Alle Brücken hinter sich abbrechen: 3 gute Gründe

Im anglophonen Raum gibt es eine schöne Metapher und Empfehlung für Beziehungen: „Brenne niemals Brücken ab, über die du vielleicht noch einmal gehen musst.“ Die deutsche Variante klingt nicht ganz so bildhaft: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Wahr sind aber beide – eigentlich: Beziehungen schaden nur dem, der keine hat. Ein großes Netzwerk, Vitamin B sind essenziell für den beruflichen Erfolg. Doch keine Regel ohne Ausnahmen. Manchmal ist es tatsächlich besser, alle Brücken hinter sich abzubrechen und einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen…

Alle Brücken hinter sich abbrechen: 3 gute Gründe

Alle Brücken hinter sich verbrennen: Was bedeutet das?

Extra-Tipp-IconNatürlich ist das nur eine Metapher – um echtes Feuer geht es dabei nicht. Aber wer über eine Brücke geht und diese hinter sich verbrennt, macht damit einen Rückweg unmöglich. Der- oder diejenige zieht einen Schlussstrich und trifft damit eine unumstößliche Entscheidung.

Von Tom Stoppard stammt das Zitat:

Wir überqueren Brücken und verbrennen sie hinter uns, und haben nichts vorzuweisen, außer der Ahnung, der Erinnerung an den beißenden Rauch und der Ahnung, dass unsere Augen voller Tränen standen.

So ein Abbruch ist nie schön und hinterlässt Spuren bei beiden. Mit der Zeit aber verblasst die Erinnerung an das, was wir zurück gelassen haben – Menschen, Jobs, Materielles. Vor allem aber an Unerfreuliches. Ein wirklicher Neubeginn kann eben oft nur dem gelingen, der beherzt Abschied vom Alten nimmt und den Blick nach vorn richtet. Es ist wie mit Verstorbenen auch: Erst werden sie gründlich betrauert, dann räumt man den Nachlass fort und kehrt zum Leben zurück.

Warum Sie Beziehungsbrücken abreißen sollten

Nicht alle Beziehungen sind gleich. Manche sind besser, andere schlechter, manche sogar toxisch.

Der übliche (und versöhnliche) Ratschlag lautet dann:

Du kannst die Menschen nicht ändern, du kannst nur dein Denken über sie verändern.

Und wenn selbst das nicht gelingt, dann brich die Beziehung ab – ohne jedoch im Groll auseinander zu gehen. Eben ohne Brücken zu verbrennen, über die man noch mal gehen muss, weil man sich immer zweimal begegnet.

Natürlich ist uns völlig klar, was der tiefere Sinn hinter dieser Empfehlung ist. Dem Kerngedanken widersprechen wir auch nicht: Er ist absolut richtig.

Richtig ist aber auch:

Wir können vielleicht nicht die Menschen in unserem Umfeld verändern, aber wir können unser Umfeld ändern.

Und manchmal ist das die einzig sinnvolle Option – erst recht, wenn man (schmerzhaft) erkennen muss: Der oder die andere wird sich nie verändern, schadet uns aber jedes Mal.

Leider gibt es Menschen, die haben einen infektiösen Charakter. Ihr zerstörerisches Handeln und ihre destabilisierende Wirkung überträgt sich auf alle in ihrer Umgebung und erst recht auf jene, die ihnen helfen wollen. Wer sich dem Einfluss emotional Instabiler und unheilbar Unzufriedener aussetzt, wird von ihnen unweigerlich in den Abgrund gerissen.

So wie Cassius, über den William Shakespeare seinen Julius Cäsar sagen lässt:

Ich kenne niemand, den ich eher miede, als diesen hageren Cassius … Solche Männer haben nimmer Ruh, so lang sie jemand größer sehn als sich. Das ist es, was sie so gefährlich macht.

Zugegeben, verbrannte Erde und abgerissene Brücken reduzieren die Chancen auf neue Kompromisse, Veränderung und Versöhnung dramatisch. Sie eröffnen uns aber auch neue Horizonte und die Chance, andere Brücken zu bauen.

Auch wenn das immer nur der finale Schritt, die letzte Option sein sollte – hier gilt: Brechen Sie den Kontakt ein für allemal ab. Sie vergeuden sonst nur wertvolle Lebenszeit und riskieren obendrein negative Ansteckung.

Wann Sie Beziehungsbrücken abreißen sollten

Das Schwerste im Leben ist, zu erkennen, über welche Brücken man gegen und welche man verbrennen sollte. Auch auf die Gefahr hin, unversöhnlich zu klingen: Für den zweiten Fall hätten wir drei plausible Anregungen und gute Gründe:

  1. Sie werden wiederholt und vorsätzlich belogen.

    Okay, jeder schwindelt mal oder sagt nicht die volle Wahrheit. Manche Notlügen dienen sogar dem Schutz des Betroffenen, um ihn nicht zu verletzen. Aber Menschen, zu deren Habitus die vorsätzliche Lüge gehört, sind etwas anderes. Sie verstricken nicht nur sich immer tiefer in ihre Lügengeschichten und Gespinnste, sondern auch alle, die darin eine Rolle spielen. Irgendwann entstehen daraus Gerüchte und üble Nachrede: Der hat angeblich das gesagt, die hat das getan… Alles erstunken und erlogen, aber in Serie nicht ungefährlich. Einen notorischen Lügner kann man nicht heilen. Da hilft nur eines: Beenden Sie das Gastspiel in dem Drama – dauerhaft.

  2. Sie werden ausgenutzt.

    Belastbare, stabile Beziehungen beruhen auf Geben und Nehmen – auch in dieser Reihenfolge. Es gibt allerdings auch Menschen vom Stamme Nimm. Ob letztlich Ignoranz, Unsensibilität oder eine schlechte Kinderstube dahinter stecken, ist egal: Diese Typen saugen Sie nur aus und geben Ihnen allenfalls zum Schein das Gefühl, es könnte sich irgendwann mal lohnen. Tut es aber nicht, tut es nie. Die Wahrheit ist: Sie werden brutal und nach Strich und Faden ausgenutzt. Akzeptieren Sie die bittere Erkenntnis – und sagen „Nein„. Endgültig.

  3. Sie werden missbraucht.

    Gemeint ist hier nicht der sexuelle Missbrauch (obwohl der natürlich auch ein veritabler Grund ist, sämtlichen Kontakt sofort und für immer abzubrechen), sondern der intellektuelle. In der noch sanften Form im Job offenbart sich dieser Missbrauch zum Beispiel durch regelmäßigen Ideenklau im Büro. Dramatischer wird es aber, wenn sich dies als Manipulation und auf emotionaler Ebene fortsetzt. In dem Fall nutzt jemand Ihre Empfindsamkeit oder gar Empathie aus, um Sie zu indoktrinieren, zu korrumpieren oder Lügen zu suggerieren. Solche Demagogen sind brandgefährlich, weil Sie glauben, mit Menschen wie mit Marionetten spielen zu können. Selbst wenn Sie noch nicht in die Fänge eines solchen Puppenspielers geraten sind, sondern das nur an anderen beobachten, sollten Sie – schon aus purem Selbstschutz – jeden potenziellen Brückenkopf zu dieser Person sprengen.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
4. Juni 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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