Kürzel: Entschlüsseln Sie typische Abkürzungen

Sicher ist es sinnvoll, für gebräuchliche Redewendungen eine Kurzform einzuführen – insbesondere dann, wenn der Begriff an sich schon Längen hat. Denn Abkürzungen wie Bd., Dr., kg, Nr., usw., u.a., z.B., erleichtern ja tatsächlich den Umgang mit Texten, weil sie das Gemeinte kurz auf den Punkt bringen. Außerdem sind sie so geläufig, dass so gut wie jeder etwas damit anfangen kann. Für Fachbegriffe gilt das jedoch nicht – und schon gar nicht für ihre Kurzformen. Weil sie trotzdem um sich greifen, kommen täglich viele Menschen beim Entschlüsseln an sie gerichteter Botschaften ins Grübeln…

Kürzel: Entschlüsseln Sie typische Abkürzungen

Abkürzungen: Wo der Sinn abhanden kommt

Insbesondere große Organisationen – dazu zählen neben den Behörden auch Konzerne – neigen dazu, sich eine eigene Begriffswelt zu schaffen – und diese sogleich abzukürzen. Schließlich will keiner Bandwürmer wie das kürzlich eingestampfte Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz tatsächlich aussprechen müssen. Schade, denn dieser Begriff ist trotz Längen verständlicher als seine Abkürzung: RkReÜAÜG.

Hat sich da etwa gerade wer geräuspert?

Nicht nur aufgrund der Möglichkeit, Substantive mit Hilfe eines Fugenlauts fast endlos aneinander reihen zu können, steht Deutschland weit vorn auf der Liste der abkürzungsfreudigen Nationen: Speziell die verflossene DDR war berühmt-berüchtigt dafür, für jeden stehenden Begriff vom Außenhandel-Abrechnungs-Kontor Berlin (AAK) bis zum Zentralen Warenkontor (ZWK) eine Kurzform zu schaffen. Manche dieser Kürzel schafften es auch in den Westen. Bei anderen – wie etwa MTS – kamen selbst gelernte Ostdeutsche ins Grübeln.

Selbstredend gab’s für den galoppierenden Abkürzungsfimmel selbst auch ein Kürzel: Aküfi.

Kürzel made in USA

Allerdings schlagen die Vereinigten Staaten Deutschland beim Kampf um den Titel des Abkürzungsweltweisters. Und deren Abbreviationen haben im Zug der Globalisierung auch in deutschen Unternehmen Einzug gehalten, wurden munter in die Umgangssprache integriert und sorgen so noch im letzten Provinzunternehmen für internationales Flair.

Trotzdem mutet es seltsam an, wenn beim oberschwäbischen Maschinenbauer die HR darauf achtet, dass der Bewerber auch ja einen MBA im CV stehen hat. Oder der CEO des KMU neuerdings GTD favorisiert, um den ROI zu verbessern.

UKWIM – you know what I mean? Noch schlimmer wird es, wenn diese Kurzformen im Deutschen ein Eigenleben entwickeln – und etwa das amerikanische ASAP (as soon as possible) zum ASAPst (für schnellstmöglich) mutiert, um echte Dynamik zu sugerrieren.

Autsch! An dieser Krudform des Denglish finden wohl nur Sprachmüll-Sammler ihren Gefallen.

Abkürzungen entziffern: Schreiben für Insider

Im Unternehmensalltag quillt dieser Sprachhäcksel bevorzugt zwei Spezies aus der Tastatur:

  • Die eine bilden die Dauergestressten, die vor lauter Zeitknappheit Ihre Umwelt mit Buchstabensuppe drangsalieren. Ihre Mitteilungen lesen sich dann etwa wie SgDuH, anb. erh. S. d. GB ’12 z.K. MfG CS. Früher lernten solche Menschen stenografieren, um ihren Mitmenschen Überlegenheit und Geringschätzung zu demonstrieren. Wer so schreibt, mag schließlich keine Zeit für den Leser verschwenden.
  • Dann gibt es noch die Nerds, die in so hippen Akronymen wie ROFL, WTF und IMHO kommunizieren. Es muss ja nicht jeder verstehen, was sie mitteilen wollen. Schließlich schreiben sie für den echten, den wahren Insider, für den sie sich logischerweise auch selbst halten.

Toppen können das eigentlich nur jene Kollegen, die Ihre Gefühlsausbrüche auf Emoticons reduzieren.

Und dann hat Sprache ja immer auch eine soziale Funktion: Wer mit den einschlägigen Fachbegriffen und Abkürzungen um sich wirft, zeigt seine Zugehörigkeit. Indem Gruppen sich ihre semantischen Codes schaffen, grenzen sie sich von anderen ab. Wer sie beherrscht, gehört dazu; wer nicht, bleibt Außenseiter.

Das zeigt sich bereits an der Uni, wo ältere Semester die Ersties beindrucken, indem sie ihnen von der Bib und dem AStA erzählen und für ihre Diss Quellen wie Pub Med oder die altehrwürdige KZfSS zitieren: Sie machen ein schlaues Gesicht, wie der Soziologe Wolf Wagner dieses Verhalten in seinem Ratgeber Uni-Angst und Uni-Bluff nennt.

Selbstverständlich setzt sich dieser Mechanismus im Arbeitsleben fort. Wer dazugehören will, muss die richtigen Chiffres beherrschen. Sonst kann er in manchen Unternehmen gleich wieder seine Koffer packen.

Am Besten fangen Sie also gleich an zu üben:

Die Liste gebräuchlicher Abkürzungen

AFAIKas far as I knowerg.ergänze/ergänzendOToff topic
ASAPas soon as possibleFAQfrequently asked questionsPOVpoint of view
attn.for the attention ofFYIfor your informationREreply/response
B2Bbusiness to bussinessG2Ggot to goTBDto be done/discussed
B2Cbusiness to customerHRHuman ResourcesVATvalue added tax
BCCblind carbon copyhs.handschriftlichvgl.vergleiche
btwby the wayIMHOin my humble opinionVllt.vielleicht
CCCarbon CopyJFYIjust for your informationWEWochenende
CEOChief Executive OfficerkwTkein weiterer TextWVWiedervorlage
CFOChief Financial OfficerM&AMergers & Acquisitionsz.d.A.zu den Akten
cf.conferMBAMaster of Business Administrationz.Hd.zu Händen
CVCurriculum vitaen/anot available/applicablez.K.zur Kenntnisnahme
d.i.das istNSYNot Seen YetZIPZone Improvement Plan
[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
15. Juli 2013 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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