12 Stufen Modell: Auf dem besten Weg zum Burnout

Ein Burnout kommt nicht aus heiterem Himmel. Er hat meist eine lange Vorlaufzeit. Das Gute daran ist: Sie sehen ihn kommen – und können ihn rechtzeitig zurückweisen. Aber dafür müssen Sie erst einmal die Zeichen an der Wand richtig deuten. Das sind die 12 Stufen zum Burnout

12 Stufen Modell: Auf dem besten Weg zum Burnout

12-Stufen-Modell: Ist Burnout ansteckend?

Dass Stress ansteckend ist, haben Forscher des Max-Planck-Instituts vor wenigen Jahren bereits gezeigt. Demnach steigt der Kortisolspiegel im Körper schon dann, wenn wir Zeuge einer stressigen Situation in unserer Umgebung werden.

In größerem Maßstab gilt das vielleicht sogar für das Burnout-Syndrom. So scheint der Burnout speziell unter jungen Lehrern wie ein Virus vom einen auf den anderen überzugehen. Darauf deutet eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Michigan State University hin.

„Wenn Sie von Menschen umgeben sind, die niedergeschlagen sind oder unter einem Burnout leiden, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er auf Sie überspringt, selbst wenn Sie keinen direkten Kontakt zu diesen Leuten haben“, sagt Kenneth Frank von der Michigan State.

Die Kultur einer Organisation oder eines Unternehmens hat demnach einen großen Einfluss darauf, ob jemand ausbrennt oder nicht. Junge Lehrer seien besonders gefährdet, weil sie den Erwartungen von Vorgesetzten, Kollegen und Schülern gerecht werden wollen, ein belastendes Arbeitspensum, aber (zu) wenige Ressourcen haben.

Das dürfte indes auch auf andere Berufsgruppen zutreffen. Daran erkennen Sie, ob sich der Burnout langsam an Sie heranschleicht…

12 Stufen zum Burnout: Das sind sie

Das Konzept geht auf die Psychologen Herbert Freudenberger und Gail North zurück. Sie machten 1992 zwölf Phasen aus, die man im Verlauf des Burnout-Syndroms durchlaufe. Das sind sie:

  1. Sich beweisen müssen

    Es fängt meist vielversprechend an. Mit dem Feuer, das angeblich in jedem brennen müsse, der beruflich etwas erreichen will. „Du musst brennen!“, heißt das dann gerne. Tatsächlich kann dieses Feuer den Weg in eine große Karriere leuchten, aber sich auch als Irrlicht entpuppen.

    Begeisterungsfähigkeit führt nämlich auch zu erhöhten – manchmal überhöhten – Erwartungen an sich selbst. Eigene Limitationen werden dann mitunter ignoriert, eigene Bedürfnise zurückgestellt.

    Stufe Nummer eins auf dem Weg zum Burnout: Der Zwang, sich beweisen zu müssen.

  2. Hart arbeiten

    Nur wer ständig hinzulernt und neue Aufgaben als Herausforderungen anerkennt, kommt weiter. Harte Arbeit zahlt sich aus. Ja, aber…

    In der Realität führt knüppelharter Einsatz oft zu einer freiwilligen Erhöhung des Arbeitspensums und zu (unbezahlten) Überstunden, auch an Wochenenden, Feiertagen, sogar im Urlaub. Und zu einem Gefühl, ganz und gar unentbehrlich zu sein.

  3. Bedürfnisse zurückstellen

    Die eigenen Bedürfnisse geraten zunehmend in den Hintergrund. Auszeiten oder Hobbys werden zum Zeitfaktor – und immer häufiger ausgeblendet. Man muss schließlich im Job hundertprozentig zur Stelle sein.

    Der Kaffeekonsum steigt, die Zigarette ist stets griffbereit, vielleicht sogar Aufputschmittel. Gelegentlich treten Schlafstörungen auf.

  4. Konflikte verdrängen

    Das hohe Pensum fordert seinen Tribut. Sie vergessen Termine, halten Zusagen nicht ein, brechen Versprechen und Abmachungen.

    Ihre Genauigkeit leidet, Sie haben keine Energie mehr, fühlen sich schwächlich. Hobbys werden jetzt komplett aufgegeben.

  5. Werte umdeuten

    Das soziale Umfeld bröckelt. Sie kapseln sich ab, meiden Kontakt mit Freunden und Bekannten, die Sie als belastend empfinden. Auch zuhause werden Probleme sichtbar, in der Partnerschaft kommt es zum Beziehungs-Burnout.

    Sie stumpfen zusehends ab und haben Aufmerksamkeitsstörungen.

  6. Probleme verleugnen

    Sie fühlen sich nicht wertgeschätzt, nicht anerkannt. Das hat Desillusionierung zur Folge. Ihr innerer Widerstand, täglich den Weg zur Arbeit zu gehen, wächst.

    Die Einstellung zur Arbeit wird immer negativer, die innere Kündigung ist schon ausgesprochen. Fortan fehlen Sie häufiger, verspäten sich vormittags und gehen nachmittags überpünktlich oder sogar vorzeitig in den Feierabend.

  7. Zurückziehen

    Ein Gefühl der Ohnmacht breitet sich aus. Orientierungs-, Hoffnungslosigkeit, innere Leere. Ihre Leistungsfähigkeit lässt spürbar nach. Sie arbeiten ungenau, sind desorientiert, treffen schlechte Entscheidungen – oder sind unfähig, überhaupt noch welche zu treffen.

    Ersatzbefriedigungen treten auf den Plan: Essen, Trinken (Alkohol), Spielen, Drogen, Sex… Ihr Körper reagiert: Das Gewicht verändert sich auffällig, der Blutdruck steigt, Ihr Herz fängt an zu rasen.

  8. Verhalten ändern

    Verhaltensänderungen treten deutlich sichtbar zu Tage. Sie verfallen in Selbstmitleid, reagieren gereizt auf gute Ratschläge. Im Büro machen Sie nur noch Dienst nach Vorschrift, privat ziehen Sie sich immer mehr zurück.

    Ein Gefühl der Gleichgültigkeit und Sinnlosigkeit macht sich breit. Für andere Menschen zeigen Sie keine Anteilnahme mehr, wenngleich sich die Bindung zu Einzelnen ins Exzessive steigern kann.

  9. Gefühl für die eigene Persönlichkeit verlieren

    Sie funktionieren wie ein Automat, entfremden sich von sich selbst. Im Inneren: Leere! Psychosomatische Reaktionen treten jetzt noch mehr in den Vordergrund.

  10. Innere Leere spüren

    Sie haben Phobien und Panikattacken. Auch sonst wechseln Ihre Emotionen von einem (negativen) Extrem ins andere.

    Ihre Einstellung zum Leben wird immer negativer. Unter Umständen versuchen Sie, Ihre Defizite ersatzweise zu befriedigen: durch Shopping-Touren oder Fressattacken zum Beispiel…

  11. Depressiv und erschöpft sein

    Ihr innerer Zustand wechselt in die Kategorie hoffnungslos. Sie sind erschöpft, wollen einfach nur noch schlafen – am liebsten den ganzen Tag.

    Ihre Verzweiflung ist existenzieller Natur. Möglicherweise kommen sogar Suizidgedanken oder -pläne zum Vorschein.

  12. Völlige Burnout-Erschöpfung haben

    Eine totale Erschöpfung – geistig, körperlich, emotional. Ihr Immunsystem ist schon in Mitleidenschaft gezogen worden, Sie sind häufiger krank.

    Im schlimmsten Fall ist dieser Zustand lebensgefährlich – nicht zuletzt durch starke Suizidgedanken, die auftreten können.

So vermeiden Sie einen Burnout

Burnout erkennen, Burnout bannen – das ist gar nicht immer so einfach. Mit diesen Maßnahmen kann es gelingen:

Piloten: Gute Arbeit trotz Burnouts

Piloten: Gute Arbeit trotz Burnouts!Burnout ist nicht gleichbedeutend mit Versagen. Ein gutes Beispiel dafür liefert uns die Technische Universität Eindhoven. Bei ihrer Studie wiesen 20 Prozent der untersuchten britischen Flugzeug-Piloten Werte auf, die mit Burnout-Patienten vergleichbar waren.

Gleichzeitig erfüllte aber nur ein einziger von 1147 Probanden die Leistungsstandards beim Flugsimulator-Training NICHT. Die eine Hälfte der Piloten bewältigte ihre letzte Prüfung „normgerecht“, die andere Hälfte sogar „überdurchschnittlich“. Alles halb so wild also?

Nicht ganz. Die Piloten mit Burnout-Symptomen gaben sich weniger Mühe, zeigten keinerlei Motivation, ihre Leistung zu verbessern.

Ohnehin scheinen speziell Piloten zur Hochrisikogruppe zu zählen. Die TU Eindhoven nennt eine Quote von 40 Prozent. So viele Piloten hätten „sehr hohe Burnout-Werte“ – eine verblüffende große Zahl.

Auch mögliche Gründe nennen die Niederländer: So arbeiten Piloten in Schichten über verschiedene Zeitzonen hinweg. Das führt zu Jetlag. Sie verbringen viel Zeit in kleinen, engen Räumen mit geringer Luftfeuchtigkeit und viel Lärm. Dabei tragen sie gleichzeitig eine enorm hohe Verantwortung.

Und sie sind nur selten zuhause, was familiäre Konflikte begünstige. Ein Stressfaktor! Zu guter Letzt nehme auch der Wettbewerb zwischen den Airlines zu. Das wiederum löst bei vielen den Zwang aus, sich beweisen zu müssen. Und genau das ist, wie wir jetzt wissen, die erste von zwölf Stufen auf dem Weg zum Burnout…

[Bildnachweis: HBRH by Shutterstock.com]
26. Mai 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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