Vince Lombardi war ein strenger Mann. Seinen ersten Job als Football-Coach bekam er ausgerechnet an der US-Militär-Akademie in West Point. Lombardi galt als autoritär, perfektionistisch und enorm anpassungsfähig. Zu seinen Stärken gehörte es, die Taktiken und Strategien der gegnerischen Mannschaften zu erkennen und diese den Fähigkeiten seiner Spieler anzupassen und so gut ausbalancierte Teams zusammenzustellen. Entsprechend steil verlief seine Karriere. Er wechselte bald in die National Football League (NFL) und gewann mit den Green Bay Packers 1961, 1962 und 1965 überlegen die NFL-Meisterschaft, 1966 und 1967 folgten zwei weitere NFL-Titel, gefolgt von mehreren Super-Bowl-Siegen.

Lombardi, der an Rot-Grün-Blindheit litt, gilt seitdem als Trainerlegende. Anspruchsvoll und streng zwar aber auch als einer, der von seinen Spielern stets Selbständigkeit forderte. Von ihm stammt ein Zitat, über das ich lange nachgedacht habe und glaube, dass es tatsächlich so ist:

Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und all den anderen ist nicht der Mangel an Stärke, Talent oder Wissen. Es ist der fehlende Wille.

Im Fußball hierzulande nennt man das auch den Zug zum Tor: Die Spieler wollen Tore schießen. Unbedingt. Komme was wolle. Auch Lombardi hatte im Lauf seiner Karriere festgestellt, dass seine besten und erfolgreichsten Athleten diese Eigenschaft besaßen.

Erfolgswille taucht aber eben nicht nur im Sport auf, sondern überall. Und wenn man sich ein paar Erfolgstypen der Geschichte genauer ansieht, stellt man bald fest, dass sie gar nicht mal so sehr zu den talentiertesten Überfliegern ihres Jahrgangs in Schulen oder Universitäten zählten, dass sie besonders talentiert gewesen wären oder mehr wussten als andere. Aber sie wollten ihre Ziele erreichen. Unbedingt. Und mit eisernem Willen.

Beispiele?

  • Bill Gates etwa. Ein College-Abbrecher, der unbedingt seine Idee von Microsoft verwirklichen wollte. Klar, sein Computerwissen war enorm, aber von Betriebswirtschaft hatte er keine Ahnung. Trotzdem hat er sich durchgesetzt und es zwischenzeitlich zum reichsten Mann der Welt gebracht.
  • Oder Sir Richard Branson. In der Mittelschule hatte er große Probleme wegen seiner Legasthenie. Seine Schülerzeitung setzte er glorreich in den Sand – trotz prominenter Unterstützer wie John le Carré oder Jean-Paul Sartre. Und die Schule verließ er ohne Abschluss. Dennoch gründete er ein Jahr danach schon sein Unternehmen Virgin und gilt heute als unternehmerisches Multitalent mit einem geschätzten Vermögen von vier Milliarden US-Dollar.
  • Oder ein paar Nummern kleiner: Joachim Schoss. Als Mitbegründer des Internet-Portals Scout24 und CEO und Miteigner der Beisheim Holding Schweiz war der damals 39-Jährige extrem erfolgreich. Doch dann kam das Jahr 2002 – und mit ihm ein schwerer Motorradunfall in Südafrika bei dem Schoss ein Bein und einen Arm verlor. Bald darauf ging auch noch seine Ehe in die Brüche, und unternehmerisch wurde er ebenfalls entmachtet. Obwohl er körperlich beschädigt war, gab er nicht auf, im Gegenteil: Er gründete wieder – diesmal die Stiftung My Handicap. Eine Online-Plattform, auf der sich Menschen mit Behinderung informieren, austauschen und Kontakte knüpfen können und in die er einen Großteil seines Vermögens steckte – jedes Jahr mehr als eine Million Euro. Heute sagt er: “Viele haben einfach nicht die Willenskraft, um die jeweilige Katastrophe zu verarbeiten. Der Sinn des Lebens kann nicht sein, dass es uns 80 Jahre am Stück gut geht, sondern dass wir uns weiterentwickeln. Und man entwickelt sich eben am schnellsten, wenn es am meisten wehtut.”

Ich bin sicher, auch Ihnen fallen noch zahlreiche Beispiele ein: Sportler, Gründer, Manager. Das Wesentliche an ihnen aber ist, dass sie sich allesamt ein (langfristiges) Ziel setzen und sich diesem mit Haut und Haaren verschreiben. Man könnte auch sagen: Sie haben Terrier-Qualitäten.

So jemand verbeißt sich regelrecht in sein Projekt, seine Aufgabe, sein Ziel und lässt erst wieder locker, wenn eben dieses Ziel erreicht ist und sich der gewünschte Erfolg einstellt. “Ich wette, dass es keinen einzigen Erfolgsmenschen gibt, der diese Eigenschaft nicht besitzt”, sagt etwa die Psychologin Angela Duckworth von der Universität von Pennsylvania, die eine der Koryphäen auf diesem Gebiet ist. “Niemand ist so talentiert, dass er nicht für seinen Erfolg kämpfen muss – und Verbissenheit hilft enorm dabei.”

Das Leben ist kein Ponyhof

Das Gegenteil davon lässt sich allerdings auch häufig beobachten. Eigentlich sogar häufiger, was den Erfolg selbst ja auch zu einem so begehrten (weil seltenen) Ziel macht: Menschen schmieden große Pläne, beginnen etwas, führen es aber dann doch nicht zu Ende und geben auf. Weil sie sich von anderen, leichteren Zielen ablenken lassen. Weil es Widerstände gibt. Zweifel. Oder schlicht, weil es ihnen zu lange dauert und zu anstrengend ist, Motto: Ach, ich schaff das ja doch nicht…

Kann sein, muss aber nicht. Doch auf halbem Weg findet man das nie heraus. Davon abgesehen ist schon die Frage falsch gestellt. Viel besser ist, herausfinden zu wollen, ob man es eben doch schafft – das eine wichtige Tor, das eigene Unternehmen, die Unabhängigkeit. Gegen alle Widerstände. Vor allem die im eigenen Kopf.

Mein Onkel schrieb mir einst in den Siebzigerjahren eine Karte, die ich bis heute besitze, weil ich die Worte nie vergessen habe. Auf der stand das Gedicht von R. Halm, das damals vermutlich auch in vielen Poesiealben zu finden war:

Ich will! Dies Wort ist mächtig,
spricht`s einer ernst und still.
Die Sterne reisst vom Himmel,
das kleine Wort: Ich will!

Stimmt.

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