Zuversicht: Die Kraft des Optimismus
Zuletzt stirbt die Hoffnung. Und tatsächlich: Kaum etwas spornt Menschen so sehr an wie die Kraft der Zuversicht - die Aussicht, dass ihr Vorhaben gelingen kann und Probleme überwunden werden. Derlei Optimismus klingt natürlich zunächst verdächtig nach rosaroter Brille und der Immer hübsch positiv denken!-Soße von zweitklassigen Motivationstrainern. Zugegeben, der Grat zwischen seriöser Lebenshilfe und Scharlatanerie ist hierbei schmal. Und doch deuten immer mehr Studien darauf hin, dass Zuversicht eine unterschätze Eigenschaft ist, die nicht nur unsere Weltsicht verändert, sondern auch unsere Gesundheit und den Erfolg...

Die Kraft der Zuversicht

Wasserglas halbvoll halbleerSie kennen sicher diesen klassischen Selbsttest: Mit Blick auf das abgebildete Wasserglas rechts. Was würden Sie sagen: Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Üblicherweise gilt die Einschätzung:

  • Optimisten antworten: "Es ist halb voll".
  • Pessimisten dagegen nennen es "halb leer".

Nur Ingenieure stellen dabei eine Sonderform dar, die antworten eher so was wie: Das Wasserglas ist doppelt so groß wie es sein müsste. Aber das ist eine andere Geschichte.

Entscheidend ist: Der Pessimist wirkt hierzulande in seiner Einschätzung meist realistischer, kritischer, seriöser sowieso.

Der Optimist dagegen sieht deutlich genügsamer, geradezu bescheiden aus. Ja sogar ein bisschen naiv: Das Ding enthält weniger Wasser als es könnte, und der Typ bemüht schon das Wort "voll"??? Damit steht der notorische Schönseher schon auf Augenhöhe mit dem unreifen Einfallspinsel und urteilsunfähigen Leichtgläubigen. Fehler!

Wissenschaftler finden immer mehr Belege dafür, dass der Zuversichtliche und Optimist, sich selbst (anderen aber auch) den größeren Gefallen tut. "Vollständige Sorglosigkeit und eine unerschütterliche Zuversicht sind das Wesentliche eines glücklichen Lebens", erkannte schon der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca. Heute weiß man von weiteren Vorteilen des Optimismus:

  • Die Einsicht auf Aussicht hilft Menschen dabei, Schicksalsschläge leichter und schneller zu überwinden und den Lebemsmut nicht zu verlieren (siehe: Resilienz). Auch erkranken Optimisten seltener an Depressionen.
  • Der Glaube an die eigene Zukunft wirkt ebenso positiv auf den Körper und aktiviert die Selbstheilungskräfte: Die Immunabwehr von Optimisten funktioniert nachweislich besser, sie spüren Schmerzen weniger stark und erholen sich schneller von Operationen, was unter anderem Experimente mit Placebos und Nocebos belegen.
  • Die positive Sichtweise sorgt gar dafür, dass Zuversichtliche im Durchschnitt ein größeres soziales Netzwerk haben als Pessimisten.

Kurzum: Zuversicht und Optimismus sind eine enorme Kraftquelle für Seele, Körper und Psyche.

Zuversicht Definition: Was es bedeutet zuversichtlich zu sein

Zuversicht Definition: Was es bedeutet zuversichtlich zu seinSchon in der Bibel heißt es, dass der Glaube Berge versetzen kann. Deswegen ist der Optimist aber noch lange kein Träumer, der die Schattenseiten des Lebens einfach ausblendet.

Im Gegenteil: Der Optimist ist ebenso Realist und sich der Risiken durchaus bewusst, die er gleichsam reflektiert und kalkuliert. Zugleich hat er aber auch den Mut, konsequent zu handeln, handlungsfähig zu bleiben. Seine Grundannahme ist nur der gute Ausgang. Oder wie es der Kölner formulieren würde: Et hät noch immer jot jejange.

Das spiegelt sich auch in den typischen Synonymen, die im Zusammenhang mit Zuversicht genannt werden:

  • Glauben
  • Gottvertrauen
  • Hoffnung
  • Optimismus
  • Zutrauen
  • Zufriedenheit
  • Fortschrittsglaube
  • Zukunftsglaube
  • Lebensfreude
  • Lebensmut
  • Daseinsfreude
  • Lebensbejahung

Vor allem die letzten vier Punkte zeigen, dass Zuversicht viel mit der inneren Einstellung und unserer Attitüde zu tun hat. Zwei Eigenschaften sind laut Zuversicht Definition dafür wesentlich:

  1. Vertrauen

    Und zwar ein tief verwurzeltes Vertrauen darauf, dass sich die Dinge schon so entwickeln werden, wie man es sich erhofft oder wünscht, unabhängig von noch so widrigen Umständen oder dem eigenen Tun und Können.

  2. Selbstvertrauen

    Psychologen würden hier auch von der Selbstwirksamkeitserwartung sprechen. Wo im obigen Punkt das eigene Handeln und Können noch keine Rolle spielt, ist der Zuversichtliche zugleich davon überzeugt, grundsätzlich einen wirksamen Beitrag leisten und die Situation meistern zu können. Mit derlei Selbstvertrauen ausgestattet, kann der Optimist freilich auch mehr Courage wagen.

Warum haben Sie zum Beispiel Ihren aktuellen Job bekommen? Der Zuversichtliche würde sagen: "Natürlich auch, weil ich gut bin." Gewiss, mancher könnte hier erste Ansätze eines aufkommenden Narzissmus erkennen. Doch das wäre zu kurz gesprungen. Der Optimist klingt manchmal vielleicht so, dahinter stecken aber schlicht weniger Zweifel und Skepsis gegenüber den eigenen Fähigkeiten.

Man könnte auch sagen: Menschen mit Zuversicht schaffen sich eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Zuversicht Spruch Zitat Weisheit

Zuversicht lernen: Wie wird man zuversichtlicher?

Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass Zuversicht zu etwa 30 Prozent genetisch im Charakter verankert ist. Der überwiegende Rest ist das Ergebnis von positiven Erfahrungen sowie reine Entscheidungssache: Jeder hat grundsätzlich die Wahl, ob er die Dinge positiv oder negativ betrachten will; ob er oder sie mit Hoffnung und Zuversicht eine Sache startet - oder mit starken Selbstzweifeln und Angst.

Daraus folgt aber zugleich, dass sich eine unbekümmertere Lebenseinstellung auch nachträglich noch lernen lässt.

Aus der Desasterforschung (die gibt es wirklich) weiß man heute, dass resiliente Menschen ein Unheil nicht durch eine rosa Brille sehen oder Probleme beschönigen oder verdrängen. Vielmehr gehen sie konstruktiv mit ihrem Schmerz, mit der Tragödie um.

Und das tun sie vor allem durch eine optimistische Grundeinstellung, Motto: Die Gegenwart ist zwar fürchterlich, aber es gibt auch ein Morgen. Sonne und Regen wechseln sich schließlich auch ab. So bekommt die Krise erst gar kein Schwergewicht, sondern wird zu einem zeitlich begrenzten Ereignis, einer maximalen Herausforderung - und die Achterbahn der Gefühle schlägt keine Kapriolen.

Wie aber wird man zuversichtlicher? Auch hier weiß die Psychologie Rat:

  • Zuversicht lernen: Erinnern Sie sich an Ihre Erfolge.

    Das Gute an Fehlern ist, dass man aus ihnen lernen kann. Manche halten Fehltritte und grandioses Scheitern gar für den besten Lehrer überhaupt. Wenn der Mist erst mal passiert ist, setzen wir uns hin, blicken zurück, analysieren das Missgeschick, ziehen daraus Schlüsse - und machen es das nächste Mal besser. Hoffentlich.

    Doch was ist mit den Erfolgen? Die kommen dabei oft zu kurz - und verkürzen so auch unseren Horizont: Am Ende schauen wir nur immerzu zerknirscht auf den Scherbenhaufen und versuchen zu verstehen, warum. Aus Erfolgen lässt sich aber genauso lernen. Mehr noch: Wir lernen, dass wir Erfolg reproduzieren können - und das fördert unsere Selbstwirksamkeitserwartung.

  • Zuversicht lernen: Suchen Sie sich Vorbilder.

    Vorbilder geben Sicherheit, Orientierung, Motivation. Der Mensch sucht sich ein Vorbild und adaptiert dessen Verhalts- oder Denkweise. In der Fachsprache heißt das "soziales Lernen" - und es trägt enorm zur Zuversicht bei. Denn offensichtlich können andere es ja auch. Mentale Stärke erwächst dann daraus, an eigene, vergangene und vergleichbare Erfahrungen anzuknüpfen.

  • Zuversicht lernen: Meiden Sie Schwarzseher.

    Das ist - zugegeben - etwas tautologisch, hat aber maßgeblich Einfluss auf Ihr Wohlbefinden und Ihre Weltsicht. Das heißt nicht, Kritikern kein Gehör mehr zu schenken. Für gute Gegenargumente sollten Sie auch weiterhin offen bleiben. Aber es gibt eben leider auch notorisch negative Menschen und unheilbar Unzufriedene. Solche Schwarzseher verstärken nur, was einen niederhält und reißen jeden, der sich auf sie einlässt, mit in den Abgrund.

  • Zuversicht lernen: Entscheiden Sie sich.

    Und handeln Sie danach. Letztlich bleibt es eine Frage der eigenen Perspektive und des eigenen Willens: Wollen Sie an das Mögliche, an den Erfolg glauben - oder nicht? Dazu kann und muss man sich entscheiden, danach aber auch aktiv werden und konsequent zur eigenen Wahl handeln. Wer glaubt und hofft, bleibt nicht tatenlos. Nur Opfer handeln so.

Überoptimismus: Die Schattenseite von Hoffnung und Zuversicht

Natürlich lässt sich mit Zuversicht auch weiterhin nicht alles erreichen. Auch ein Tschakka! ändert daran wenig. Illusionärer Optimismus und naives Wunschdenken sind sogar regelrecht gefährlich und haben schon so manche (persönliche) Finanzkrise oder Börsenblase ausgelöst.

Es gibt eben auch so etwas wie Überoptimismus. Dann etwa, wenn wir dem süßen Gift des Erfolgs erliegen. Erst vernebelt es die Sinne, dann lullt es uns ein, wiegt uns in tückische Sicherheit und lässt uns noch viel tiefer abstürzen.

Drei Beispiele für die Gefahren der Zuversicht:

Es war ein simples, zweistufiges Experiment, das Fancesca Gino, Professorin an der Harvard Business School mit Studenten verschiedener US-Universitäten absolvierte: Zuerst wurden sie gebeten, zwei schwierige Entscheidungen zu treffen, um ein betriebswirtschaftliches Problem zu lösen, eine typische Fallstudie. Am Ende dieser ersten Fallstudie bekamen die Studenten dann ein Zwischen-Feedback, ob sie bei dem ersten Test gut oder schlecht entschieden hatten, beziehungsweise ob sie erfolgreich waren oder eben nicht.

Nun folgte die zweite Stufe und Fallstudie. Allen wurde noch einmal Zeit gegeben, ihr eigenes (Fehl-)Urteil zu reflektieren. Und nun passierte es: Wer zuvor erfolgreich gewesen war, investierte kaum noch Zeit, um seine bisherige Strategie selbstkritisch zu überprüfen - zu einem hohen Preis: Die erfolgreichen Probanden der ersten Runde scheiterten in der zweiten Runde signifikant öfter.

Das deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Studie, die der britische Psychologe Tim Woodman von der Bangor Universität veröffentlicht hat. An dessen Versuch nahmen 28 Studenten teil – allesamt zwar keine übermäßigen Sportskanonen, aber moderat von ihrem Können überzeugt.

Nachdem Woodman sie ein paar Sportübungen exerzieren ließ, kam es zum eigentlichen Test: dem Seilspringen. Der Hälfte der Versuchsteilnehmer gab Woodman vorher jedoch ein neues Seil – mit dem Hinweis, dass es sich dabei um eines handele, das den Schwierigkeitsgrad deutlich erhöhe. Es sei schwerer, steifer und auch länger – kurzum: Woodman verunsicherte die Probanden und erschütterte gezielt ihr Selbstvertrauen (was allerdings gemogelt war – tatsächlich waren beide Seile identisch).

Trotzdem: Am Ende des einminütigen Tests schnitten die verunsicherten Seilspringer besser ab. Sie verhedderten sich nicht nur seltener im Tau, sondern schafften im Schnitt auch zehn Hüpfer mehr als die vor Selbstbewusstsein strotzende Kontrollgruppe.

Woodman und sein Team deuten das Ergebnis so: Wer glaubt, den Sieg schon in der Tasche zu haben, also vor Überselbstbewusstsein und Selbstüberschätzung nur so strotzt, strengt sich weniger an, ist weniger aufmerksam – und scheitert häufiger.

Und noch eine dritte Studie passt in diese Reihe: Diesmal nahmen sich Francesca Gino und ihre Kollegin, die Psychologin Leigh Plunkett Tost von der Duke Universität des Phänomens an.

Dazu teilten sie ihre Probanden in zwei Gruppen:

  • Die erste wurde gebeten, eine Situation zu erinnern und aufzuschreiben, in der sie Macht über andere hatten.
  • Die zweite Gruppe sollte das genaue Gegenteil notieren - ein Ohnmachtserlebnis.

Wieder wurden die Teilnehmer danach gebeten, Fallstudien zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Diesmal bekamen sie aber noch zusätzlich wertvolle Tipps von einem Experten. Aber - Sie ahnen es: Wer in seiner Erinnerung zuvor sein Selbstvertrauen ordentlich einbalsamiert hatte, wollte kaum noch den guten (und richtigen) Rat hören, sondern lieber auf sich selbst.

Effekt: mehr Fehlentscheidungen.

Lassen Sie sich von Ihren Erfolgen und Ihrer Zuversicht also bitte nicht einlullen. Siege sind ein ebenso guter Lehrmeister wie Niederlagen, der angenehmere sowieso. Hoffnung und Optimismus können aber auch blind machen - etwa vor der letzten Ausfahrt und dem Punkt, seine Strategie zu wechseln.

Erfolg Lehrmeister Bill Gates Zitat Spruch

Merke: Zuversicht wirkt Wunder - eine Garantie gibt sie aber nicht.

Warum wir aus Erfolgen so selten lernen

Warum wir aus Erfolgen so selten lernenAus Erfolgen wird viel zu wenig gelernt. Stattdessen passiert Folgendes:

  1. Erfolge machen überoptimistisch.

    Wir freuen uns, dass etwas klappt, werden euphorisch und nicht wenige entwickeln gar einen unerschütterlichen Überoptimismus, dass sie diesen Erfolg endlos reproduzieren könnten. Kurz: Sie werden arrogant und überheblich. Die Gefahr: Dabei bilden sich geistige Trampelpfade, aus denen tumbe Gewohnheiten und falsche Regeln hervorgehen, Motto: Das haben wir schon immer so gemacht. Das hat schon immer funktioniert!

  2. Erfolge hinterfragen uns nicht.

    Dinge ändern sich. Zeiten auch. Deswegen müssen wir uns in der Regel ständig anpassen. Theorien ebenso wie Strategien. Solange aber alles glatt läuft, vergessen die meisten, sich auch weiterhin zu hinterfragen. Sie versäumen zu reflektieren, was sie einst so erfolgreich gemacht hat - und ob das auch künftig Gültigkeit hat.

  3. Erfolge bremsen das Lernen.

    Der Mensch ist nicht nur ein Gewohnheitstier - er ist auch bequem. Solange das Feuer brennt und das Fleisch darüber saftig brutzelt, sieht er keine Notwendigkeit darin, auf die Jagd zu gehen, diese zu verbessern oder Vorräte anzulegen. Dumm, wenn nach den sieben fetten Jahren sieben magere kommen... Lernen bedeutet letztlich, zu erkennen, warum etwas passiert (ist). Es heißt, Muster zu erkennen, aber auch wachsam genug zu bleiben, um rechtzeitig mitzubekommen, wenn sich Parameter ändern. Nach einem Fehltritt liegt uns die Notwenigkeit dafür in der Regel deutlich vor Augen. Das heißt aber nicht, dass die Not nach einem Sieg geringer wäre.

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