Wo gearbeitet wird, da gibt es Streit. Ob als Diskussion oder als Druckausgleich – gefährlich wird es erst dann, wenn die eigene Unzufriedenheit zur Wut hoch kocht und sich eine sachbezogene Lösung nicht mehr finden lässt. Nicht selten kommt es dann zu schlimmen Entgleisungen, die das persönliche Image und die weitere Zusammenarbeit auf Dauer beschädigen. Schweigen, Schlucken und Verdrängen sind bei schwelenden Konflikten zwar ebenso falsch wie mangelnde Selbstkontrolle. Doch Diskutieren ist jetzt auch keine Geheimwissenschaft, es lässt sich genauso leicht lernen wie das Bedienen eines Farbkopierers. Sie brauchen am Anfang sogar nicht viel mehr dazu als drei einfache Sätze...

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Du hast Recht.

Viele Menschen wollen eigentlich gar nicht diskutieren, sondern Recht bekommen. Sie sind gar nicht daran interessiert, ihre Meinung hinterfragen oder sich gar umstimmen zu lassen. Es geht nur darum, die eigene Sicht mitzuteilen und den Standpunkt bestätigt zu sehen.

Mit diesen Menschen kann man nicht wirklich diskutieren, muss man auch nicht. Aber die drei Worte "Du hast Recht" nehmen ihnen allen Wind aus den Segeln. Nichts anderes wollten sie hören, aber - und das ist der Clou - manche sind jetzt bereit, noch eine Weile länger zuzuhören.

Je schneller man zu diesem Punkt kommt, desto weniger Nerven und Konflikte muss man auf dem Weg dorthin lassen beziehungsweise auskämpfen.

Außerdem bringt es einen näher zu Schritt 2...

Ich verstehe genau, wie du dich fühlst und warum du das so siehst.

Natürlich kann der Satz "Du hast Recht" leicht ironisch klingen, Motto: Du hast Recht und ich meine Ruhe. Den notorischen Rechthaber stachelt das eher noch an. Es ist, als würde man einem Wüterich sagen: "Entspann dich mal wieder!" Das hat noch nie funktioniert.

Wichtig ist daher, Empathie zu beweisen und zugleich die eineindeutig Aussage zu bekräftigen. "Ich verstehe genau, wie du dich fühlst" holt Ihr Gegenüber nicht nur auf der sachlichen, sondern eben auch auf der emotionalen Ebene ab. Denn mal ehrlich: In 99 Prozent aller Diskussionen haben tatsächlich beide Seiten Recht - nur eben jeweils aus ihrer persönlichen Perspektive.

Dem anderen zu signalisieren: Ich sehe das mit deinen Augen - und in dem Fall hast du Recht (und das im Übrigen nicht nur zu sagen, sondern auch wirklich zu versuchen!), beweist zugleich Respekt ohne den eigenen Standpunkt zu verraten.

Die Perspektive macht den Unterschied

Noch besser ist, den anderen Standpunkt mit eigenen Worten wiederzugeben (Nicht diesen einnehmen, nur referieren!). Das bewirkt dreierlei:

  • Komplizierte Zusammenhänge werden klarer
  • Sie sind sicher, dass Sie den anderen verstanden haben.
  • Der andere fühlt sich verstanden und ernst genommen.

Letzteres ist entscheidend und öffnet Herz und Ohren für Schritt 3...

Eine andere Möglichkeit die Sache zu sehen, wäre...

Entscheidend hieran ist, dass Sie hierfür unbedingt eine neutrale Formulierung wählen. Nicht "Ich sehe es aber anders..." Das baut nur wieder eine Front auf und betont Gegensätze. So aber bringen Sie Ihr Gegenüber sanft dazu, ebenfalls einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Und womöglich erkennt er oder sie dabei, dass auch Sie Recht haben - so gesehen. Und das ist der Moment, in dem Sie die Diskussion gewinnen - nicht im Sinne von Ich hab also doch Recht und du nicht, ätsch!, sondern indem Sie den Grundstein für gegenseitiges Verständnis, einen Kompromiss oder vielleicht sogar eine Einigung gelegt haben. Und das ist dann sogar Win-Win.

90 Prozent der Auseinandersetzungen konzentrieren sich ohnehin auf die Vergangenheit. Dabei verrennt man sich unweigerlich in Details. Konstruktiver ist, den Blick in die Zukunft zu richten: Wo führen die jeweiligen Perspektiven hin?

Klar, gibt es auch jene, die dazu partout nicht bereit sind. Da hilft dann nichts mehr - außer abbrechen... Mit Beton kann man nicht streiten.

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[Bildnachweis: Nuamfolio by Shutterstock.com]

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