Das Schläfchen oder Nickerchen zwischendurch genießt zwar keinen guten Ruf (viele assoziieren es mit Faulheit), ist aber gut für unsere Leistungskraft. Das kleine Schlafintermezzo, auch Powernap genannt, wirkt regelrecht Wunder: Es verkürzt Reaktionszeit, erhöht Aufmerksamkeit und Kreativität.

Der Mensch ist nun mal ein rhythmisches Wesen und erlebt im Laufe des Tages verschiedene Hochs und Tiefs: Die meisten von uns fallen nach der Mittagspause ins Leistungsloch, so zwischen 13 und 16 Uhr. Zwar können wir uns zusammenreißen und gegen die Natur ankämpfen, aber das rächt sich: durch mehr Fehler, langsameres Tempo und mehr Unfälle. Die Zahl der übermüdungsbedingten Verkehrsunfälle steigt nachmittags deutlich an. Mit Kaffee lässt sich diese Mattheit zwar kurzfristig vertreiben. Sobald die aufputschende Wirkung aber nachlässt, fühlt man sich noch müder.

Der Kurzschlaf wirkt da nachhaltiger. Natürlich ersetzt das Dösen keine regelmäßige Bettruhe. Aber es kann Lösungen fördern. Der Lübecker Schlafforscher Jan Born ließ etwa zwei Versuchsgruppen mehrere Zahlenkolonnen umrechnen. Was er nicht verriet: Für die zweite Hälfte der Aufgaben musste man nur die ersten Ergebnisse spiegelbildlich in die Lösungsfelder eintragen. Einige erkannten den Trick. Andere gingen schlafen. Kurz darauf stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Dreh durchschauten, dramatisch – von 23 auf 59 Prozent!

Falls Sie also heute an einer Lösung laborieren – gönnen Sie sich ruhig ein Nickerchen. Hier noch ein paar Tipps dazu:

  1. Trinken Sie vor dem Wegdämmern ruhig eine Tasse Espresso oder Kaffee. Das Koffein darin wirkt nicht so schnell, dass es das Einschlafen hemmt, gibt aber Schubkraft bei der anschließenden Erweckung.
  2. Als Einschlafhilfe atmen Sie drei- bis fünfmal langsam und tief durch. Wenn Sie können, dunkeln Sie Ihre Büro etwas ab und sorgen Sie dafür, dass Sie während des regenerativen Powernaps wirklich entspannen können und nicht unterbrochen werden. Schließen Sie zum Beispiel die Bürotür und die -fenster, stöpseln Sie das Telefon aus und deaktivieren Sie den Signalton Ihres E-Mail-Eingangs. Und vor allem: Schalten Sie auch geistig ab. Grübeln ist beim Nickern absolut tabu.
  3. Nickern Sie nicht zu lange! Ein Schlummerstündchen ist definitiv zu viel. Denn wer zu tief wegsackt, schläft sich müde und fühlt sich nachher erst recht zerschlagen. 20 bis 30 Minuten sind das Ideal.
  4. Dösen Sie nicht mehr nach 16 Uhr. Die meisten Menschen bekommen sonst abends Probleme beim Einschlafen.
  5. Überlegen Sie sich vorher eine gute Weckstrategie. Albert Einstein, ebenfalls ein bekennender Nickerer, soll stets einen Schlüsselbund in die Hand genommen haben, der nach einiger Zeit herunterfiel und ihn so wieder weckte. Sie können aber auch den Alarm an ihrem Handy stellen.
  6. Wählen Sie sich für den nachmittäglichen Energieschlaf einen ruhigen Ort und eine möglichst angenehme Körperhaltung. Bewährt hat sich: Arme auf dem Schreibtisch verschränken, Kopf seitlich darauf legen. Bequemer ist freilich ein Bürostuhl an dem Sie die Lehne zurücklegen können.
  7. Und falls Sie in Ihrem Büro keine Ruhe finden oder nicht beim Dösen erwischt werden wollen, ziehen Sie sich diskret auf die Toilette zurück. Zur Tarnung können Sie sich auch eine Zeitung unter den Arm klemmen, und es wird garantiert keiner fragen, wenn Sie länger wegbleiben.
  8. Versuchen Sie nicht nach einem Plan zu schlafen, sondern dann, wenn Sie sich schlapp fühlen. Achten Sie auf die Signale ihres Körpers: Ihre Lider werden schwer, die Gedanken schweifen ab und wenn Sie jetzt noch konzentriert weitermachen wollen, müssen Sie sich gewaltig am Riemen reißen. Sinnvoller aber wäre das biologische Tief einfach kurz zu verschlafen.