Zeugnis: Formel bei Entlassung oder Aufhebungsvertrag
Die Beendigungsformel im Zeugnis gibt an, wann und wie das Arbeitsverhältnis beendet wurde. Haben Sie selbst Ihren Hut genommen? Kein Problem, dann heißt es: Sie verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Was aber, wenn es der Arbeitgeber war, der Tschüss gesagt hat? Mit welchen Formulierungen können Sie dann vermeiden, dass der Zeugnisleser aus dieser Tatsache negative Schlüsse zieht? Dass er eventuell annimmt, Sie seien der Aufgabe nicht gewachsen gewesen oder hätten sich etwas zuschulden kommen lassen?

Warum das Arbeitszeugnis so wichtig ist

Das Arbeitszeugnis ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer Bewerbung. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass es keine ungünstigen Zeugnisformulierungen enthält und keinen Spielraum für negative Auslegungen bietet. Glauben Sie nicht, es sei egal, wenn ein Zeugnis einmal weniger gut ausfällt. Der Makel begleitet Sie für den gesamten Rest Ihres Arbeitslebens, weil Einsteller sich in der Regel alle Arbeitszeugnisse vorlegen lassen. Auch weit zurückliegende.

Beendigungsformel bei betriebsbedingter Kündigung

Wenn ein Arbeitsverhältnis aus betrieblichen Gründen endet, wird Ihnen das in der Regel als Bewerber nicht schaden. Die Beendigungsformel lautet dann:

Das Arbeitsverhältnis endet betriebsbedingt am 30.04.2015

oder

aus betrieblichen Gründen

Rechnen Sie allerdings im Vorstellungsgespräch mit der Frage, was das denn genau für betriebliche Gründe waren. Sie sollten in der Lage sein, die Umstände konkret zu benennen und zu erläutern. Und jeder Einsteller, der Auskünfte über Sie bei Ihrer Firma einholt, sollte natürlich dieselbe Version zu hören bekommen.

Sie geraten gar nicht erst in Erklärungsnot, wenn die betrieblichen Belange, die zu Ihrer Entlassung geführt haben, bereits im Zeugnis genannt werden. Zudem gibt die schriftliche Aussage allen Beteiligten Sicherheit. Solche Formulierungen könnten zum Beispiel lauten:

Aufgrund einer Umstrukturierung wurde der Arbeitsplatz von Frau MUTTER nach München verlegt. Weil sie aus familiären Gründen ihren Wohnsitz nicht wechseln kann, endet das Arbeitsverhältnis betriebsbedingt zum 30. April 2015.

Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Zentralisierung von Aufgaben wurde der Arbeitsplatz von Herrn INGENIEUR ersatzlos gestrichen. Leider können wir ihm keine gleichwertige Aufgabe in unserem Hause anbieten; das Arbeitsverhältnis endet betriebsbedingt zum 30.06.2010.

Aus diesen Beschreibungen geht eindeutig hervor, dass die Trennung durch äußere Gegebenheiten verursacht wurde und dass die Gründe nicht in der Person des Mitarbeiters lagen. Dies wird noch unterstrichen durch die Andeutung, dass man Frau MUTTER oder Herrn INGENIEUR unter anderen Umständen durchaus gern weiterbeschäftigt hätte.

Im folgenden Beispiel hingegen ist der Sachverhalt nur sehr knapp umschrieben:

Herr ABTEILUNGSLEITER verlässt unser Unternehmen aufgrund einer Restrukturierungsmaßnahme zum 31. Dezember 2014.

Weil die konkreten Umstände unklar bleiben, wird diese Formulierung aufgrund ihrer Knappheit wahrscheinlich zu weiteren Nachfragen führen.

Beendigungsformel bei Aufhebungsvertrag oder gerichtlichem Vergleich

Mich betrifft das ja gar nicht, werden Sie vielleicht denken, denn ich habe ja einen Aufhebungsvertrag geschlossen. Da steht dann im Zeugnis

Das Arbeitsverhältnis endet einvernehmlich am ...,

und das war’s.

Leider liegen die Dinge auch hier nicht so einfach. Ihr neuer Arbeitgeber will in aller Regel wissen, aus welchen Gründen Sie einen Aufhebungsvertrag geschlossen haben - insbesondere dann, wenn Sie sehr lange in dem fraglichen Unternehmen gearbeitet haben oder wenn Sie schon ein wenig älter sind, oder beides. Niemand glaubt einem 55-jährigen Chef-Controller, dass er nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit ganz plötzlich aus eigenem Antrieb auf die Idee kommt, einen Aufhebungsvertrag zu schließen.

Auch bei einem Aufhebungsvertrag oder gerichtlichen Vergleich empfiehlt es sich also, die betriebliche Veranlassung der Trennung im Zeugnis zu erwähnen. Entweder kurz:

Aufgrund einer Umstrukturierungsmaßnahme endete das Arbeitsverhältnis mit Herrn CONTROLLER einvernehmlich zum 30.09.2014.

Oder etwas länger:

Wegen einer europaweiten Umstrukturierung fällt Frau PERSONALERINS Arbeitsplatz weg. Leider konnten wir ihr keine gleichwertige Aufgabe in unserem Unternehmen anbieten. Daher endet das Arbeitsverhältnis in gutem gegenseitigem Einvernehmen zum 31.12.2014.

Vorsicht beim Ausscheiden "auf eigenen Wunsch"

Manche Arbeitgeber sind bereit, Ihnen bei einvernehmlicher Trennung ein Ausscheiden auf eigenen Wunsch zu bescheinigen, wenn Sie das möchten. Seien Sie damit aber vorsichtig: Ein Ausscheiden auf eigenen Wunsch klingt für Einsteller nur dann gut, wenn Sie nahtlos in ein Anschlussarbeitsverhältnis wechseln konnten. Folgt hingegen auf das Ende Ihres Arbeitsvertrags eine Zeit der Erwerbslosigkeit, dann könnte ein selbst herbeigeführter Jobverlust als Mangel an Verantwortung gegenüber Ihrer Familie oder gar als Faulheit ausgelegt werden.

Wenn Ihr altes Beschäftigungsverhältnis also nicht nahtlos in das neue übergeht, belassen Sie es in der Zeugnisformel besser beim einvernehmlichen Ausscheiden - mit Begründung.

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