Sie können das jetzt als Werbung abtun – dann lesen Sie bitte nicht weiter. Oder Sie glauben mir, dass mich das Folgende wirklich aufregt… Dann lesen Sie bitte weiter.
Ich finde, in der WirtschaftsWoche (mein Arbeitgeber) stecken immer wieder Perlen, die große Beachtung verdienen, dann aber leider in der Fülle der Informationen irgendwie untergehen. Das muss in diesem Fall nicht passieren, und das hoffe ich auch. Denn diese Woche gibt es auf den Seiten 8 und 9 eine solche Perle, eine Infografik mit der Überschrift “Gespaltene Gesellschaft”. Sie zeigt wie die aktuelle Wirtschaftskrise die Ungleichheit in unserer Gesellschaft eher noch zementiert hat. Da gibt es auf der einen Seite 30,9 Millionen Arbeiter und Angestellte der Privatwirtschaft und nochmal rund 4,5 Millionen Selbstständige. Beide Gruppen bangen derzeit um ihren Job oder ihre Existenz. Natürlich nicht alle, aber doch ziemlich viele. Demgegenüber stehen 39,2 Millionen Bürger, die sicheres Geld vom Staat beziehen: Staatsdiener, Rentner, Bezieher von Sozialhilfen. Das ist nichts Schlechtes. Dafür schätze ich unseren Staat. Was aber bedenklich ist: Es ist die Mehrheit. Zur Verdeutlichung:
| Privatwirtschaft | Bezieher von Staatsgeld |
|---|---|
| 30,9 Mio. Arbeiter und Angestellte | 4,5 Mio. Beschäftigte im öffentlichen Dienst |
| 4,5 Mio. Selbstständige | 7,9 Mio. Empfänger von ALG I, Hartz IV und Sozialgeld |
| 24,6 Mio. Rentenempfänger | |
| 1,4 Mio. Pensionsempfänger | |
| 806.000 Bafög-Empfänger |
Man muss sich das so vorstellen: Nur etwa 28,3 Millionen Menschen zahlen laut Statistischem Bundesamt hierzulande Lohnsteuer – 153 Milliarden Euro pro Jahr. Die Lohnsteuerzahler machen etwa 34 Prozent der Bevölkerung aus. Der Staat dagegen hat allein rund 186 Milliarden Euro an Personalkosten für seine Angestellten und Beamten zu tragen. Ein ziemliches Ungleichgewicht. Und nicht das einzige dieser Art.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Das ist kein Klischee beladener Vortrag vom Typ “faule Beamte”. Vielmehr geht es darum, zu erkennen, woher das Geld kommen soll, dass strauchelnde Konzerne aber auch Angehörige des öffentlichen Dienstes derzeit einfordern. Wir leben schon heute auf Pump und über unsere Verhältnisse. Die Bürokratie, die wir uns leisten, verschlingt mehr als woanders erwirtschaftet wird. Das kann nicht gut gehen. Spätestens die Generation nach uns zahlt die Zeche. Ich vermute allerdings, ich gehöre auch noch dazu – als Rentner ohne Rente.







Matthias
Das ist doch keine neue Erkenntnis… Durch den demographischen Wandel steigt im Lauf der Zeit die Zahl der Rentenempfänger, während die der arbeitenden Bevölkerung tendenziell abnimmt. Das hat aber doch mit der aktuellen Krise nicht das Geringste zu tun, wie hier suggeriert wird!! Geschweige denn mit den “Rettungsschirmen”, die die Regierung derzeit über Banken und einzelnen Unternehmen aufspannt.
Jochen Mai
Falsch. Und zwar gleich zweimal:
1. Da steht auch gar nicht, dass das neue Zahlen sind – im Sinne von “neue Studie”. Aber sie sind den wenigsten in dieser Form bewusst.
2. Da steht auch nicht, dass das Auswirkungen der Krise sind. Da steht, dass die Krise dieses Ungleichgewicht eher noch “zementiert”. Das impliziert, dass es schon vorher da war. Damit liegt die Bedeutung nicht auf der Entstehung des Ungleichgewichtes, sondern vielmehr auf dessen Wirkung. Und die ist alles andere als gerecht. Während in den Medien oft der Eindruck erweckt wird, die Krise betrifft uns alle, zeigen diese Zahlen ein anderes Bild: Die Mehrheit der Deutschen bekommt die Krise allenfalls mittelbar zu spüren – ihre Einkommen sind davon unabhängig. Im Falle von Beamten sind ihre Jobs sogar sehr sicher.
Thorsten
Erschreckend aber auch verwunderlich? In den 60 Jahren Bundesrepublik war es der Marshall-Plan der das Wirtschaftswunder erst ermöglichte. Also quasi auf Pump. Und seitdem? Steigende Staatsverschuldung. Aber wie auch bei den Managern der großen Konzerne (GM ist ein schönes Beispiel) ist ja immer doch alles gut gegangen. Und nach diesem Credo wird munter so weiter gemacht. Bis es irgendwann eben nicht mehr gehen wird. Aber wie bei GM, glauben -oder hoffen- wohl die verantwortlichen Politiker (und da nehme ich keine Partei aus) schon längst die Bühne der Geschichte verlassen zu haben, wenn es so weit ist.
Anders kann ich mir jedenfalls nicht die beharrliche Resistenz aller Beteiligten, sogar gegenüber gegenwärtigen Problemen wie Steuerverschwendung oder mangelndem Bürokratieabbau erklären. Was ich mich noch frage ist, ob in den von Dir aufgeführten 7,9 Millionen Arbeitslosengeld I+II und Sozialhilfe-Empfängern, auch die Selbstständigen und Angestellten vertreten sind, die ebenfalls zusätzlicher dieser Hilfe bedürfen? Außerdem dürfte zukünftig noch zusätzlich die demografische Entwicklung Auswirkung auf die Zahl der Erwerbstätigen, erheblichen Einfluss nehmen.
Unter all den Gesichtspunkten lieber Jo, sollten wir jetzt schon überlegen, ob wir nicht dann ne´ Rentnerband gründen und in Köln um Almosen spielen. Weil es so wohl tatsächlich nichts mehr mit der Rente wird.
Carsten
Mir ist nicht klar, welcher Zusammenhang zwischen Lohnsteuerzahlern und den Personalkosten im öffentlichen Dienst bestehen soll.
Marty
Ähmm.. ich weiss nicht was die Rentner da zu suchen haben. Auch denn unser Rentensystem ein durchlaufsystem ist, hat es nichts mit Steuern zutun. Diese Renter haben ja auch mal andere Rentner finanziert.
Aber last uns jammer nur … auf verdammt hohen Niveau
Jochen Mai
@Marty: Darum gehts ja nicht. Es geht darum, dass auch die Einkommen von Rentnern krisensicher sind und aus dem Staatssäckel stammen. Während also andere um ihre Existenz bangen und womöglich deshalb später ein noch größeres Rentenproblem haben werden, gehts es den heutigen Rentnern vergleichsweise gut. Wer also aktuell die Frage nach Rentenerhöhungen stellt, muss sich fragen lassen, ob das solidarisch ist – noch dazu in dem oben geschilderten Verhältnis.
ThomasSchmidtMuc
Die beschriebenen krassen Missverhältnisse legen doch den Schluss nahe, dass der auf der Volkswirtschaft lastende Wertschöpfungsdruck zunehmend ihre Möglichkeiten übersteigt. Ganz unabhängig davon, ob Ansprüche zu Recht bestehen: Die “Bezieher von Staatsgeld” werden sie langfristig nicht durchsetzen können und werden gefordert sein, indem sie mehr unmittelbare Beiträge zur Wertschöpfung leisten und ihre Ansprüche modifizieren.
Dietmar
Wenn ich die Antwort von einen gewissen Forumsteilnehmer höre, dann geht es in der Krise
garnicht so sehr um die Bankmanager,die in ihrer Gier um Renditen die Realwirtschaft und den
Staat in die mißliche Lage gebracht haben.
Man geht halt gerne auf die Rentner ,die leider sich nicht so öffentlichkonform wie die
Gewerkschaften wehren können.
Ich bin selbst Rentner habe auch die vorherige Rentnergeneration mit meinem Beiträge
unterstüzt und in meinen ganzen 45 Beitragsjahren,hohe Rentenbeiträge bezahlt.
Soll ich jetzt als Rentner büssen für eine Rentenreform,die gar keine war,sondern
viel Geld für versicherungsfremde Leistungen ausgegeben hat.
Ich meine man müsste das Geld von den Banken und ihren Managern holen um die
Rentenkasse zu stützen.
Aber leider ist es so,die Politiker und Manager halten doch im Prinzip zusammen,stammen
doch von der gleichen Bildungschicht ab.
Wie heisst es so schon:Eine Krähe haut der anderen kein Auge aus.”