Ratgeber Zweitjob: Das sollten Sie wissen!
Der Zweitjob ist für viele Arbeitnehmer längst zu einem festen Faktor geworden - immer mehr Menschen suchen sich zusätzlich zu ihrem Job noch eine Nebenbeschäftigung. Studien zeigen, dass jeder Zehnte mindestens einmal pro Woche in seiner eigentlich freien Zeit zusätzlich Geld verdient. Rund 20 Prozent haben eine Nebenbeschäftigung, der sie mindestens einmal im Monat nachgehen. Das Erschreckende: Damit wird im Durchschnitt in der Freizeit mehr gearbeitet, als ins Kino gegangen, Sport getrieben oder anderen Freizeitbeschäftigungen nachgegangen. Besonders junge Menschen sind von diesem Phänomen betroffen. Der Grund für einen Zweitjob ist fast immer die angespannte finanzielle Situation, ohne den Zusatzverdienst reicht es einfach nicht. Doch wer einem Zweitjob nachgeht, sollte gewisse Regelungen beachten, damit ihn die Nebenbeschäftigung nicht den Hauptjob kostet.Unser Ratgeber zeigt, was Sie wissen sollten...

Zweitjob: Diese Regelungen sollten Sie kennen

Steigende Mieten und Nebenkosten, Versicherungen, Kosten für ein Auto - reicht das Geld hinten und vorne nicht mehr und Sie wollen sich zusätzliche etwas Geld dazu verdienen, sollten Sie als erstes einen Blick in Ihren aktuellen Arbeitsvertrag werfen.

In vielen Arbeitsverträgen gibt es Klauseln, die die Aufnahme einer Nebenbeschäftigung regeln. Zum Beispiel kann von Ihnen verlangt werden, dass Sie Ihren Vorgesetzten über die Aufnahme eines Zweitjobs informieren müssen. Es kann allerdings auch sein, dass Sie eine Nebenbeschäftigung erst schriftlich beantragen müssen. Halten Sie sich nicht an diese Regelungen, riskieren Sie dadurch eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung.

Im Öffentlichen Dienst und als Beamter besteht bei der Aufnahme eines Zweitjobs grundsätzlich eine Meldepflicht. Als Beamter müssen Sie Ihre Nebenbeschäftigung ordnungsgemäß beim Dienstherrn anmelden. Hierbei sollten Sie vor allem darauf achten, dass der Nebenjob nicht gegen das Beamtenrecht verstößt, ansonsten droht die fristlose Kündigung.

Wie ein Genehmigungsantrag für die Aufnahme eines Zweitjobs aussehen kann, sehen Sie in diesem Muster:

Nebentätigkeitsvereinbarung

Max Mustermitarbeiter
Irgendwoweg 12
34567 Musterstadt

XX.XX.2014

Sachbearbeiter bei der
Fantasiefirma
Beispielstr. 89
34567 Musterstadt

Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich ab dem (DATUM / Alternativ: von...bis...) beabsichtige, die folgende Nebentätigkeit auszuüben. Ich bitte Sie, dies zu genehmigen:

Art der Nebentätigkeit
_______________________________________________________________________
_______________________________________________________________________

Arbeitgeber und Bruttogehalt
Die Nebentätigkeit übe ich auf 400-Euro-Basis für und im Auftrag der Firma XY aus.

Umfang der Nebentätigkeit (wöchentlicher Zeitaufwand)

  • Wochenstunden für die unmittelbare Nebentätigkeit: _________ Stunden
  • Zusätzlicher Zeitaufwand (z.B. Vorbereitung): _________ Stunden

Ich versichere, dass durch die Nebentätigkeit die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit nicht überschritten wird und auch Ruhetage eingehalten werden. Die Vereinbarungen aus dem Arbeitsvertrag vom (DATUM) bestehen fort.

Mit freundlichen Grüßen

_______________________________
Ort, Datum, Unterschrift Arbeitnehmer

GENEHMIGT durch

__________________________________________
Ort, Datum, Unterschrift Arbeitgeber, Firmenstempel

Diese Vorlage können Sie auch als PDF runterladen. Jedoch ist diese Vorlage nur als Anregung gedacht und im Einzelfall individuell anzupassen. Sie ersetzt nicht die fachliche Prüfung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht, zu der wir im Zweifel immer raten. Falls Sie die Vorlage verwenden, übernehmen wir keinerlei Haftung für die korrekte Anwendung im Einzelfall.

Ratgeber Zweitjob: Was ist nicht erlaubt?

Zurijeta/shutterstock.comDie meisten Arbeitgeber haben grundsätzlich keine Einwände gegen eine Nebenbeschäftigung ihrer Mitarbeiter. Dennoch gibt es gewisse Regeln, an die Sie sich halten sollten.

  • Auch mit einer Nebenbeschäftigung dürfen Sie die Gesamtarbeitsdauer von 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten.
  • Gesetzlich ist es nicht erlaubt rund um die Uhr zu arbeiten. Die vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden vor dem Beginn der beruflichen Tätigkeit ist einzuhalten.
  • Haben Sie in Ihrem Hauptjob Urlaub, ist es Ihnen nicht erlaubt, Ihre Nebenbeschäftigung für diesen Zeitraum zu einem Vollzeitjob auszubauen. Ihre Urlaubstage sollen Ihnen als Erholung dienen und dafür werden Sie von Ihrem Hauptarbeitgeber bezahlt.
  • In Ihrem Nebenjob dürfen Sie nicht für ein Konkurrenzunternehmen Ihres Arbeitgebers tätig sein.
  • Ihr Nebenjob darf Sie nicht in der Ausübung Ihres Hauptjobs behindern. Das bedeutet konkret, dass Ihr Chef es nicht akzeptieren muss, wenn Sie beispielsweise ständig übermüdet sind, weil Sie nachts als DJ in Clubs auflegen und am nächsten Morgen zur Arbeit kommen.
  • Sind Sie in Ihrem Hauptjob krankgeschrieben, dürfen Sie auch Ihrem Zweitjob nicht nachgehen. Auch wenn Sie als Nebenjob etwas völlig anderes machen, beispielsweise in Heimarbeit Texte schreiben, sollten Sie dies in dieser Zeit nicht weiterführen. Denn Ihr Chef könnte Ihnen vorwerfen, die Krankheit nur vorzutäuschen oder die Genesung zu verlangsamen.

Minijobs und Nebenbeschäftigungen mit höherem Verdienst

Im Idealfall sollte der Zweitjob ein Minijob sein. In Ihrem Zweitjob dürfen Sie dann bis zu 450 Euro steuerfrei dazuverdienen. Zahlen Sie bereits bei Ihrem Hauptjob Rentenversicherung, können Sie die Rentenversicherungspflicht bei Ihrem Nebenjob abwählen und die monatlichen Abzüge einsparen.

Zweitjobs mit einem Verdienst über 450 Euro monatlich

Beziehen Sie aus Ihrer Nebenbeschäftigung ein höheres Einkommen, sind Sie auch bei Ihrem Zweitjob sozialversicherungspflichtig. Dann kommt es darauf an, wie hoch Ihre Einkünfte aus beiden Tätigkeiten sind.

Sind Sie in Ihrem Nebenjob sozialversicherungspflichtig, haben Sie auch Anspruch auf Krankengeld. Verlieren Sie einen Ihrer Jobs, haben Sie Anspruch auf Teilarbeitslosengeld.

Bei einem höheren Verdienst in Ihrem Zweitjob, müssen Sie diesen auch versteuern. Die Nebenbeschäftigung wird dann allerdings nicht der gleichen Steuerklasse wie die erste Tätigkeit zugeordnet, sondern sie erhält eine eigene Steuerklasse, nämlich die Lohnsteuerklasse VI. Ihr Hauptjob ist dann einer der ersten fünf Steuerklassen zugeordnet, je nachdem ob Sie alleinstehend, alleinerziehend oder verheiratet sind, während der Zweitjob und jeder weitere Job in Steuerklasse VI zugeordnet wird. Diese ist die Steuerklasse mit den höchsten Abgaben.

Nebenberufliche Selbstständigkeit

William Perugini/shutterstock.comDoch auch eine selbstständige Tätigkeit kann nebenberuflich aufgenommen werden. Wenn Sie ohnehin damit liebäugeln, sich selbstständig zu machen, können Sie auf diese Weise Ihr Unternehmen allmählich aufbauen.

Die nebenberufliche Selbständigkeit hat zwei entscheidende Vorteile:

  • Risiko. Sie setzen sich einem geringeren Risiko aus und sind nicht darauf angewiesen, dass Ihr Unternehmen sofort Gewinne abwirft. Sie müssen Ihren Lebensunterhalt nicht damit bestreiten und das nimmt Ihnen etwas Druck.
  • Testlauf. Sie können Ihre Geschäftsidee testen, den Markt beschnuppern und sehen, ob das, was Sie vorhaben, überhaupt funktioniert. Es bietet Ihnen auch die Möglichkeit zu schauen, ob Sie sich vorstellen könnten, Ihren ersten Job dafür aufzugeben.

Doch auch hier gilt, dass Sie Ihrem Hauptarbeitgeber keine Konkurrenz machen dürfen. Zum Beispiel dürften Sie als Grafikdesigner, der für eine Agentur tätig ist, nicht nach Feierabend Kunden aus der Agentur abwerben.

Wie organisieren Sie Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit?

Als erstes sollten Sie Ihr Nebengewerbe beim zuständigen Gewerbeamt anmelden. Das lässt sich bereits für einen geringen Betrag machen. Damit Ihr Gewerbe noch als Nebengewerbe angesehen wird, dürfen Sie diesem maximal 15 Stunden pro Woche nachgehen.

Mit der Anmeldung werden Ihre Daten auch an das Finanzamt weitergeleitet. Daraufhin tritt dieses mit Ihnen in Kontakt und teilt Ihnen eine Steuernummer zu. Sie sind nun verpflichtet, alle Einnahmen und Ausgaben in einer sogenannten Einnahmen-Überschuss-Rechnung mitzuteilen.

Ähnlich, wie bei einem Nebenjob, bei dem Sie mehr als 450 Euro verdienen, dürfen Sie auch bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit nicht die Einkommensgrenze Ihrer Krankenkasse überschreiten. Hier kann es notwendig sein, dass Sie sich freiwillig gesetzlich oder privat versichern. Welche Versicherungsform bei Ihnen die Richtige ist, darüber kann Sie Ihre Krankenkasse am besten informieren.

Wer ein Nebengewerbe gründet, startet meist als Kleinunternehmer. Das Gründerlexikon gibt in diesem Video Infos zu dieser Unternehmensform:

Extra-Tipp

Wer sich ehrenamtlich in Vereinen engagiert oder nebenbei für öffentliche und soziale Einrichtungen arbeitet, kann auf die Übungsleiter- und die Ehrenamtspauschale zurückgreifen. Dabei handelt es sich um Steuerfreibeträge in Höhe von 2.400 Euro pro Jahr (Übungsleiterpauschale) und 720 Euro im Jahr (Ehrenamtspauschale).

Zu den Übungsleitertätigkeiten zählen beispielsweise Dozenten, Ausbilder, Erzieher oder künstlerische Tätigkeiten. Unter die Tätigkeiten im Ehrenamt fallen beispielsweise Trainer in Sportvereinen, Chorleiter oder Vereinsvorsitzende. Nachzulesen ist das im Einkommensteuergesetz.

Ratgeber Zweitjob: Die Arbeit im Home Office

Nebenjobs, denen man von Zuhause aus nachgehen kann, sind sehr gefragt. Meistens handelt es sich dabei um Tätigkeiten, die Sie an Ihrem Computer ausüben.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Recherchearbeiten
  • Datenerfassung
  • Adresslistenpflege
  • Datenkontrolle und Verifizierung
  • Umfrageteilnahme
  • Übersetzungsdienste
  • Produktbeschreibungen für Online-Shops verfassen
  • Webseiten- und Blogtexte schreiben
  • Katalogtexte texten
  • Programmieren
  • Online-Spiele testen
  • E-Mails lesen
  • Geld verdienen auf Ebay (Auktionen für andere einstellen)

Und das ist nur eine kleine Auswahl. Je nach Neigung, Talent oder auch eigenen Ambitionen ergeben sich im Internet inzwischen unzählige Optionen, sich mit einem Zweitjob nebenbei etwas hinzu zu verdienen. Das meiste sind - wie man oben schon erkennen kann - Routinearbeiten.

Doch der Markt wimmelt auch von unseriösen Anbietern. Lassen Sie sich deswegen nicht auf Angebote ein, die das schnelle Geld versprechen. Denn eins ist sicher, reich wird man durch diese Art von Nebenbeschäftigung nicht. Seien Sie also skeptisch, wenn derlei Versprechungen gemacht werden oder Sie bereits in Vorkasse gehen sollen, bevor Sie mit dem Job begonnen haben. Woran Sie unseriöse Anbieter erkennen und eine Auswahl mit Anbietern, an die Sie sich getrost wenden können, finden Sie in unserem Artikel zu Nebenjobs in Heimarbeit.

Zum Abschluss bitten wir Sie sich im Vorfeld gut zu überlegen, ob Sie sich dem erhöhten Druck durch die Doppelbelastung ausetzen möchten. Ihnen sollte klar sein, dass eine Nebenbeschäftigung mit erheblichen Einschnitten in Ihrer Freizeit verbunden ist. Sprechen Sie mit Ihren Freunden und Ihrer Familie über Ihre Pläne, damit Sie sich ihrer Rückendeckung sicher sein können.

[Bildnachweis: racorn, Zurijeta, William Perugini by Shutterstock.com]