Weg von der globalen Massenproduktion, hin zu dezentralen, hochtechnisierten und lokalen Werkstätten – das ist im Kern die Vision von Frithjof Bergmann. Bergmann, Jahrgang 1944, ist Professor für Philosophie und Anthropologie an der Universität Ann Arbor in Michigan/USA, ehemaliger Marxist und Autor diverser Bücher. Zudem berät er als Experte für die moderne Arbeitsgesellschaft Regierungen, Unternehmen und Gewerkschaften. Sein jüngstes literarisches Werk „Neue Arbeit, Neue Kultur“ beschäftigt sich genau damit: wie sich die Arbeit von morgen verändern könnte.

Für Bergman, der gerade auf der Berliner re:publica einen Vortrag gehalten hat, sind es diese drei Ursachen, die für die zunehmende Verarmung der Massen verantwortlich sind: die Globalisierung, die Automatisierung und die Völkerwanderung vom Dorf in die Stadt. Vor allem den letzten Punkt würde er gerne umkehren, indem die Leute wieder vermehrt dort arbeiten, wo sie auch wohnen – in modernen Wissensgesellschaften, deren Arbeiter überwiegend am PC oder Laptop ihr Einkommen erwirtschaften keine allzu abwegige Vorstellung. Mehr dazu auch hier.

BergmannNatürlich geht seine Utopie weit darüber hinaus: In Bergmanns Konzept könnten die Menschen künftig ein Drittel ihrer Zeit mit Lohnarbeit verbringen und das andere Drittel dazu nutzen, den Dingen nachzugehen, die sie wirklich wollen. Mit dem dritten Drittel versorgen sie sich selbst. Allerdings nicht durch Feldarbeit, sondern zum Beispiel durch sogenannte Fabrikatoren an, mit denen es zum Teil heute schon möglich ist, dreidimensionale Einzelteile – etwa für Autos – sprichwörtlich auszudrucken. So könnten dann in jedem Dorf des post-industriellen Zeitalters Dinge hergestellt werden, die nicht nur den Eigenbedarf decken, sondern auch bis zu 80 Prozent aller benötigten Verbrauchsgüter. Selbstversorger, Eigenproduktion, Heimarbeit – das sind reizvolle Gedanken, nur leider noch etwas fern, aber deswegen nicht weniger nachdenkenswert.