Zukunft sieht anders aus. Zurzeit tagt in Köln Europas größte Personalmesse, die “Zukunft Personal“. Und gleich zu Beginn fällt auf: Es gibt auf der gesamten Messe kein WLAN, auch nicht im Pressezentrum. Die Messe besuchen, Interviews führen, Videos drehen und ins Web hochladen, live von der Messe berichten… alles nicht möglich. Die Kölnmesse beschäftigt sich mit Zukunftsfragen und bietet nicht einmal Gegenwartstechnik. Peinlich.
Und auch wenn das ein wenig nach Eigenlob klingt: Selbst die zahlreichen Vorträge, die dort gehalten wurden, waren inhaltlich wenig inspirierend. Das lag sicher an manchem matten Präsentator, aber auch an dem größtenteils bekannten Stoff, den Leser dieses Blogs bereits lange kennen. Retrospektive Personal-Zukunft. Dennoch: Zwischen den Themen Recruiting 2.0, Lieben und Arbeiten, Arbeitgeberwettbewerbe und Work-Life-Balance versuchte ich gestern ein paar interessante Themen und Trends zu rechcherchieren. Davon gibt es heute ein paar aufgeschnappte Messesplitter:
Videorecruiting
Angeblich können Bewerbungsvideos die Zeit der Arbeitssuche um 50 bis 80 Prozent reduzieren, das ist die Erfahrung von Steve Riedel von CVOne, einem Anbieter einer entsprechenden Videosoftware. Das macht die Information zwar nicht glaubwürdiger. Umso nützlicher war dafür sein Tipp, wie derlei Filmclips eher betrachtet werden:
Drehen Sie nicht ein Video von fünf Minuten, in das Sie alle Informationen hineinquetschen. Fünf Minuten sind eine lange Zeit für ein Webvideo. Drehen Sie lieber fünf einzelne Clips à eine Minute mit unterschiedlichen Schwerpunkten, etwa zur Person, zu den Kompetenzen, der Motivation oder den persönlichen Zielen. Personaler haben wenig Zeit. Aber einen einminütigen Kurzfilm schaut man sich eher an.
Verkäufer entlarven
Auf dem Stand von Kerkhoff Consulting, einem Düsseldorfer Beschaffungsoptimierer und Berater mit integriertem Coaching für Einkäufer, unterhielt ich mich mit Tobias Saßerath, dem Trainingsleiter. Er hat einen, wie ich finde, hübschen Trick entwickelt, um lästige Sprücheklopfer im Verkauf zu entlarven: Saßerath baut bei den Verhandlungen Wörter in seine Sätze, die es gar nicht gibt. Er sagt dann etwa: “Dazu müssten wir aber erst noch noch unsere Maschinen epibrieren…oder bieten Sie das auch an?” Antwortet der Hundertsassa gegenüber “Ja, klar. Epibrieren können wir auch…” weiß er, was er von dem Typ zu halten hat.
Berufung
Wie findet man seine Berufung? Und wie kann man persönlich an seinen Aufgaben wachsen? Dan Baker von TalentPlus, einem US-Personalberater, hat dazu eine simple Formel entwickelt. Dernach ist Wachstum eine Frage von Talent, der passenden Wirkungsstätte und der Leidenschaft, die man in seinen Job investiert. Oder schematischer ausgedrückt:
Digital Reputation Management
Das Wortungetüm kennen Sie auch als Reputationspflege im Web oder schlicht als Ego-Googeln. Wie sehr dieses Thema die Leute interessiert, können Sie auch im Video rechts sehen: Der kurze Vortrag dazu war extrem gut besucht. Aber wissen Sie genau, was das Web schon schon alles über Sie weiß? 2007 gab es dazu die interessante Studie “Digital Footprints” (pdf). Sie liefert aufschlussreiche Anhaltspunkte, was Menschen glauben, wie viel über sie schon bekannt ist. Eine Frage:
Was glauben Sie, kann man im Internet bereits über Sie erfahren (Angaben in Prozent)?
| Information | Ja | Nein | Weiß nicht | Private Adresse | 35 | 40 | 25 | Arbeitgeber | 35 | 44 | 11 | E-Mail-Adresse | 32 | 29 | 38 | Private Telefonnummer | 30 | 47 | 23 | Eigene Artikel oder Publikation | 24 | 59 | 17 | Porträt-Foto | 23 | 67 | 10 | Gruppen/Organisationen, denen ich angehöre | 23 | 63 | 12 | Parteien, denen ich angehöre | 11 | 68 | 19 | Handy-Nummer | 6 | 71 | 18 | Video von mir | 2 | 92 | 5 |



André Wegner
Zum Verkäufer entlarven:
Hast Du gefragt, was man macht, wenn der vermeintliche Verkäufer fragt, was epibrieren bedeutet?
Jochen Mai
@André: Ja, hab ich gefragt.
Pingback: Das Marketing ABC: Digitales Reputationsmanagement | Erdmania.de
André Wegner
@Jochen
Mmm … Und was hat erempfohlen? Sich mit “Versprochen” rausreden?
Jochen Mai
@André: So ist es… “Sagte ich epibrieren?! Ich meinte kalibrieren…”