Wer einige Zeit nicht mehr im Beruf steht, verliert den Anschluss. Je länger ein Mensch nicht aktiv am Arbeitsleben teilnimmt, desto schwerer wird der Weg zurück. Denn Fähigkeiten verkümmern, wenn sie nicht regelmäßig genutzt werden. Und Kenntnisse veralten rapide, wenn sie nicht ständig aktualisiert und aufgefrischt werden. Dazu kommt der Verlust der Kontakte und Netzwerke, die für die berufliche Entwicklung unabdingbar sind.

Mit diesen Problemen kämpfen alle, die nach einer Auszeit ins Arbeitsleben zurückkehren: Mütter und Väter, die sich der Kindererziehung widmeten, Menschen, die Angehörige pflegten und natürlich auch Rehabilitanden, die eine Krankheit aus dem Berufsleben warf. Und manche scheitern an der Berufsrückkehr. Damit Ihnen das nicht passiert, sollten Sie den folgenden Artikel lesen.

Grundlegend wichtig ist, dass Sie mit der richtigen Einstellung an Ihren Wiedereinstieg gehen. Wenn Sie sowieso nicht damit rechnen, einen passende Stelle zu finden, werden Sie scheitern. Das gleiche gilt, wenn Sie den Kopf nicht frei haben, sondern mental noch voll in Ihrem letzten Lebensabschnitt stecken. Denn Ihr Wiedereinstieg braucht vor Allem drei Dinge: Ihre Präsenz, Ihre Zeit – und Ihre Energie.

Vergangenheit bewältigen

Deswegen müssen Sie als Erstes alles hinter sich lassen, was Sie die letzten Monate, vielleicht Jahre beschäftigt und ausgefüllt hat. Ich weiß, das ist hart. Aber leider nicht zu ändern. Wenn Sie nämlich

  • lieber noch bei Ihren Kindern blieben,
  • sich mehr Zeit für die Trauer um Ihren Angehörigen wünschen
  • oder einem verlorenen Job nachhängen, den Sie vielleicht außerdem nicht mehr ausüben können
  • und wenn Sie obendrein unsicher sind, ob Sie überhaupt wieder ausreichend belastbar sind,

machen Sie sich den Einstieg unnötig schwer.

Das ist, wie wenn Sie einen schweren Rucksack mit sich herumtragen. Und weil Sie vielleicht sowieso angeschlagen sind, sollten Sie sich den nicht auch noch aufbürden. Schließlich benötigen Sie alle Kraft und Zuversicht, um Arbeitgeber zu überzeugen. Das geht nämlich nur, wenn Sie sich als Menschen präsentieren, der voll im Hier und Jetzt steht, seine Fähigkeiten kennt, Probleme aktiv angeht, nach Lösungen sucht und somit die richtige Besetzung für seine Stelle ist.

Nach vorne blicken

Am Leichtesten ist der Blick nach vorn sicherlich, wenn Sie wegen Ihrer Kinder ausgesetzt haben. Denn “hinter sich lassen” heißt hier ja nur, dass Sie Ihrer künftigen Arbeit den Anteil an Ihrem Leben einräumen, der ihr zukommt. Das tun Sie am Besten, indem Sie diese Zeit gleich für die Stellensuche reservieren. Das gibt am Anfang sicher den einen oder anderen „Zwergenaufstand“, weil Mama oder manchmal auch Papa nicht mehr jederzeit verfügbar ist. Aber nur so schaffen Sie es, ihre Kleinen soweit zu entwöhnen und vielleicht auch Ihren Lebensabschnittspartner weit genug einzubinden, dass ein reibungsloser Einstieg ins Berufsleben möglich wird.

Deutlich schwerer ist es schon, nach Krankheit oder Behinderung wieder einzusteigen. Weil Sie der eigene Körper im Stich gelassen hat, ist der Wiedergewinn von Selbst-Vertrauen unabdingbar. Sie müssen sich sicher sein können, dass Sie den Anforderungen des Berufslebens wieder gewachsen sind. Nutzen Sie deswegen jede Möglichkeit zu einer Rehabilitation oder Arbeits- und Belastungserprobung, die Ihnen angeboten wird. Erst recht, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen einen anderen Beruf ergreifen müssen. Denn die Herausforderung, sich auf unbekanntem Terrain bewähren zu müssen, sorgt zusätzlich für Unsicherheit.

Wenn Sie einen Angehörigen gepflegt haben, sollten Sie sich keinesfalls zur Überwindung des Verlusts ins Berufsleben stürzen wollen. Sicher hilft Arbeit gegen Trauer, langfristig erfolgreich ist aber nur, der Traurigkeit und Leere den nötigen Platz einzuräumen, um sie schließlich überwinden zu können. Gönnen Sie sich, wenn immer möglich, eine Auszeit, wenn Sie einen Angehörigen verloren haben. Hilfreich sind dabei Psychologen oder Therapeuten, die sich Ihnen und Ihrem Leid annehmen – und sie für die notwendige Zeit krank schreiben. Erst dann können Sie durchstarten.

Orientierung suchen

Anschließend müssen Sie sich auf dem Arbeitsmarkt orientieren: was sind Ihre Qualifikationen (noch) wert? Sind Ihre Kenntnisse auf dem aktuellen Stand und Ihre Fähigkeiten immer noch gefragt? Am Besten analysieren Sie dazu aktuelle Stellenanzeigen (allerdings ohne sich gleich zu bewerben) – oder fragen direkt potenzielle Arbeitgeber. Zeit dafür sollte allemal sein, da der Termin des Wiedereinstiegs in der Regel ja auch nicht von heute auf morgen kommt, sondern Monate vorher absehbar ist.

Idealerweise haben Sie natürlich die Auszeit für den Erhalt Ihrer Qualifikationen genutzt. Oder, noch besser, sich gezielt weiter gebildet – und damit vielleicht neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt erschlossen. Außerdem haben Sie – zum Beispiel durch Erziehung – sowieso ein paar Kompetenzen erworben, die auch im Arbeitsleben wichtig sind: wer – wenn nicht Sie – ist stressresistent, belastbar, kann gut organisieren und obendrein verschiedene Dinge gleichzeitig tun?

Und schließlich gilt es auch noch eine ganz wichtige Frage zu beantworten: was wollen Sie eigentlich arbeiten? Dort weitermachen, wo Sie aufgehört haben – oder vielleicht etwas ganz Anderes machen? Schließlich ist so ein Wiedereinstieg sowieso eine gute Gelegenheit, sich neu zu orientieren – wenn nicht sogar gesundheitliche Probleme einen Jobwechsel erzwingen.

Qualifikationen auffrischen

Falls Sie Defizite feststellen, sollten Sie ganz schnell eine Weiterbildung machen. Denn die Hoffnung, trotz fachlicher Mängel eingestellt zu werden, ist meist vergeblich. Und schließlich wollen Sie die Stelle ja auch nicht als Almosen, sondern wegen Ihrer Qualifikationen, oder? Also prüfen Sie, wo Qualifikation Not tut – und handeln Sie.

Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, muss sich nach erfolgreicher Rehabilitation vielleicht umschulen lassen. Bei der Wahl der Ausbildung sollte man sich nicht nur an den (angeblichen) Entwicklungen des Arbeitsmarkts orientieren, sondern in erster Linie auf seine Fähigkeiten und Neigungen achten – und natürlich darauf, dass die Ausübung des Berufs trotz vielleicht fortbestehender Einschränkungen möglich ist.

Wiedereinsteiger nach der Elternzeit laufen in der Regel bei der Agentur für Arbeit offene Türen ein. Diese bietet regelmäßig Kurse an, die beispielsweise kaufmännische Grundqualifikationen und EDV-Kenntnisse für die Rückkehr vermitteln – und meist auch erste Blicke in die neue Praxis bieten. Sie sollten diese Gelegenheit nutzen – auch wenn Sie sich wahrscheinlich als gereifter Praktikant seltsam fühlen. Denn ein Praktikum oder eine Probearbeit zeigt Ihnen, wie fit Sie wirklich sind.

Falls nur bestimmte Kenntnisse fehlen oder mittlerweile notwendige Zertifikate erworben werden müssen, übernimmt die Arbeitsagentur die Kosten dafür per Bildungsgutschein. Voraussetzung ist, dass Sie mit dieser Qualifikation Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern können.

Für noch weniger Auffrischungsbedarf finden sich an jeder Volkshochschule passende, hochwertige Kurse. Und auf deren sowieso günstige Preise erhalten Arbeitslose oft genug noch Rabatt.

Aktiv werden

Dann ist es an der Zeit, auf Arbeitgeber zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Natürlich sollten Sie es auch – und vielleicht sogar zuerst – bei Ihrem letzten Arbeitgeber probieren. Denn der kennt Sie und wusste Ihre Arbeit (hoffentlich) zu schätzen. Und selbst, wenn Sie Ihre frühere Tätigkeit nicht mehr ausüben können, findet sich vielleicht eine Stelle für Sie.

Andere Arbeitgeber erreichen Sie am Besten im direkten Kontakt. Oder über Ihr Netzwerk, das diese Kontakte vermittelt. Machen Sie bitte nicht den Fehler vieler Bewerber, sich hinter einigen Dutzend schriftlicher Bewerbungen zu verstecken, um Ihre Unsicherheit zu verbergen. Gehen Sie lieber aktiv auf Arbeitgeber zu, nutzen Sie die Chancen des direkten Kontakts. Denn so können Sie auf etwaige Bedenken direkt reagieren – und erfahren durch Rückmeldung, wo Sie vielleicht noch Defizite haben.

Im persönlichen Gespräch können Sie natürlich auch verschiedene Einstiegsmöglichkeiten auf ihre Umsetzbarkeit prüfen: denn vielleicht können – oder wollen – Sie erst Mal nur in Teilzeit arbeiten, weil Sie noch Zeit für die Familie brauchen? Vielleicht möchten Sie ja auch Gleitzeitregelungen oder ein Arbeitszeitkonto nutzen können, um bei Bedürfnissen der Kinder flexibel sein zu können? Vielleicht ist es sogar möglich, einen Telearbeitsplatz zu erhalten, um Betreuung und Arbeit kombinieren zu können?

Wichtig ist natürlich, dass Sie bei allen Gesprächen den potenziellen Arbeitgebern Ihre Stärken zeigen. Und davon haben Sie genug: schließlich hat Ihre Berufserfahrung Spuren hinterlassen, die durch die Auszeit nicht einfach weggewischt sind. Und in Ihrem letzten Lebensabschnitt haben Sie weitere Kompetenzen erworben, die Ihnen ebenfalls nützlich sind. Und genau damit können Sie punkten.

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Rückkehr aus ElternzeitBewerbung als Empfangskraft (PDF)
Wiedereinstieg nach RehabilitationBewerbung als Verkaufsberater (PDF)
Nach der Pflege zurück in den BerufBewerbung als Fundraiserin (PDF)