6 Stunden Tag: Gute Idee oder Utopie?

Für Arbeitnehmer klingt es wie eine Traumvorstellung: Der 6 Stunden Tag hält genau das, was sein Name verspricht. Statt den täglichen acht Stunden am Arbeitsplatz kommt der Feierabend bereits nach sechs Stunden – und das bei gleicher Bezahlung. Es gibt wohl keinen Mitarbeiter, der nicht sofort einen solchen Arbeitsvertrag unterschreiben würde. Wie jedoch zu erwarten stehen Arbeitgeber dieser Idee kritisch gegenüber und befürchten, dass die Arbeit unter der fehlenden Zeit leiden würde. Projekte könnten auf der Strecke bleiben, der Umsatz würde schrumpfen und die kürzeren Arbeitstage würden für Unternehmen ein großes Risiko bedeuten. Ist der 6 Stunden Tag wirklich eine gute Idee oder nur eine Utopie, von der Mitarbeiter sich einen kürzeren Arbeitstag erhoffen? Ein Experiment aus Schweden zeigt, dass die Vorteile bestand haben – und viele der Sorgen unbegründet sind…

6 Stunden Tag: Gute Idee oder Utopie?

6 Stunden Tag: Ein Traum für Arbeitnehmer

Überstunden, Stress, eine zu hohe Arbeitsbelastung, fehlender Ausgleich. Viele Arbeitnehmer klagen im Job über ähnliche Probleme. Gerade in den Hochphasen, wenn ein großes Projekt abgeschlossen werden muss, ein Kunde Ergebnisse erwartet oder eine große Nachfrage besteht, bleibt neben der Arbeit eigentlich keine Zeit mehr für etwas anderes. Man schuftet – und die wenige Zeit, die einem zur freien Verfügung steht, ist man zu erschöpft, um etwas anderes zu machen.

Der 6 Stunden Tag verspricht die Lösung all dieser Probleme. Die Überarbeitung lässt nach, dafür bleibt mehr Zeit für Familie, Hobbys, Freizeit und Erholung. Zusätzlich kann die verkürzte Arbeitszeit bei gleichbleibender Bezahlung die Zufriedenheit und Motivation steigern. Weniger Arbeit für das gleiche Geld. Kein Wunder, dass Mitarbeiter sich dabei wohler in ihrem Beruf fühlen und bereit sind, sich voll rein zu hängen. Nicht zuletzt kann durch die Arbeitszeit auch ein völlig neuer Anreiz gesetzt werden, der Berufsbilder für Bewerber und Jobsuchende interessant machen kann.

Wie genau diese positiven Effekte aussehen können, zeigte ein Experiment in Schweden. In Göteborg wurde der 6 Stunden Tag an einigen Einrichtungen testweise eingeführt. So wurde beispielsweise die Belegschaft eines Seniorenheims auf die 30 Stunden Woche bei gleicher Bezahlung umgestellt – wodurch die Pfleger mehr als 11 Stunden weniger pro Woche arbeiten, als der durchschnittliche deutsche Vollzeitbeschäftigte.

Das Ergebnis: Das Seniorenheim verfiel nicht ins Chaos, Pflegebedürftige wurden nicht vernachlässigt. Stattdessen gibt es rundum positive Erfahrungsberichte. Die Mitarbeiter berichten über mehr Energie und Motivation, weniger Stress oder Erschöpfung. Die Mitarbeiter arbeiteten effizienter und wurden sogar seltener krank, wodurch die Fehltage reduziert werden konnten. Kurz gesagt: Der 6 Stunden Tag macht Mitarbeiter glücklicher – und das zeigt sich sowohl in der Einstellung zur Arbeit, in den Leistungen und dem gesamten Wohlbefinden der Betroffenen.

6 Stunden Tag: Die Sicht der Unternehmen

Trotz der vielen Vorteile darf nicht unbeachtet bleiben, dass der 6 Stunden Tag durchaus mit Kosten und Hindernissen verbunden ist. Damit der Ablauf am Arbeitsplatz wirklich weiterhin so reibungslos verlaufen konnte, musste das Seniorenheim beispielsweise neue Mitarbeiter einstellen – und damit verbunden sind immer zusätzliche Kosten, sowohl für den Bewerbungsprozess als auch für die folgenden Gehaltszahlungen.

Diese müssten die Arbeitgeber zusätzlich aufbringen, wodurch – aus Unternehmersicht – die Frage aufkommt, ob die zusätzlichen Kosten durch höhere Arbeitsqualität und Mitarbeiterzufriedenheit gerechtfertigt sind. Dies könnte jedoch durchaus der Fall sein, denn das längere Arbeitszeit nicht automatisch bessere Leistungen bedeutet, wurde bereits in Studien nachgewiesen.

Für die Mitarbeiter wäre es in jedem Fall ein großer Schritt, wenn mehr Unternehmen dem schwedischen Beispiel folgen würden – trotzdem ist leider nicht zu erwarten, dass in naher Zukunft eine einheitliche Regelung in diese Richtung getroffen wird.

Und was denken Sie? Ist der 6 Stunden Tag eine sinnvolle Idee, über deren Umsetzung man genauer nachdenken sollte oder bleibt es Träumerei? Wir freuen uns auf Ihre Antworten und Anregungen in den Kommentaren!

[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]
25. Mai 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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