Workaholic: Symptome der Arbeitssucht, Ursachen + Test

Ein Workaholic liebt seine Arbeit. Jedoch mehr als es gesund ist! Rund 10 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind betroffen: Der Job wird zum dominanten Lebensinhalt, das Selbstwertgefühl gerät in psychische Abhängigkeit. Wir zeigen Bedeutung, typische Symptome und Ursachen für Workaholics – und was Sie gegen Arbeitssucht tun können…

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Bedeutung: Was ist ein Workaholic?

Workaholics sind Menschen, die zwanghaft sowie exzessiv arbeiten und eine ungesunde Abhängigkeit zum Beruf haben. Betroffene lösen sich nicht vom Job – weder physisch noch mental. Sie investieren übermäßig viel Zeit und Energie in ihre berufliche Tätigkeit und definieren sich ausschließlich über Arbeit, Leistungen und das so gewonnene Ansehen.

Betroffene vernachlässigen Familie, Freunde, Freizeit und Hobbys. Offiziell ist Workaholismus keine eigenständige Krankheit, hat aber gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit. Workaholics überfordern sich mit Überstunden und machen das Selbstwertgefühl abhängig von der Arbeit.

Erklärung zum Begriff

Der Begriff Workaholic setzt sich zusammen aus den englischen Worten „work“ und „alcoholic“ – im Deutschen wird es deshalb auch als Arbeitssucht bezeichnet. Das Verhalten entsteht eben nicht aus Fleiß, Engagement und Motivation.

Betroffene haben einen unkontrollierbaren Drang zu arbeiten. Sie entwickeln starke Schuldgefühle, wenn sie nicht produktiv sind und Leistungen bringen.

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Workaholic: Symptome und Anzeichen

Das typische Anzeichen eines Workaholics ist, dass er immer arbeitet. Es gibt jedoch weitere Indizien und Anzeichen für eine ausgeprägte Arbeitssucht. Die folgenden Symptome deuten auf Workaholismus hin:

  • Zwanghaftes Arbeiten
    Job und berufliche Aufgaben bestimmen das Denken und Handeln.
  • Lange Arbeitszeiten
    Überstunden, langes Arbeiten nach Feierabend oder am Wochenende sind Normalität.
  • Starker Perfektionismus
    Die Ansprüche an die eigenen Leistungen sind unrealistisch hoch.
  • Steigendes Arbeitspensum
    Betroffene müssen immer noch mehr arbeiten und neue Projekte annehmen.
  • Extremes Pflichtbewusstsein
    Es gibt eine übermäßige Verpflichtung gegenüber Arbeitgeber und eigenen Aufgaben.
  • Selbstgewählte Überlastung
    Workaholics muten sich selbst immer mehr zu, ohne dazu gedrängt zu werden.
  • Keinerlei Freizeit-Ausgleich
    Der Tag besteht nur aus Arbeit und Stress, Erholung und Entspannung sind unmöglich.
  • Häufige Kritik
    Arbeitssüchtige kritisieren Kollegen und deren Arbeitsweise, weil sie zu wenig und zu langsam arbeiten.
  • Großer Kontrollzwang
    Workaholics kontrollieren die Ergebnisse anderer Mitarbeiter, damit diese den eigenen Ansprüchen und Erwartungen genügen.
  • Soziale Isolation
    Aus Zeitmangel treffen Workaholics keine Freunde und bleiben für sich.
  • Gesundheitliche Probleme
    Betroffene leiden unter Schlafmangel, anhaltender Erschöpfung, Bluthochdruck und in ernsten Fällen auch Herz-Kreislauf-Problemen.

Ab wann bin ich ein Workaholic?

Es gibt keine festen Grenzen oder Arbeitszeiten, ab wann Sie als Workaholic gelten. Als Faustregel gilt: Wenn Sie dauerhaft deutlich mehr arbeiten, als Sie laut Arbeitsvertrag müssen, neigen Sie zu exzessiver Arbeit und Workaholismus.

Ärzte beurteilen das Verhaltensmuster nach typischen Suchtkriterien: Wenn Sie Ihre Arbeitsdauer und -last nicht mehr kontrollieren können, regelrechte Entzugserscheinungen außerhalb der Arbeit entwickeln und andere Lebensbereiche beeinträchtigt werden, sind Sie arbeitssüchtig.

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Workaholic: Was sind die Ursachen?

Eine solche Sucht zur Arbeit und übersteigerte Abhängigkeit zum Job entsteht nicht grundlos. Allerdings gibt es viele Ursachen, die einen Menschen zum Workaholic machen können. Hier die häufigsten Ursachen in der Übersicht:

  • Leistungsorientierte Erziehung

    Durch eine leistungsorientierte Erziehung lernen Kinder bereits in jungen Jahren, wie wichtig Erfolge sind. Liebe, Lob und Zuneigung sind stets abhängig von guten Leistungen – ob in der Schule oder beim Sport. Im Endeffekt glauben Betroffene: „Ich bin nur gut, wenn ich etwas erreiche.“

  • Leistungsgesellschaft

    Nicht nur die Erziehung, auch die gesamte Gesellschaft ist auf Wachstum und Leistung ausgerichtet. Hohe Abschlüsse, gut bezahlte Jobs und große Verantwortung im Beruf sind Maßstab für Wertschätzung und auch den Selbstwert vieler Menschen.

  • Work-Life-Blending

    Arbeits- und Privatleben verschmelzen in der modernen Arbeitswelt. Es gibt keinen echten Feierabend, die Arbeit ist immer und überall dabei. Durch dieses Work-Life-Blending arbeiten viele Menschen mehr und länger.

  • Persönlichkeit

    Die Persönlichkeit spielt bei Workaholics eine große Rolle. Sie leiden unter Perfektionismus, sind besonders ehrgeizig und neigen zu einem Kontrollzwang. Auch ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung erhöht das Risiko.

  • Angst

    Angst und Unsicherheit können einen Workaholic formen. Wenn Betroffene fürchten, der eigene Job und damit die Lebensgrundlage könnte in Gefahr sein, stürzen sich viele in noch mehr Arbeit. Sie wollen zeigen, dass sie unersetzbar sind und geben dafür 150 Prozent.

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Test: Bin ich ein Workaholic?

Viele Workaholics erkennen nicht (oder wollen nicht wahrhaben), dass sie ein Problem haben und die Arbeit einen zu hohen Stellenwert im Leben einnimmt. Entsprechend spät reagieren sie oder ändern gar nichts. Machen Sie deshalb den Test: Sind Sie ein Workaholic?

Für eine ehrliche Selbsteinschätzung schauen Sie sich die folgenden Aussagen an. Haken Sie direkt online im Browser an, welche auf Sie zutreffen. Bei mehr als fünf Zustimmungen deutet einiges darauf hin, dass Sie arbeitssüchtig sind:

  • Ich mache regelmäßig Überstunden, oft bis weit nach Feierabend.
  • Für die Arbeit sage ich private Termine und Aufgaben ab.
  • Eine echte Work-Life-Balance gelingt mir nicht.
  • Mit Familie und Freunden spreche ich am liebsten über den Job.
  • Am Wochenende nehme ich immer Aufgaben mit nach Hause.
  • Ich habe neben der Arbeit keine Zeit für Treffen mit Freunden.
  • Im Urlaub weiß ich nichts mit mir anzufangen und denke viel an die Arbeit.
  • Ich habe keine anderen Hobbys. Mein Job ist mein Hobby.
  • In kann Beziehungen und meinen Job schwer vereinbaren.
  • Zu Hause bleibt vieles liegen, weil es im Job Wichtigeres gibt.
  • Ich fühle mich schlecht, wenn ich an nichts arbeite.
Disclaimer: Der Selbsttest ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt. Er dient lediglich der Selbsteinschätzung. Bei akuten Problemen wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.
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Welche Folgen hat Arbeitssucht?

Die große Gefahr an der Arbeitssucht ist, dass sie nicht sofort erkannt wird. Betroffene empfinden ihre Arbeit anfangs noch als inspirierend und erfüllend. Hinzu kommen Erfolge, Aufstieg auf der Karriereleiter, mehr Gehalt und Anerkennung im Job.

Nach einiger Zeit ist von den Vorteilen aber nichts mehr übrig. Was bleibt, sind zahlreiche Nachteile und gefährliche Konsequenzen. Vor allem die Gesundheit leidet unter der ständigen Grenzüberschreitung – bis hin zu einem Burnout oder gar einem Herzinfarkt.

Workaholic Beschwerden & Folgen

Achten Sie daher frühzeitig auf folgende Workaholic Beschwerden und mögliche Folgen:

Workaholics bezeichnen sich gerne als ehrgeizig, betonen die eigenen Ambitionen, ihre Belastbarkeit oder hohe Motivation. Damit reden Sie das eigene Verhalten aber nur schön. Innerlich spüren Sie längst Symptome und Folgen.

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6 Tipps für Workaholics

Als Workaholic ist es nicht leicht, etwas an der Situation zu ändern. Die Arbeitssucht bestimmt das Verhalten, die Gewohnheiten sind etabliert und für eine Besserung braucht es Zeit und Energie. Die folgenden Tipps helfen dabei:

  • Erkennen Sie Ihren Wert

    Der wichtigste Tipp für einen Workaholic: Sie sind nicht nur Ihre Arbeit! Wenn Sie erkennen, dass Anerkennung und Zuspruch nicht nur von Ihren Leistungen abhängen, bekommen andere Bereiche neben dem Job eine neue Bedeutung. Erkennen Sie Ihren Selbstwert unabhängig von der Arbeit.

  • Beenden Sie Ihre Arbeit

    Feierabend heißt Feierabend. Sie müssen lernen, die Arbeit wirklich zu beenden. Setzen Sie sich ein zeitliches Limit und halten Sie sich daran. Das erfordert große Disziplin, ist aber absolut notwendig.

  • Geben Sie Aufgaben ab

    Gerade zu Beginn ist es hilfreich, wenn Sie Aufgaben an Kollegen abgeben. Sie müssen sich nicht um alles selbst kümmern. Vertrauen Sie darauf, dass andere ebenfalls gute Leistungen bringen. Das erleichtert ein neues Verhalten, weil Sie wissen, dass wichtige Dinge auch ohne Ihr Zutun erledigt werden.

  • Schaffen Sie einen Ausgleich

    Gehen Sie regelmäßig zum Sport oder widmen Sie sich einem Hobby, das nichts mit dem Job zu tun hat. Durch einen Ausgleich schaffen Sie größeren Abstand zum Job und erkennen, dass es auch andere Dinge im Leben gibt.

  • Konzentrieren Sie sich auf Ihr Privatleben

    Planen Sie Aktivitäten mit Ihrer Familie, treffen Sie sich mit Freunden oder unternehmen Sie etwas alleine. Legen Sie den Fokus gezielt auf Ihr Privatleben, statt nur an die Arbeit zu denken. Dabei hilft eine klare Tagesstruktur. Beispiel: Am Wochenende und unter der Woche ab 17 Uhr widmen Sie sich ausschließlich Ihrem Privatleben.

  • Suchen Sie sich Unterstützung

    Als Workaholic schaffen Sie die notwendige Veränderung nicht zwangsläufig alleine. Wie bei anderen Süchten hilft professionelle Unterstützung. Möglichkeiten sind zum Beispiel ein Coaching oder eine Therapie. Lassen Sie sich unbedingt auch von einem Arzt beraten.

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Workaholic als Chef: Was tun?

Wenn Ihr Chef ein Workaholic ist, haben Sie ein Problem. Es gibt allerdings ein paar Optionen, wie Sie mit einem arbeitssüchtigen Chef umgehen können:

  • Lassen Sie sich nicht anstecken

    Versuchen Sie nicht dem Chef nachzueifern. Sie wollen ihn vielleicht beeindrucken und Ihre Karriere voranbringen, doch schaden Sie sich damit nur selbst. Auch steigern Sie die Erwartungshaltung vom Chef. Er wird immer mehr von Ihnen verlangen.

  • Sagen Sie Nein

    Sie müssen Grenzen aufzeigen und klar Nein sagen. Will der Chef Ihnen weitere Aufgaben geben, müssen Sie deutlich machen, dass Sie das nicht schaffen. Das ist kein Versagen, sondern Notwendigkeit, um sich selbst zu schützen.

  • Suchen Sie das Gespräch

    Manchmal braucht es offene Kommunikation. Vielleicht merkt der Chef in seinem Arbeitswahn gar nicht, welche Probleme und wie viel Druck er verursacht. Kommunizieren Sie die Schwierigkeiten und suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung.

  • Setzen Sie Prioritäten

    Durch klare Prioritäten kümmern Sie sich um die wichtigsten Aufgaben und zeigen, dass Sie nicht alles schaffen können. Bei einem Berg an Arbeit müssen Sie sich auf einzelne ToDos konzentrieren.

  • Regen Sie Veränderungen an

    Regen Sie immer wieder Veränderungen an und präsentieren Sie mögliche Lösungen. Weisen Sie den Chef auf die Vorteile von Neuerungen hin, um die Chancen auf eine Umsetzung zu erhöhen.


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