagen wir, zehn Stunden lang xingen? Aber gut, ich kann’s ja verstehen.
Zeitfresser Social Media
Umfrage: Wie viel Zeit verbringen Sie im Internet?
Ich bin natürlich der Schlimmste von allen. Regelmäßig empfehle ich Ihnen hier, wie Sie das Internet noch besser für Ihre Karriere nutzen können und warum Sie auch ein Blog schreiben oder mehr twittern sollten. Und dann mokiere ich mich darüber, wie man so viel Zeit damit verbringen kann. Etwas inkonsequent ist das schon. Aber was soll ich machen? Ich bin nicht perfekt.
Es lebt sich aber viel bequemer, wenn man weiß, die anderen sind es auch nicht. Deshalb muss ich Sie jetzt was fragen. Sie können auch ganz ungeniert antworten – es bleibt ja unter uns und anonym. Wie Zeit verbringen Sie denn so mit dem Social Media Zeugs?
Ganz ehrlich? Also die Zeit, die Sie hier mit dem Artikel und der Karrierebibel verbracht haben, dürfen Sie nicht mitzählen. Das zahlt als Weiterbildung (bilde ich mir ein). Solange, bis Sie einen Kommentar schreiben. Erst dann ist es social.
Adventskalender-Verlosung
Auch heute gibt es wieder eine Advents-Verlosung. Heute versteckt sich hinter dem zweiten Weihnachts-Türchen ein 20-Euro-Gutschein für den Design-Fashion-Shop The Luxury Loft. Alles, was Sie dazu tun müssen, ist hier einen Kommentar zu schreiben. Aber bitte nicht zu dem Geschenkartikel, sondern zum Thema des Artikels. Unter allen Teilnehmern losen wir heute Abend, 20 Uhr, den oder die Sieger(in) und fragen anschließend per E-Mail nach Ihrer Adresse. Es entstehen Ihnen natürlich keinerlei Kosten. Wir Glück!

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Nelly
Achtung, Glatteisgefahr! Alles was ich hier schreibe, könnte zu psychologischen Verstrickungen führen, stimmt’s? Outen ja, aber zu welchem Preis?
Falsche Rückschlüsse erlaubt schon die Tatsache, dass ich hier einen Beitrag hinterlasse. Ja, ich schon wieder (Indiz Nummer 1). Und nein, ich mache das nicht, weil ich geködert werde. Obwohl das Kind in mir Adventskalender liiiebt (Aha, doch anfällig). Also, kurz zusammenfassen. Vergeude ich gerne meine Zeit mit Social Media? Woran liegt das? Dass ich nichts Besseres zu tun habe? Dass ich von meinen Freunden, falls ich überhaupt welche habe, nur halb so gut unterhalten werde? Dass ich die Kälte scheue, den Kontakt zur Außenwelt aber brauche? Nein, im Enst, das sind doch viel zu persönliche Fragen, um sie öffentlich zu beantworten. Und wenn ich auch noch anfangen muss, mathematische Gleichungen aufzustellen, um die Zeit, die ich mit (oh mein Gott, ich baue schon eine persönliche Beziehung zu diesem Blog auf) Karrierebiebel verbringe, von der Zeit abzuziehen, die ich insgesamt in Networks verbringe, dann entziehe ich mich lieber gänzlich dieser Befragung. Doch das geht. Und den Tom, der vor 20 Jahren schon prophezeit hatte, dass es so kommen würde, verfluche ich währenddessen still und heimlich.
Ach ja, als Blogger ist man natürlich fein raus. Berufskrankheit. Basta.
Jochen Mai
Hallo Nelly, in diesem Fall fiel das Losen leicht: Du hast gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!
Henrik Zaborowski
Hallo Herr Mai,
da sprechen Sie ein hoch relevantes Thema an. Ich schreibe meine blogartikel am liebsten im Zug, wenn ich sonst eh nichts “seriöses” arbeiten kann. Gleiches gilt für das Lesen interessanter Artikel. Dann ist mein Gewissen meinem Chef gegenüber “rein”. Da ich aber nicht ständig unterwegs bin, “muss” und darf ich auch mal während der Arbeitszeit lesen :-)
Wenn ich mir viele meiner Kollege (Unternehmensberater) anschaue, denen bleibt keine Zeit für Social Media. Da haben Projekte und Kunden oberste Prio. Gefühlt würde ich sagen, dass vor allem Personaler, PR-Mitarbeiter, Marketingexperten und akquirierende Selbstständige im Netz aktiv sind. Die sind kommunikationsaffin und wollen oder müssen sich die Zeit nehmen. Die anderen haben mit ihrem operativen Business genug zu tun.
Beste Grüße,
Henrik Zaborowski
Jochen Mai
Da ist sicher viel Wahres dran. Allerdings würde ich den Punkt “Prioritäten” dabei noch einmal hinterfragen. Letztlich ist es ja eine Definition, wo ich die Prioritäten setze und ob ich es als Berater beispielsweise für mich oder meine Kunden als nützlich erachte, Inhalte im Netz zur Verfügung zu stellen oder mit ihnen auch dort zu kommunizieren. Ich denke da z.B. an den SAP-CIO Oliver Bussmann. Je nachdem bekommt dann auch Social Media eine andere oder gar oberste Priorität.