Ein Job sollte Spaß machen. Und glücklich. Dabei reich zu werden, wäre ebenfalls schön, und am besten geht man auch noch voll in der Arbeit auf und verwirklicht sich und seine Ideale. Der Beruf sollte zu den persönlichen Vorlieben passen, und jeden Morgen sollte man auf dem Weg zur Arbeit freudestrahlend durch die Bahn oder das Auto pfeifen. Nur – wie realistisch ist das überhaupt?

Klar ist es wenig sinnvoll, einem Beruf nachzugehen, den man hasst. Aber muss man wirklich sein Leben damit verbringen, nach dem Traumberuf zu suchen? Ist der aktuelle Job mit all seinen Ecken und Kanten möglicherweise schon sehr nah am persönlichen Ideal – und Sie merken es nur nicht? Oder kurz gefragt: Muss man seinen Job lieben?

Dieser Artikel soll kein Aufruf dazu sein, in einem miesen Job zu verharren. Aber aufzeigen, dass ein ewiges Streben nach Perfektion gerade bei der Wahl des Berufes wenig sinnvoll ist. Wir beleuchten einige Kriterien, nach denen sich ein Job bewerten lässt – und geben eine Einschätzung ab, wie wichtig die einzelnen Punkte überhaupt sind.

Die Tätigkeit

Das wichtigste an Ihrem Job ist natürlich, was Sie machen. Klar sollte das irgendwie zu Ihren Vorlieben passen – für das persönliche Wohlbefinden sind jedoch noch weitere Faktoren entscheidend. Beispielsweise die Anforderungen des Jobs: Besonders motiviert sind wir in der Regel, wenn unsere Arbeit uns nicht unter-, sondern leicht überfordert.

Grafikdesigner Milton Glaser, Erfinder des I♥NY Logos, unterscheidet Bad Work, Good Work und Great Work. Bad Work, also sinnlose und unbefriedigende Arbeit, sollten Sie vollständig vermeiden – logisch. Weitaus interessanter ist aber, dass Sie eine richtige Balance zwischen Good Work und Great Work herstellen müssen: Good Work ist Ihre durchschnittliche Alltagsarbeit, die Ihnen einigermaßen Spaß macht, Sie zufriedenstellt und in der Sie gut sind. Great Work hingegen sind Tätigkeiten, in denen Sie voll aufgehen, die Ihre volle Aufmerksamkeit beanspruchen und Sie an Ihre Grenzen bringen – logischerweise können Sie das nicht ewig aushalten.

Wichtig ist: Es hängt von Ihren persönlichen Vorlieben ab, ob Sie einen Job mit vielen Great Work – Phasen brauchen, oder ob Sie schon zufrieden sind, wenn Sie so wenig Bad Work wie möglich erledigen müssen. Sie müssen keinen Beruf haben, der Sie jeden Tag aufs Neue an Ihre Grenzen führt und neue Herausforderungen bietet, um glücklich zu sein – persönliche Erfüllung können Sie auch im Privatleben erfahren.

These: Sie müssen Ihre Tätigkeit nicht lieben – aber Sie dürfen auch nichts daran hassen.

Die Kollegen

Für viele Arbeitnehmer sind die Kollegen wichtiger als die eigentliche Arbeit. Viele sind bereit, einen völlig unbefriedigenden Job auszuführen, solange das kollegiale Umfeld stimmt. Natürlich passt im Idealfall beides. Für uns stellt sich jedoch die Frage: Muss ich den Umgang mit meinen Kollegen lieben?

Und auch das kann man verneinen. ZWar wäre es nicht verkehrt, wenn man seine Mitstreiter nach getaner Arbeit noch mit nach Hause auf ein Bier nehmen könnte. Umgekehrt ist ein völlig von Missgunst und Antipathie zerfressenes Arbeitsumfeld nicht hinnehmbar. Aber solange man selbst in seiner eigenen Tätigkeit aufgeht und Spaß daran hat, ist ein eher durchschnittliches Verhältnis zu den Kollegen vollkommen akzeptabel. Und auch ein nörgelnder Chef lässt sich dann eher aushalten – Freunde hat man schließlich im Privatleben.

These: Solange der Job passt, müssen Sie Ihre Kollegen nicht lieben.

Das Geld

Geld ist bei der Jobwahl ein heikles Thema. Schließlich soll Ihre Bezahlung nicht bloß als Schmerzensgeld für eine langweilige Tätigkeit gedacht sein, sondern Sie vielmehr angemessen entlohnen und Motivation für gute Leistungen liefern (auch wenn das in der Realität oft anders aussieht).

Schwierig ist hierbei, dass Sie – ob Sie wollen oder nicht – ständig den Vergleich mit anderen über sich ergehen lassen müssen. Aus diesem Grund können Sie auch nie zu viel verdienen: Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass wir stets vorgehalten bekommen, wer mehr oder weniger verdient als wir. Wirklich durchbrechen kann man diesen Kreis erst, wenn man sich wirklich mit einem gewissen Gehalt zufrieden gibt und nicht jedem Porsche zähneknirschend hinterher schauen muss.

These: Sie können mit Ihrem Gehalt zufrieden sein – aber Sie lieben Ihren Job nicht dadurch.

Das Privatleben

Der letzte Punkt betrifft nicht Ihren Job selbst, sondern das, was er maßgeblich beeinflusst – Ihr Privatleben. Die meisten möchten arbeiten, um zu leben, und nicht umgekehrt. In klassischem Deutsch spricht man auch von der „Work-Life-Balance“: Leidet Ihr Privat- und Familienleben stark unter Ihrem Job? Dann weg damit. Kein Mensch wird ernsthaft einen tollen Job wollen, der ihm sein gesamtes restliches Leben zerschießt.

These: Ihr Job kann noch so gut sein – wenn Ihr Privatleben darunter leidet, können Sie ihn nicht lieben.

Fazit

Es ist durchaus erfreulich, einen Beruf gefunden zu haben, der diese Bezeichnung auch verdient. Und wenn Sie diesen Beruf auch noch lieben, ist das umso besser. Die eigentliche Erkenntnis aber ist: Man muss seine Arbeit nicht lieben. Es reicht, wenn Sie mit dem guten Gefühl leben, eine…

  • …zufriedenstellende Aufgabe gefunden zu haben,
  • …die Sie mit netten Kollegen ausüben,
  • …für die Sie angemessen entlohnt werden und
  • …die Ihr Privatleben nicht völlig zerstört.

Wenn das erfüllt ist, muss Ihr Job gar nicht die große Liebe sein – es reicht, wenn er ein guter Freund ist.