Neues Karrierebibel-Logo: Der 99designs Test

Viel wurde schon über den Designmarktplatz 99designs geschrieben, meist kontrovers. Wobei die Grenzlinien in der Regel so verlaufen: Einige Designer hassen den Marktplatz, kritisieren die internationale Konkurrenz, die in ihren Augen zu niedrigen Preise und das unfaire Wettbewerbs-Procedere, weil am Ende nur einer den Zuschlag erhält. Die Nachfrager wiederum loben die Transparenz, die zahlreichen Auswahloptionen und die erschwinglichen Preise, die es vor allem Start-ups und Kleinstbetrieben ermöglichen, an gute Grafikdesigns zu kommen. Einen Konsens wird es da wohl nie geben. Trotzdem gibt es den Marktplatz – mit Designer, die dort Dienstleistungen anbieten, und entsprechender Nachfrage…

Neues Karrierebibel-Logo: Der 99designs Test

Probe aufs Exempel

Karrierebibel-Logo-ALTWir wollten uns dazu eine eigene Meinung bilden – mit eigenen Erfahrungen. Also haben wir dort kürzlich selbst einen Design-Wettbewerb initiiert, mit dem Ziel ein neues Karrierebibel-Logo zu finden.

Inzwischen ist dieser Wettbewerb abgeschlossen. Insgesamt haben sich daran 61 Designer aus aller Welt beteiligt und dabei 265 Entwürfe eingesandt.

Das hört sich allerdings nach mehr an, als es ist. Tatsächlich lassen sich die eingereichten Designs im laufenden Prozess mit Sternchen bewerten und kommentieren und so dem Designer Feedback geben, ob die Richtung stimmt. Manche Anbieter steigen danach aus, andere verfeinern ihre Konzepte, ändern zum Beispiel nur die Schrifttype, ergänzen Details und laden das Ergebnis wieder hoch. Das zählt dann bereits als neuer Entwurf.

Insofern gab es zwar 265 eingereichte Entwürfe, aber eben nicht 265 komplett verschiedene eher so um die 50 Varianten.

Nach rund sieben Tagen sollten wir dann fünf Finalisten in die Schlussrunde wählen. Diese konnten ihre Logos noch einmal verfeinern und sich mit uns abstimmen. Nach weiteren drei Tagen war auch diese Schlussphase abgeschlossen. Und wir hatten 14 Tage Zeit, den oder die Gewinner(in) zu wählen.

Ein Fazit lässt sich schon jetzt ziehen:

Obwohl die meist internationalen Designer unsere Seite weder kannten noch vermutlich die Artikel lesen können, waren sie aufgrund der Beschreibung in der Lage, in weiten Teilen das Thema und die Markenbotschaften zu erfassen und umzusetzen. Natürlich gab es einige Entwürfe, die so gar nicht passten. Aber es blieben immer noch genug übrig, die uns – um es salopp zu sagen – sehr gut gefallen haben. Das finde ich schon recht bemerkenswert. Vor allem können wir damit einen häufigen Vorwurf so gar nicht bestätigen: den, man bekäme dort für kleines Geld nur Schrott.

Sicher, über Geschmack lässt sich episch streiten. Aber letztlich muss das Design ja dem potenziellen Auftraggeber gefallen. Und uns gefiel eben Vieles gut (leider dürfen wir nicht alles davon zeigen). Hier ein paar Beispiele von den Entwürfen, die wir mit Zustimmung der Designer zeigen dürfen…

Eine Auswahl der eingereichten Designs

Designer: Arial Nero (Profil)

99designs-Arial Nero2

99designs-Arial Nero1

Designer: EnERGIe (Profil)

99designs-Ergib2

99designs-Ergib3

99designs-Ergib1

Designer: MrFdesign (Profil)

99designs-Amilia Paramita Sari3

99designs-Amilia Paramita Sari1

99designs-Amilia Paramita Sar2

99designs-Amilia Paramita Sari6

Eine Qual der Wahl. Am Ende mussten wir uns aber für ein Logo entscheiden. Genau das ist einer der Hauptkritikpunkte an 99designs: Der Gewinner kriegt das Preisgeld (in dem Fall 229 Euro), alle anderen gehen leer aus, obwohl sie sich ja auch (viel) Arbeit gemacht haben. Dass das manchen frustriert, kann ich absolut nachvollziehen.

Andererseits, das muss man halt auch erwähnen, trifft es keinen der Teilnehmer überraschend: Die Bedingungen des Wettbewerbs stehen vorher fest, keiner wird gezwungen mitzumachen. Wer sich dennoch darauf einlässt, sieht für sich offenbar mehr Chancen als Risiken. Auch wenn am Ende nur eine(r) gewinnen kann.

Und so war es dann eben auch bei diesem Wettbewerb: Nach einigen Abstimmungsrunden mit Freunden und Bekannten haben wir uns schließlich entschieden, was echt schwer war. Und gewonnen hat dieses Logo:

99designs-Arial Nero2

Der Mehrheit hat es aufgrund seiner Schlichtheit gefallen: kein Schnickschnack, sondern gleich zum Punkt. Wie unsere Inhalte. Der Gedanke des Karriere-Magazins spiegelt sich im Logo ebenso wie der Businessbezug durch die angedeutete Krawatte. An der Schrift werden wir sicher noch arbeiten – und ob wir es am Ende wirklich verwenden, weiß ich noch nicht. Das hängt letztlich vom Relaunch ab. Aber zumindest der Marktplatz-Test war damit sehr aufschlussreich.

Interview mit dem Sieger

Um der Aktion noch mehr Transparenz zu geben (und weil sich das einige Leser gewünscht haben), haben wir mit dem Sieger noch ein kurzes Interview geführt – über dessen Motivation bei 99designs überhaupt mitzumachen, was dessen Erfahrungen dort sind und was die Gedanken zum neuen Karrierebibel-Logo waren…

Asfarul, alias „Arial Nero“, kommt aus Indonesien und ist auch im Hauptberuf Designer und hat bisher sechs dieser Wettbewerbe auf 99designs gewonnen. Sein Englisch ist nicht das Beste wie er sagt, daher sind seine Antworten nur knapp ausgefallen. Aber Sie geben einen Einblick in seine Motivation und Erfahrungen:

Hallo Asfarul, warum engagierst du dich auf 99designs?

Letztlich natürlich, um Geld zu verdienen. Ich kann dort aber auch meine Fertigkeiten kontinuierlich verbessern. Ich habe bei diesen Wettbewerben schon so viel von anderen Kollegen gelernt. Das finde ich sehr inspirierend und bringt mich weiter.

Was hat dich an der Aufgabe gereizt, das Karrierebibel-Logo zu entwerfen?

Ich wollte der Marke, vor allem aber den einzelnen Worten – Karriere und Bibel – eine Entsprechung geben. Und natürlich fand ich die Möglichkeit reizvoll, für ein großes deutsches Blog zu arbeiten und so mehr internationale Sichtbarkeit zu bekommen. Letztlich bin ich nur ein einfacher Designer aus Indonesien, der mehr lernen, seine Fähigkeiten verbessern und natürlich auch einen Markt für sich finden will.

Welche Wettbewerbe hast du schon gewonnen?

Hauptsächlich Logo-Designs und Visitenkarten-Entwürfe.

Und wie oft hast du schon bei diesen Wettbewerben mitgemacht und verloren?

Schon einige Male. 26mal habe ich es sogar bis ins Finale geschafft. Das ist dann schon ein Problem und frustrierend, wenn man so weit kommt und dann doch nicht gewinnt. Aber ich habe daraus jedes Mal etwas gelernt: Welche Designs kommen besser an? Worauf legen die Initiatoren wert? Wie kann ich mein Angebot optimieren, um am Ende den Zuschlag zu erhalten? Das hilft mir auch bei anderen Jobs – außerhalb von 99designs.

Was würdest du anderen Designern empfehlen, die sich auf dem Marktplatz engagieren wollen?

Unbedingt ganz eigene, originelle Designs einzureichen. Je genereller diese sind, desto geringer die Chancen auf den Sieg. Es muss schon eine pfiffige Idee sein, die den Initiator verblüfft. Und natürlich sollte man aus seinen Fehlern lernen. Die Feedback-Funktion ist dazu ideal. Also unbedingt nach Feedback fragen.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de, 99designs]
4. März 2014 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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