Arbeiten in Irland: Was Sie wissen müssen

Irland: Die grüne Insel weckt nicht nur bei Burgenbesichtigern Sehnsüchte. Längst hat sich Dublin zum europäischen Dreh- und Angelpunkt für US-Unternehmen gemausert. Im letzten Jahr wuchs die irische Wirtschaft so schnell wie keine andere auf dem Kontinent. Davon können auch gut ausgebildete Fachkräfte aus Mitteleuropa profitieren. Arbeiten in Irland: Alles, was Sie wissen müssen.

Arbeiten in Irland: Was Sie wissen müssen

Arbeiten in Irland: Das Gold der grünen Insel

Heute ist irischer Nationalfeiertag: St. Patrick’s Day. Überall dort in der Welt wird heute mit einem Pint angestoßen, wo Iren ihre Spuren hinterlassen haben. Andersrum hinterlassen aber auch immer mehr Ausländer ihre Spuren in Irland. Sie bald auch?

Auswanderer-Alert: Wenn Sie dem mitteleuropäischen Schmuddelwetter entfliehen wollen, dann streichen Sie Irland ganz schnell wieder von Ihrer Liste. Die Temperaturen sind niedrig, die Regentage beständig, das ganze Jahr über, auch im Sommer.

Sollten Sie aber kein Schönwetterspieler sein, dann könnten Sie sich in Irland richtig wohl fühlen. Wir führen Sie in die Basics der grünen Insel ein.

Rahmenbedingungen:

Für das Jahr 2014 errechnete die irische Statistikbehörde CSO vor wenigen Tagen ein Wachstum von 4,8 Prozent – damit wuchs die Wirtschaft nirgendwo in Europa so stark wie in Irland. Auch die Arbeitslosenquote ist mit 10,1 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 2009 (damit allerdings noch deutlich über der deutschen). Ultimatives Ziel der Regierung: Vollbeschäftigung bis zum Jahr 2018, also eine Arbeitslosenquote von nur noch drei bis fünf Prozent.

Trotzdem treibt das klassische Auswanderungsland noch immer mehr Menschen in die Ferne als es anlockt. Im letzten Jahr siedelten rund 60.000 Menschen auf die Insel über, ca. 80.000 verließen Irland. Interessante Randnotiz: Speziell die Einwanderung aus Brasilien hat in den letzten Jahren zugenommen, mittlerweile gibt es eine gar nicht mehr so kleine brasilianische Community im kühlen Nordwesten Europas.

Längst ist der Dienstleistungssektor treibende Kraft der Konjunkturlokomotive. 76 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Services-Bereich, nur noch fünf Prozent in der Landwirtschaft, die das Image Irlands durch glückliche Kühe und blökende Schafe so nachhaltig prägt. Irlands Wirtschaft fußt auf der Pharma- und Chemieindustrie, auf der IT-Branche, Nahrungsmitteln, Getränken und Medizinprodukten. Forbes setzte Irland in seiner Liste der besten Länder „for doing business“ auf Position vier, nur in Dänemark, Hongkong und Neuseeland kann man demnach noch besser Geschäfte machen. Deutschland liegt auf Platz 20.

Nicht vergessen wollen wir in diesem Zusammenhang aber, dass das 4,5-Millionen-Einwohner-Land nur mit Hilfe eines 85 Millionen Euro schweren Rettungspakets von EU und IWF über die Runden und durch die Finanzkrise kam. 2013 verließ Irland den Rettungsschirm, mehrere Kredite des IWF sollen nun vorzeitig zurückgezahlt werden.

Unternehmen:

Zwei der innovativsten Unternehmen der Welt kommen aus Irland: Experian ist ein IT- und Daten-Dienstleister, Perrigo ein Arzneimittelhersteller, beide mit Sitz in Dublin.

Hier lauert aber auch schon der nächste Pferdefuß: Denn Perrigo stammt ursprünglich aus Michigan und verlagerte seinen Hauptsitz erst kürzlich nach der Übername eines irischen Anbieters ostwärts. Einen ganz ähnlichen Weg gehen viele US-Unternehmen, die im vermeintlichen Steuerparadies Irland den „Double Irish“ praktizieren möchten.

Die irische Regierung hat mittlerweile angekündigt, die Schlupflöcher bis 2020 zu schließen. Dies betrifft auch US-Giganten wie Apple, Facebook und Google, die ihre Europa-Zentralen nicht ohne Grund in Dublin eröffnet haben (bzw. wie Apple in Cork).

Die größten börsennotierten Unternehmen Irlands

RangUnternehmenBrancheSitz
1.Eaton CorporationIndustrieDublin
2.AccentureBeratungDublin
3.CovidienPharma/MedizintechnikDublin
4.XL GroupVersicherungenDublin
5.Seagate TechnologyIT-HardwareDublin
6.Ingersoll-RandMischkonzernSwords
7.Cement Roadstone Holding (CRH)BaustoffeDublin
8.Allied Irish BanksBankenDublin
9.ActavisPharmaDublin
10.Bank of IrelandBankenDublin
11.RyanairFluggesellschaftDublin
12.ShirePharmaDublin
13.ExperianIT-DienstleisterDublin
14.PerrigoPharmaDublin
15.Permanent TSB GroupFinanzdienstleistungenDublin
16.Smurfit Kappa GroupVerpackungenDublin
17.DCCMischkonzernDublin
[Definition: Nur börsennotierte Unternehmen, Quelle: The World’s Biggest Public Companies 2014]

Gehälter:

Insgesamt sind die Gehälter im Großen und Ganzen mit denen in Deutschland vergleichbar. Innerhalb Irlands gilt: In Dublin ist die Lohntüte deutlich voller als in Cork, Galway oder Limerick.

Ein paar Beispiele, die auf Angaben des Recruiting-Dienstleisters Brightwater für den Standort Dublin basieren:

  • Ein Projektingenieur verdient 35.000 bis 50.000 Euro im Jahr
  • Ein Qualitätsmanager in der Pharma-Industrie verdient 60.000 bis 75.000 Euro
  • Ein Lagerleiter in der Logistikbranche verdient 45.000 bis 55.000 Euro
  • Ein PR-Manager verdient 55.000 bis 75.000 Euro
  • Ein SEO-Spezialist verdient 40.000 bis 60.000 Euro
  • Ein PHP-Entwickler verdient 40.000 bis 65.000 Euro
  • Ein Web-Designer verdient 32.000 bis 55.000 Euro
  • Ein Human Resources Officer verdient 28.000 bis 35.000 Euro
  • Ein Rechtsanwaltsfachangestellter verdient 25.000 bis 45.000 Euro

Seit 2000 gibt es in Irland zudem einen Mindestlohn, der zwar zwischenzeitlich ausgesetzt, im Jahr 2011 aber nach oben angepasst wurde. Mit 8,65 Euro pro Stunde kann seitdem jeder Angestellte rechnen. Gleichzeitig fallen die Verbraucherpreise, im Februar 2015 sanken sie im Vergleich zum Vorjahrsmonat um 0,5 Prozent. Was aber jeder weiß, der schon mal den Ring of Kerry befahren hat: Das Preisniveau in Irland ist außerordentlich hoch.

Bewerbung:

Für EU-Bürger gilt die Personenfreizügigkeit. Wer will, kann also ohne Umschweife in Irland auf Jobsuche gehen.

Der Bewerbungsprozess gilt als unkompliziert und ist mit dem in Großbritannien vergleichbar. Irische Unternehmen legen Wert auf eine No frills-Bewerbung, ähneln in dieser Hinsicht also einem Flug mit Ryanair. Ein knappes Anschreiben, Lebenslauf und Referenzen genügen – irische Recruiter sind weniger zeugnisverliebt als ihre deutschen Pendants.

Dafür bitten sie sehr gerne zum Telefoninterview oder rufen Referenzgeber an. Stellen Sie in der Bewerbung Ihre Leistungen und Fähigkeiten nach vorne, nennen Sie Referenzen und Ansprechpartner. Englische Sprachkenntnisse werden selbstverständlich vorausgesetzt.

Jobs:

Aktuelle Jobangebote finden Bewerber in Online-Jobbörsen und dem Stellenmarkt der großen Zeitungen, etwa der „Irish Times“ und dem „Irish Independent“. Vor Ort sind traditionell auch private Stellenvermittler sehr aktiv. Online können Sie vor allem bei folgenden Anbietern nach Jobs suchen:

[Bildnachweis: Aitormmfoto by Shutterstock.com]
17. März 2015 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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