Ein Gastbeitrag von dem Gründer Kalle Eberhardt
Nicht wenige Arbeitnehmer träumen davon, sich endlich unabhängig zu machen und die eigene Firma zu gründen. Trotzdem wagen die Wenigsten tatsächlich den Schritt in die Selbstständigkeit, da sie Angst davor haben, zu kündigen und im Falle des Versagens mit leeren Händen da zu stehen. Ich kann das verstehen – und es gibt auch eine Alternative: die, sich neben dem Beruf ein zweites Standbein aufzubauen und so einen fließenden Übergang in die Selbstständigkeit herzustellen. Und das geht so…
Wer sich neben dem Beruf ein eigenes Unternehmen aufbauen möchte, muss ein paar Dinge mitbringen, um dies erfolgreich tun zu können:
Drei Voraussetzungen
Willen: Der wohl wichtigste Aspekt, um erfolgreich ein Unternehmen aufzubauen, ist: Sie müssen es wollen. So richtig. Nur wer einen starken Willen hat, das Ziel der Selbstständigkeit zu erreichen, hat langfristig eine Chance. Alle anderen werden bei der ersten Unebenheit aufgeben und sich von ihrem Traum verabschieden. Der Wille hilft auch die eher unangenehmen Aufgaben zu erledigen, indem man das große Ziel vor Augen hat.
Konzept: Arbeitnehmer haben in der Regel nicht unbegrenzt viel Zeit und sind selten erfahren in der Unternehmensgründung. Deshalb empfehle ich, mit einem relativ simplen Konzept zu starten, welches dennoch einen Mehrwert gegenüber anderen Angeboten bietet. Es ist auch möglich, ein bestehendes Produkt zu verkaufen, wenn es bisher schlecht vermarktet wurde oder welches es bisher nur in einem anderen Land zu kaufen gab.
Ein Beispiel für ein sehr einfaches Konzept ist die Seite von der Mutter eines Freundes, die an das simple Produkt Küchenschürzen ein Handtuch annähen lässt und dadurch ein ganz neues Produkt kreiert hat. Dadurch hat sie ein Alleinstellungsmerkmal und kann die Handtuchschürzen exklusiv verkaufen.
Mut: Ein Aspekt der oft belächelt wird, der aber wesentlich ist. Es erfordert relativ wenig Mut, sich über den Markt zu informieren oder eine Website aufzubauen. Sobald es allerdings darum geht nach, außen hin als Unternehmer aufzutreten, sei es um das Produkt zu vermarkten oder nur den eigenen Freunden davon zu erzählen, geraten die Gründer oft in erhebliche Schwierigkeiten.
Häufig treten Versagensängste zutage oder die Angst, man könne die Bedürfnisse der Kunden nicht ausreichend gut erfüllen. Ihren Mut, können Sie schon sehr einfach testen, indem Sie zunächst einmal Ihren Freunden von ihrem Plan erzählen, dieses oder jenes zu verkaufen. Wenn Sie diesen Schritt problemlos gegangen sind, sind sie reif für den Verkauf an Kunden. Wenn Sie sich nicht trauen Ihren Freunden davon zu erzählen, dann werden Sie wohl auch nie Ihr Produkt einem fremden Kunden anbieten.
So setzen Sie Ihre Idee in die Tat um
Wenn Sie davon überzeugt sind, die oben genannten Eigenschaften zu besitzen und auch ein passendes Konzept haben, sind Sie bereit für die Umsetzung. Diese Schritte sollten Sie unternehmen, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.
Reduktion der Komplexität: Nehmen Sie sich Ihr Konzept vor und eliminieren Sie zunächst alles, was nicht absolut essenziell ist, um mit dem Konzept Geld zu verdienen. Haben Sie den Mut zur Einfachheit, und bieten Sie anfangs ein Produkt mit sehr limitierten Eigenschaften an. Nehmen Sie sich den Rat zu Herzen, und sie werden viel Zeit und auch Geld sparen.
Priorisierung: Priorisieren Sie die anstehenden Aufgaben und machen Sie sich einen Zeitplan, nach dem Sie sich richten. Durch die Priorisierung können Sie verhindern, dass Sie unangenehme Aufgaben auf die lange Bank schieben und durch den Zeitplan können Sie jederzeit feststellen wo sie stehen und was noch zu tun ist.
Feste Arbeitszeiten: Setzen Sie sich feste Zeiten, wann Sie an Ihrem Projekt arbeiten. Wenn das Projekt Teil einer festen Routine wird, wird es deutlich schwieriger Ausreden zu finden, warum Sie gerade nicht daran arbeiten.
Feedback holen: Viele Gründer verschanzen sich mit ihrer Idee, bis diese in Ihren Augen perfekt ist und sprechen erst dann mit möglichen Kunden. In der Regel ist es zu diesem Zeitpunkt dann sehr schwierig Kundenfeedback in sein Angebot mit einfließen zu lassen. Dies führt dann dazu, dass dem Kunden nicht angeboten wird, was er gerne hätte, sondern was der Unternehmer gerne entwickeln wollte. Dadurch könnten Kunden ausbleiben und Ihr Unternehmen pleite gehen. Gehen Sie also mit einem nicht perfekten Produkt an den Markt und entwickeln Sie es zusammen mit Ihren Kunden weiter.
Wenn nach dem ursprünglichen Produkt keinerlei Nachfrage herrscht, haben Sie auch wichtiges Feedback erhalten und können sich die nächsten Entwicklungsschritte sparen.
Hilfe holen: Holen Sie sich Hilfe bei Dingen, die Sie selbst nicht können. Sie können keine Homepage aufsetzen? Kein Problem, es gibt Seiten wie e-lance.com, wo sie eine einfache Homepage für etwas mehr als 100 Euro erhalten.
Sie wissen nicht, wie Sie erste Kunden erreichen können, lesen sie Beiträge auf einschlägigen Blogs dazu oder besuchen Sie entsprechende Messen, wo sie alles was sie dazu wissen müssen erfahren. Und: Fragen Sie Experten dazu. Jeder hat mal klein angefangen…
Das wichtigste bei allem was Sie tun ist, dass sie Ihre Fehler analysieren und aus diesen lernen. Solange Sie das beherzigen und nicht aufgeben, können Sie gar nicht scheitern. Wenn das eine Projekt einfach nicht funktioniert, dann versuchen Sie halt das nächste, bis es funktioniert.
Solange Sie nicht aufgeben, sind Sie nicht gescheitert!
Über den Autor
Kalle Eberhardt ist Gründer und Geschäftsführer vom Idea Camp. Das Idea Camp hat es sich zum Ziel gesetzt Gründungswillige mit allen möglichen Hintergründen von der Ideenfindung bis zur Umsetzung zu unterstützen. Im September veranstaltet sein Team die ersten Startup-Olympics in Berlin.
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Fra
Interessanter und nützlicher Artikel. Ich denke, v.a. ist der Mut, der fehlt, wenn man etwas Eigenes aufbauen möchte. Und dennoch ist er sehr wichtig, um überhaupt weiter zu gehen.
Tim S.
Sehr schöner Artikel!
Gerade wenn jemand sich etwas nebenberuflich
aufbauen möchte, empfehle ich auch, folgende
3 Punkte zu beachten:
- Was sind meine Leidenschaften & Hobbies,
die ich nutzen könnte?
- Welche Ideen lassen sich möglichst ohne
Kapital umsetzen (fettgedrucktes Stichwort
Internet, Dienstleistungen & digitale
Produkte)
- Was will ich mit einer Selbständigkeit
wirklich für persönliche Ziele erreichen?
Ist es der eigene Chef, ortsunabhängigkeit,
größere Verantwortung, Kreativität…?
Dann sollte es auch mit der nebenberuflichen
Tätigkeit klappen ;-)
Schöne Grüße aus Münster
Tim S.
Jochen Mai
Hallo Tim, Danke für deinen Kommentar. Wobei ich persönlich das immer schwer finde, jemandem zu empfehlen, das Hobby zum Beruf zu machen. Erstens ist es dann bald kein Hobby mehr, zweitens könnte der Spaß erheblich darunter leiden.
Kalle Eberhardt
Ich würde Tim da in gewisser Weise schon recht geben. Auch ich habe mich schon an Dingen versucht, die zwar Geld abgeworfen haben, aber einfach keinen Spaß gemacht haben. Die habe ich mit der Zeit immer aufgegeben und jetzt mache ich nur noch Dinge wo ich Spaß dran habe. Natürlich muss man dabei aufpassen, dass der Spaß nicht verloren geht, aber ich finde es besser so, als wenn ich von Anfang an Dinge tue, die ich nicht mag.
Jochen Mai
Hallo Kalle, ich finde aber, das ist etwas anderes: Das Gegenteil von “Hobby zum Beruf machen” ist ja nicht eine Idee finden, bei der man keinen Spaß hat. Das konstruktiert so einen Ausschluss, der gar nicht existiert. Ich habe überhaupt nichts dagegen, eine Tätigkeit zu finden, für die man brennt und die Spaß macht. Aber muss es deshalb gleich das Hobby sein?
Kalle Eberhardt
Hi Jochen,
es kommt vermutlich drauf an wie breit man Hobby interpretiert. Es muss nicht unbedingt das Hobby sein, aber ohne Spaß an der Sache wird man langfristig vermutlich scheitern, da man ungeliebte Dinge tendenziell aufschiebt.
Einigen wir uns darauf, dass eine Gründung Spaß machen sollte. Ich glaube damit können wir alle leben :)
Jochen Mai
Hi Kalle, da müssen wir uns nicht einigen, das stand nie zur Debatte. :)
Tim S.
Ja, wenn man es genau nimmt, hab ich
ja geschrieben, dass man seine Hobbies
nutzen sollte und nicht unbedingt ganz
zum Beruf machen muss ;-)
Bei einem Projekt meinerseits ist z.B.
Webdesign ein Hobby, aber absolut nicht
der “Beruf”.
Dennoch hilft es sehr, dass ich das gut
kann, sonst hätte ich schon öfter Elance
oder Strandschicht in Anspruch nehmen
müssen :-)
Schöne Grüße!
Tim