Pflegekraft-Pflegeberuf
Der Sozialbereich - und hier besonders die Kranken- und Altenpflege - wird immer wieder als Arbeitssegment mit besten Zukunftsaussichten genannt. Zu Recht. Trotz enger Budgetrahmen im Gesundheitssystem sorgt allein eine deutliche Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung für einen stetig steigenden Bedarf an Pflegekräften. Schon heute gibt es wenige examinierte Pflegekräfte, die über einen längeren Zeitraum keinen Job finden. Aber: In der Vergütung liegen die Pfleger bekanntermaßen nicht im vorderen Mittelfeld. Mehr noch: Ihr Einkommen hängt maßgeblich von der Region ab, in der sie arbeiten...

Altenpfleger: Gefragt wie nie

In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 13.000 Pflegeheime und 12.700 ambulante Pflegedienste. Zusammen beschäftigen sie rund eine Million Menschen: 685.000 arbeiten in Pflegeheimen, 320.000 in ambulanten Diensten.

Meist sind es weibliche Beschäftigte, der Frauenanteil liegt allein bei den ambulanten Pflegediensten bei 87 Prozent. 36 Prozent des Personals haben den 50. Geburtstag bereits hinter sich.

Die Schlussfolgerung liegt nahe: Dieser Markt wird in Zukunft weiter wachsen, die Chancen auf Arbeit in diesem Segment sind vorhanden und zahlreich. Aber sie variieren genauso wie das Gehalt, das unter anderem von Region und Arbeitgeber abhängig ist. Dazu später mehr ...

Pflegefachkraft: Aufgaben

Der Beruf der Pflegefachkraft ist durchaus mit Vorurteilen belegt. Dabei ist dieser Beruf sehr viel anspruchsvoller und vielseitiger, als er auf den ersten Blick wirkt.

Genau genommen gibt handelt es sich bei dem Begriff der Pflegefachkraft um einen Sammelbegriff, denn darunter fallen sowohl Kranken-, Gesundheits-, Kinder- und Altenpfleger. Jede dieser Berufsrichtungen hat ihre eigene Spezialisierung, doch es gibt ebenso viele Gemeinsamkeiten.

Neben der offensichtlichen Pflege umfassen die Tätigkeiten von examinierten Pflegefachkräften auch...

  • die Verabreichung von Medikamenten nach ärztlicher Anweisung
  • die Dokumentation des Pflegeprozesses und
  • in vielen Einrichtungen auch die Mitarbeit an der Weiterentwicklung der Pflegeabläufe und -prozesse.

Altenpfleger: Was Sie mitbringen müssen

Sicherlich brauchen Interessierte eine gewisse Toleranz gegenüber Gerüchen und ähnlichem. Der Pflegebereich gehört grundsätzlich zu den Berufen, die per se nicht jedem liegen. Eine hohe Stresstoleranz ist ebenfalls von Vorteil. Der Job kann jedoch sehr erfüllend sein, da die Mitarbeiter teilweise direkte Rückmeldungen von Ihren zu pflegenden Bewohnern erhalten.

Stress und Zeitdruck sind unbestritten Teil dieses Jobs, in guten Pflegeeinrichtungen lässt sich die Belastung jedoch über das Team verteilen und abmildern.

Steckbrief: Pflegefachkraft

  • Arbeitsfelder: Kranken,- Alten- und Kinderpflege, ambulante und häusliche Pflege
  • Arbeitgeber: Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Kinderheime, ambulante Pflegedienste, betreutes Wohnen
  • Ausbildung: Ausbildung an Berufs- und Pflegefachschulen mit Praxisteilen in Einrichtungen des Sozialbereiches, durchschnittliche Dauer: drei bis dreieinhalb Jahre, Abschluss als examinierte Pflegefachkraft mit der jeweiligen Spezilisierung
  • Gehaltsaussichten: 1.800 - 2.300 Euro brutto im Monat, je nach zusätzlichen Aufgaben auch mehr
  • Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Pflegefachkräfte werden im Rahmen einer drei bis dreieinhalbjährigen Ausbildung an Berufs- und Pflegefachschulen ausgebildet. Zur Ausbildung gehören umfangreiche Praxisteile in Pflegeeinrichtungen verschiedener Fachgebiete.

Examinierte Pflegefachkräfte haben zudem vielfältige Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, die dann auch mit einem höheren Verdienst vergütet werden.

Pflegefachkraft: Gehalt

Bei der Entscheidung für eine Ausbildung um Pflegebereich muss klar sein: Die sozialen Berufe sind in Deutschland nach wie vor - im Verhältnis zur geleisteten Arbeit - unterbezahlt. Examinierte Pflegefachkräfte verdienen zwar mehr als Pflegehelfer, sie tragen aber auch mehr Verantwortung. Der Durchschnitt liegt bei einem monatlichen Brutto-Gehalt von 1.800 bis 2.200 Euro, je nach Bundesland und Einrichtung.

Die Gehälter sind aber nicht nur niedrig, sie driften auch von Bundesland zu Bundesland immer weiter auseinander. Zu diesem Ergebnis kommt eine Expertise aus dem Dezember 2016, die das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) erstellt hat.

Gehälter: Hier verdienen Sie mehr

So liegen die Entgelte in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Berlin nicht nur deutlich unter den mittleren Löhnen aller Berufe in Deutschland. Sie befinden sich auch unter dem Median in der Altenpflege selbst.

Und auch in der Tarifstreuung gibt es erhebliche Unterschiede. So zahlen in Bayern selbst die gemeinnützigen Träger mit den niedrigsten Löhnen noch rund 78 Prozent des Lohns, den die Träger mit den höchsten Gehältern zahlen. In Bremen beträgt dieser Wert nur rund 58 Prozent, in Niedersachsen 60 Prozent, in Baden-Württemberg ca. 66 Prozent.

Vereinfacht gesagt: Wer in Bremen beim "falschen" Arbeitgeber unterkommt, verdient sehr viel weniger als die meisten Kollegen. Wer hingegen in Bayern als Pflegefachkraft arbeitet, dürfte im Normalfall vergleichsweise gut entlohnt werden.

Hohe Pflegesätze werden demnach in Regionen bezahlt, in denen die klassischen Anbieter noch gute Marktanteile erzielen, vor allem in Teilen von Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Wo die Tarifbindung dagegen bröckelt und traditionelle Anbieter Marktanteile verlieren, sinken die Pflegesätze, so wie in Berlin, Thüringen oder Hessen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2016); Institut Arbeit und Technik (IAT)

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2016); Institut Arbeit und Technik (IAT) Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2016); Institut Arbeit und Technik (IAT)

Pflegefachkräfte: Der Arbeitsmarkt

Sie stehen momentan auch auf der Engpassliste der Bundesagentur für Arbeit (BA): "Examinierte Fachkräfte und Spezialisten in der Gesundheits- und Krankenpflege" sowie "examinierte Fachkräfte und Spezialisten der Altenpflege".

Bedeutet: Für diese Berufe gibt es tatsächlich - im Gegensatz zu fast allen anderen - einen Fachkräftemangel.

Den diagnostizierte die BA für fast alle westdeutschen Bundesländer sowie Brandenburg. Anzeichen dafür gebe es in den anderen östlichen Ländern und Bremen.

Suche nach Fachkräften: Immer länger

Konkret: Auf 100 offene Stellen für Krankenpfleger, die bei der Bundesagentur gemeldet sind, kommen derzeit 66 Arbeitslose.

Zudem beträgt die Vakanzzeit von Stellenangeboten bei Gesundheits- und Krankenpflegern mittlerweile 128 Tage - das sind 20 Tage mehr als im Vorjahr und liegt 42 Prozent über dem Durchschnitt aller Berufe. Bis eine Stelle neu besetzt wird, vergehen also gut und gerne vier bis fünf Monate.

In der Altenpflege gibt es den Fachkräftemangel laut Arbeitsagentur sogar in allen Bundesländern. In keinem einzigen stehen demnach ausreichend arbeitslose Bewerber zur Verfügung, um die offenen Stellen zu besetzen.

Zusatzausbildungen: Diese lohnen sich

Aber Achtung: Das gilt nicht für alle Altenpfleger, sondern ausschließlich für die vergleichsweise kleine Gruppe examinierter Fachkräfte und Spezialisten. Das sind Fachkräfte mit Zusatzausbildungen, beispielsweise für ...

  • Klinische Geriatrie
  • Rehabilitation
  • Palliativ
  • Onkologie

Im Bundesdurchschnitt beträgt die Vakanzzeit für eine solche Stelle 153 Tage - also noch einmal deutlich mehr als bei den Krankenpflegern. Auf 100 offene Stellen kommen laut BA nur 38 Arbeitslose. In Zahlen: Zuletzt 11.700 offenen Stellen standen lediglich 3.400 Arbeitslose gegenüber.

Schlussfolgerung für Altenpfleger: Eine Zusatzqualifikation verbessert Ihre Perspektiven enorm.

Gesundheit: Auch diese Berufe sind im Kommen

Neben Pflegefachkräften besteht laut BA zudem ein Mangel in medizintechnischen Berufen. Es fehlen also Fachkräfte und Meister in der Orthopädie-, Rehatechnik und Hörgeräteakustik, außerdem Meister in der Augenoptik.

Dass die Nachfrage nach Gesundheitsfachkräften steigt, zeigt auch eine Analyse des Weiterbilungsanbieters WBS. So entstehen derzeit neue Jobs unter anderem in diesen Berufsgruppen:

  • Altenpfleger
  • Erzieher und Kindertagespfleger
  • Krankenpflegehelfer
  • Fachkräfte für Arztpraxen
  • Pflegedienstleister
  • Masseure und medizinische Bademeister
  • Kaufleute im Gesundheitswesen
  • Fachangestellte für medizinische Dokumentation
[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]

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