Was sind Null-Bock-Tage?
Null-Bock-Tage beschreibt ein Arbeitsmodell, bei dem sich Mitarbeiter ohne Krankmeldung oder Urlaub einen Tag freinehmen dürfen, wenn sie sich unmotiviert oder aus anderen Gründen nicht fit genug für die Arbeit fühlen.
An einem solchen Null-Bock-Tag können sich Arbeitnehmer vom Stress erholen, Kraft tanken und anschließend mit neuer Motivation an den Arbeitsplatz zurückkehren. Wichtig sind vier zentrale Merkmale:
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Keine Krankmeldung oder Urlaubsantrag
Sie nehmen eine Auszeit ohne formelle Krankmeldung oder einen Urlaubstag.
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Kein Verdienstausfall
Sie befinden sich nicht im unbezahlten Urlaub, sondern erhalten für den Tag die normale Bezahlung.
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Keine Vorgaben
Sie entscheiden selbst, wann Sie den freien Tag brauchen und nehmen. Der Arbeitgeber bestimmt nicht darüber.
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Keine negativen Konsequenzen
Sie werden nicht benachteiligt, wenn Sie das Angebot nutzen. Es gibt keine Konsequenzen im Joballtag, bei Beförderungen oder Gehaltserhöhungen.
Null-Bock-Tage einfach erklärt
Ein Null-Bock-Tag ist ein freier Tag, für den Sie keinen Urlaub nehmen oder sich krankmelden müssen. Das ist möglich bei Lustlosigkeit, aber auch aus anderen persönlichen Gründen.
Synonyme und ähnliche Konzepte
Null-Bock-Tage ist ein plakativer, aber auch salopper und fast schon provokanter Begriff. Teilweise werden deshalb Synonyme wie Reset Day, Recharge Day, Auszeit-Tag, Entlastungstag, Ich-Tag oder Mental Health Day genutzt.
Ziele von Null-Bock-Tagen
Eine verbreitete falsche Annahme: Null-Bock-Tage dienen ausschließlich der Faulheit von Mitarbeitern. Tatsächlich gibt es viele gute Gründe, warum Unternehmen solche Auszeiten für Arbeitnehmer anbieten.
Arbeitgeber erkennen zunehmend den Wert solcher Tage. Zu den wichtigsten Zielen der Null-Bock-Tage gehören:
- Vorbeugung von Burnout und Erschöpfung
- Förderung der mentalen Gesundheit
- Signalisierung einer vertrauensvollen Unternehmenskultur
- Flexibilität im Umgang mit Arbeitslast
- Steigerung der langfristigen Motivation
- Anstieg der Produktivität
- Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität
- Reduktion von Fehlzeiten
- Senkung der Fluktuationsrate
Unabhängig vom Namen: Null-Bock-Tage, Mental Health Days oder andere Formen der kurzfristigen Auszeit sind Teil einer breit angelegten Strategie für bessere Work-Life-Balance und unterstützen das Employee Wellbeing – das soziale, psychische und physische Wohlergehen der Mitarbeiter im Job.
Habe ich Anspruch auf Null-Bock-Tage?
Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Null-Bock-Tage in Deutschland. Es ist keine rechtlich vorgesehene oder vorgeschriebene Form der Freistellung im Job. Ob Mitarbeiter die Möglichkeit nutzen können, entscheidet allein der Arbeitgeber – Sie haben keinen Rechtsanspruch.
Das Arbeitsrecht kennt nur klar geregelte Formen von bezahlter und unbezahlter Freistellung:
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Erholungsurlaub
Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf mindestens 20 Tage Urlaub im Jahr (bei einer 5-Tage-Woche). Dieser dient der Erholung und muss vorher vom Unternehmen genehmigt werden. Sie dürfen sich nicht selbst beurlauben.
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Krankentage
Bei gesundheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit melden Sie sich krank und müssen nicht arbeiten. Das müssen Sie dem Arbeitgeber sofort mitteilen und spätestens nach 3 Tagen (je nach Arbeitsvertrag auf früher) ein ärztliches Attest vorlegen.
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Sonderurlaub
Für bestimmte Anlässe bekommen Arbeitnehmer in Deutschland Sonderurlaub. Bei einer Hochzeit, der Geburt des eigenen Kindes oder einem Todesfall in der Familie werden Sie für 1-3 Tage freigestellt.
Wie können Null-Bock-Tage vereinbart werden?
Ohne gesetzliche Regelungen können Unternehmen in Arbeitsverträgen, Betriebsvereinbarungen oder andere Vorgaben freiwillig freie Tage ohne Urlaub oder Krankmeldung ermöglichen. Hier einige Beispiele für Optionen:
- Unbegrenzte Urlaubstage (in Start-ups verbreitet)
Es gibt keine feste Zahl Urlaubstage. Jeder nimmt so viel frei, wie er es braucht. - Zusätzliche Tage im Urlaubskontingent
Neben dem regulären Urlaub werden Mental Health Days in das Urlaubskontingent aufgenommen. - Vertrauensarbeitszeit
Bei Vertrauensarbeitszeit gibt es keine festen Zeiten oder Kontrollen. Lediglich die Arbeitsergebnisse müssen stimmen.
Gründe: Wann darf ich Null-Bock-Tage nehmen?
Ohne gesetzlichen Anspruch gibt es auch keine allgemeine Regelung zu den Gründen für solch freie Tage. Wichtig sind hier klare Absprachen und eine offene Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter.
Gibt es Regelungen für zusätzliche Auszeiten, werden die möglichen Gründe meist weit gefasst:
- Erholung von akutem Stress
- Mentale Belastungen
- Emotionale Belastungen
- Betreuung von Kindern
- Regeneration nach intensiven Projekten
- Fehlende Energie
- Persönliche Themen
Die Gründe zeigen auch: Es geht nicht einfach nur um „Kein Bock auf Arbeit“. Im Fokus steht vor allem die mentale Gesundheit und eine Unterstützung durch den Arbeitgeber bei großen Belastungen – unabhängig davon, ob diese durch den Job oder das Privatleben bedingt sind.
Werden Null-Bock-Tage bezahlt?
Grundsätzlich gilt: Gibt es eine offizielle Regelung zu Null-Bock-Tagen in Ihrem Unternehmen, werden diese in der Regel auch bezahlt. Sie bekommen weiterhin Ihr Gehalt und müssen für den Tag nicht arbeiten.
Achten Sie darauf, dass Ihr Arbeitgeber die zusätzliche Beurlaubung mit Bezahlung formal anbietet. Müssen Sie unbezahlten Urlaub beantragen, wird dies entsprechend nicht bezahlt.
Null-Bock-Tage nehmen: Worauf muss ich achten?
Sie fühlen sich nicht gut und Ihr Arbeitgeber bietet die Möglichkeit einer zusätzlichen Auszeit? Dann können Sie das Angebot annehmen. Besonders wichtig dabei: Sie müssen Ihren Arbeitgeber informieren und offiziell ankündigen, dass Sie den Tag zuhause bleiben.
Sonst fehlen Sie bei der Arbeit ohne Entschuldigung – und es drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Eine nachträgliche Erklärung oder rückwirkende Ankündigung für einen Reset Day ist nicht möglich.
In 3 Schritten zum Mental Health Day
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Arbeitgeber informieren
Melden Sie sich am besten vor Arbeitsbeginn beim Chef. Teilen Sie mit, dass Sie einen Tag als persönliche Pause brauchen.
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Formulierung wählen
Meist müssen Sie keinen genauen Grund nennen. Es reichen Formulierungen wie „Ich nehme einen Mental Health Day“ oder „Ich brauche einen Tag Auszeit gegen den Stress“. Je nach Unternehmenskultur können Sie auch transparent die Gründe kommunizieren, zum Beispiel „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil meine Tochter krank ist und kann heute einfach nicht arbeiten.“
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Bestätigung einholen
Ganz auf der sicheren Seite sind Sie mit einer schriftlichen Bestätigung vom Arbeitgeber. Das verhindert Missverständnisse und Sie haben im Zweifel einen Nachweis in der Hand.
Vor- und Nachteile von Null-Bock-Tagen
Auf den ersten Blick hat die Regelung zahlreiche Vorteile, es gibt aber auch Nachteile, die bei Planung und Umsetzung berücksichtigt werden müssen. Wir stellen beide Seiten gegenüber:
Vorteile
- Förderung psychischer Gesundheit
- Vorbeugung von Burnout
- Auszeit nach individuellen Bedürfnissen
- Zeichen einer modernen Unternehmenskultur
- Verbesserung des Betriebsklimas
Nachteile
- Gefahr von Missbrauch
- Planungsaufwand für Teams und Projekte
- Ungleichbehandlung bei fehlenden Regeln
- Umsetzung in manchen Berufen schwierig
Kritisiert wird auch, dass Null-Bock-Tage nur eine Ausweichlösung sind und das echte Problem ignorieren. Mitarbeiter werden kurzfristig für einen Tag freigestellt – es ändert sich aber nichts an der zu hohen Arbeitsbelastung oder anderen Gründen für die mentalen Probleme.
Kein Bock auf Arbeit: Wo ist das möglich?
Das Konzept funktioniert vor allem in modernen Start-ups und kreativen Branchen. In vielen Jobs ist es aber schwer vorstellbar: Ärzte und Pflegepersonal kämpfen ohnehin mit Fachkräftemangel und zu wenig Personal – zusätzliche Auszeiten sind mit dem Schichtplan kaum zu vereinbaren.
Zudem kommt es auf die Größe des Unternehmens an. In Teams mit vielen Mitarbeitern können die Kollegen einen Null-Bock-Tag leichter kompensieren. Bei kleinen Betrieben ist der Ausfall deutlich spürbarer und die Regelung schwieriger umzusetzen.
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