Marathon-Monologe sind nicht mehr zeitgemäß, erst recht nicht in einer hypervernetzten Welt, in der eine Ablenkung nur einen Touchscreen-Wisch entfernt ist. Wie lange sollte vor diesem Hintergrund meine Business-Präsentation sein? Eine fixe Antwort gibt es nicht, aber durchaus den einen oder anderen interessanten Ansatz. Wir haben einen für Sie ausgegraben: Die 7-Minuten-Präsentation. So funktioniert sie...

Sieben Minuten: Reicht!

Es gibt ja den bekannten Elevator Pitch. Innerhalb von 60 Sekunden müssen Sie Ihren Gesprächspartner für Ihre Geschäftsidee begeistern - also im Zeitraum einer kurzen Fahrt mit dem Fahrstuhl. Für eine ganze Business-Präsentation ist das zu wenig. Wie lange aber sollte sie im besten Falll dauern? Eine Viertelstunde, eine halbe, 45 Minuten?

Silicon-Valley-Ikone Guy Kawasaki zum Beispiel glaubt, ein Powerpoint-Vortrag solle nicht länger als 20 Minuten dauern. In den TED-Talks sind 18 Minuten die Obergrenze. Hirnforscher John Medina von der Seattle Pacific University will gar herausgefunden haben, dass die Aufmerksamkeit beim Zuhörer schon nach zehn Minuten automatisch sinkt.

Darf es also vielleicht noch ein bisschen kürzer sein? Gerne, sagt US-Schreiber John Brandon, der sich die 7-Minuten-Regel ausgedacht und damit angeblich sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Sieben Minuten für eine Präsentation, nicht länger, so Brandons These - damit ist Ihnen die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewiss. Vorausgesetzt, Sie haben Ihre 7-Minuten-Terrine auch gut zubereitet.

Laut Brandon lässt sich die 7-Minuten-Regel zum Beispiel anwenden bei:

  • Business-Präsentationen
  • Chats mit einem Investor
  • Vorstandssitzungen
  • Teammeetings
  • (und sogar bei) Reden auf einer Konferenz

Wir haben uns das (sehr amerikanische) Prinzip der 7-Minuten-Präsentation einmal näher angeschaut und finden, dass sie durchaus einen Testlauf wert ist. Wenn Sie wollen und eine gute Gelegenheit haben, dann probieren Sie es einfach mal aus. Und zwar am besten so ...

Die 7-Minuten-Präsentation: So geht’s

  1. Schritt 1: Timer stellen

    Je kürzer, desto schwieriger - das gilt fürs Verfassen von Hausarbeiten, Texten allgemein und eben auch für Präsentationen. Mehr Inhalt muss schließlich in weniger Verpackung gepresst werden. Deshalb ist Planung für die 7-Minuten-Präsentation elementar. Vorher müssen Sie genauestens kalkulieren: Was passt in meine erste Minute? Was in meine zweite? Diese Werkzeuge sind unersetzlich: eine Stoppuhr beziehungsweise der Timer Ihres Handys. In den Probeläufen also die Zeit stoppen und die sieben Minuten auch zur Gänze ausfüllen. Das bedeutet letztlich: Die Vorbereitung einer 7-Minuten-Präsentation kann Stunden dauern.

  2. Schritt 2: Mit einem Knall starten

    Rat des Experten: Starten Sie in den ersten 60 Sekunden mit einem großen Knallbonbon, das Ihnen die Aufmerksamkeit des Publikums sichert. Dabei kann es sich um eine Animation oder einen Video-Clip handeln. Der Einstieg sollte einen Bezug zum Thema haben, aber nicht die Quintessenz vorwegnehmen. Die erste Minute: Sie ist dazu da, die Stimmung aufzulockern und die Meute an das Thema heranzuführen.

  3. Schritt 3: Auf den Punkt kommen

    Nach dem Big Bang zu Beginn sind nun alle Augen auf Sie gerichtet. Weitere Gags, Kalauer oder Anekdoten können Sie sich deshalb vorerst sparen. Die zweiten 60 Sekunden werden nun mit Substanz gefüllt. Worum geht es? Was verkaufen Sie? Beschreiben und erklären Sie Ihre Idee, überzeugen und begeistern Sie - in nicht mehr als 60 Sekunden.

  4. Schritt 4: Fleisch liefern

    Laut Theorie sind nun zwei Voraussetzungen erfüllt: In der ersten Minute haben Sie die Aufmerksamkeit der Zuhörer geweckt, in der zweiten Minute Ihre Kernaussage vermittelt. Nun folgen die Minuten drei bis sechs: Diese Zeitspanne brauchen sie, um Ihre Idee zu unterfüttern, sie auszuführen. Dabei dürfen Sie ruhig auch improvisieren und experimentieren. Zitate oder Zahlen, Statistiken oder Frotzeleien - alles ist möglich, alle Stilmittel denkbar, mit denen Sie Ihre Idee untermauern. Aber: Nutzen Sie die vier Minuten weise.

  5. Schritt 5: Alles rekapitulieren

    Die letzte Minute: Jetzt folgt das Debriefing, die Zusammenfassung. Jetzt ist es an der Zeit, den Deal zu besiegeln, nachdem sie die Zuhörer zuvor heiß gemacht, informiert und überzeugt haben. Was Sie in den letzten 60 Sekunden nicht tun sollten: Eine lustige Anekdote als Rausschmeißer verwenden. Besser: Den Leuten eine fixe Idee mit auf den Heimweg geben, die Sie gedanklich ans Thema fesselt und über die sie lang und breit nachdenken können.

[Bildnachweis: Matej Kastelic by Shutterstock]

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