Die Hinrichtung war ihnen gewiss. Der Sultan von Persien hatte die beiden Männer soeben zum Tode verurteilt. Da ging der Eine hin und bot dem Sultan an, seinem Lieblingspferd binnen eines Jahres das Fliegen beizubringen. Im Gegenzug möge er ihm das Leben schenken.
Dem Sultan gefiel die Idee sehr, der einzige Mann auf Erden zu sein, der auf einem fliegenden Pferd reiten kann. Er willigte ein.
Da sprach der zweite Todgeweihte zu seinem Freund: „Was tust du da? Du weißt doch, dass Pferde nicht fliegen können!“ Darauf antwortete ihm der Erste: „Dafür habe ich mir vier Chancen geschaffen. Erstens könnte der Sultan im kommenden Jahr sterben, zweitens könnte das Pferd sterben, drittens könnte ich sterben und viertens könnte das Pferd tatsächlich fliegen lernen.“
Timing ist alles
Vom richtigen Timing hängt manchmal alles ab. Die beste Strategie, die beste Idee, das beste Produkt nutzen nichts, wenn das Timing schlecht gewählt ist. Das gilt umso mehr, wenn Sie andere kritisieren, Bestehendes verbessern wollen oder gerade in großer Bedrängnis sind, wie die beiden Todeskandidaten in der Parabel oben. Der größte Feind, den Sie in einer solchen Situation haben, ist die eigene Ungeduld.
Viele begabte und sonst rationale Menschen werden unter Druck emotional und hektisch. Sie meinen, die Zeit rase ihnen davon, so als wäre Zeit etwas, das man sich abzwacken und in einem Schweinderl ansparen müsste, damit sie am Ende reicht. So aber steigern sie nur den Druck und machen nachhaltige Fehler.
Klingt noch zu abstrakt? Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie haben etwas in Ihrem Unternehmen entdeckt, das Ihnen nicht passt, das eine Gefahr darstellt und das Sie unbedingt ändern wollen. Was tun Sie?
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a) Sie sagen es sofort dem Chef?
b) Sie sagen es sofort seinem Chef?
c) Sie sagen es allen – per Mail, per Aushang, per Flurfunk?
So verkürzt, klingen alle drei Punkte nicht besonders klug, nicht wahr?! Trotzdem machen viele genau das: Ohne den Zeitgeist zu erkennen oder vorher zu prüfen, woher gerade der Wind weht, rennen sie zu Chef und Kollegen und keifen wie Kolkraben. Schlimmer noch als schlecht ist häufig gut gemeint.
Wenn solche Bollerköppe Glück haben, hören ihnen die Chefs nur zu. Wenn sie Pech haben, haben die bereits 37 Probleme auf ihrem Schreibtisch und sind nicht gerade verzückt darüber, dass gerade Krise Nummer 38 um die Ecke biegt. Und falls sie ganz großes Pech haben, war das, was diese Leute so leidenschaftlich kritisieren und optimieren wollen, der brillante Lieblingseinfall des Chefs. Einmal dürfen Sie raten, welche Idee der Chef nun zu der künftigen Karriere des Mitarbeiters bekommt…
Um es kurz mit Salomo zu sagen: Alles hat seine Zeit. Die richtige Zeit abzuwarten, ist eine passive Erfolgstrategie – sogar eine der wichtigsten. Sie ist jedoch mehr als ein Problem auszusitzen. Wie viel Zeit man hat, hängt stets von der eigenen Wahrnehmung ab. Wenn wir im Stress sind, meinen wir oft, sie vergeht zu schnell und wir hätten nicht genügend Zeit. Das ist eine Illusion.
Natürlich kommt irgendwann der Augenblick, in dem man entscheiden und handeln muss. Meist aber später als man selber meint. Und nur selten ist der Augenblick gut gewählt, den man selbst aus impulsiv aus dem Affekt heraus wählt. Sich in Geduld zu üben, Kraft zu sammeln und die Zeichen der Zeit zu erkennen, ist klüger.
Und manchmal schützt das sogar vor Hinrichtungen.







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