Arbeiterkinder: Darum studieren sie seltener

Studieren liegt im Trend. Fast schon obligatorisch scheint der Weg ins Studium für viele zu sein, nachdem man das Abitur endlich in der Tasche hat. Die Hörsäle an den Universitäten sind komplett gefüllt und die Zahl der Studierenden steigt seit Jahren stetig weiter an. Leider zeigt sich dabei aber immer wieder, dass es immer noch ein Faktor ist, ob die Eltern Akademiker sind. Kurz gesagt: Wenn die Eltern studiert haben, gehen auch die Kinder häufiger an die Universität. Sogenannte Arbeiterkinder gehen nach dem Abitur zwar auch immer häufiger Studieren, der Anteil bleibt jedoch deutlich hinter den Sprösslingen aus akademischen Familien zurück. Wenn man allerdings die Gründe dahinter versteht, kann die Motivation, ein Studium aufzunehmen, durch gezielte Maßnahmen gesteigert werden…

Arbeiterkinder: Darum studieren sie seltener

Warum gehen Arbeiterkinder seltener an die Universität?

Der Großteil aller Abiturienten entscheidet sich nach dem Schulabschluss für ein Studium – viele davon sofort im Anschluss, andere planen es fest ein. Bei rund 80 Prozent liegt damit die Quote der Abiturienten, die sich für die Universität und gegen eine berufliche Ausbildung entscheiden – dabei lässt sich allerdings ein wichtiger Unterschiedlich erkennen: Kinder von Akademikern entscheiden sich häufiger für ein Studium. Mit 72 Prozent liegt der Anteil der Arbeiterkinder, die an die Universität wollen, zwar immer noch hoch, aber dennoch mehr als 10 Prozent hinter Abiturienten mit einem akademischen Hintergrund.

Bei der Frage nach dem Warum ist eine Meinung besonders weit verbreitet: Akademiker befinden sich oftmals in einer besseren finanziellen Situation und können damit ihren Kindern das Studium ermöglichen, indem sie einen großen Teil der Kosten übernehmen, die Miete zahlen, Studiengebühren beisteuern oder monatliche Ausgaben übernehmen. Diese Erklärung stimmt sicherlich in einigen Fällen, doch Arbeiterkinder entscheiden sich auch unabhängig von der finanziellen Lage häufiger für eine Berufsausbildung.

Vielmehr liegt der Grund für die Entscheidung an den unterschiedlichen Informationen von Akademiker- und Arbeiterkindern. Wer selbst studiert hat, kann seinen Kindern später ein viel genaueres Bild vom Studium vermitteln – ein Angebot, dass von vielen Abiturienten gerne angenommen wird und dass die Entscheidung oftmals zugunsten des Studiums beeinflussen kann.

Auf der anderen Seite erhalten Arbeiterkinder von ihren Eltern nicht nur insgesamt weniger, sondern teilweise auch unvollständige oder schlichtweg falsche Informationen zum Thema Studium. Dies betrifft insbesondere…

  • die Kosten eines Studiums, die höher als die tatsächlichen Ausgaben eingeschätzt werden.
  • den Nutzen eines Studiums, der nicht genügend anerkannt und vermittelt wird.

Vor dem Hintergrund solcher Informationen fällt die Wahl dann häufiger auf eine berufliche Ausbildung, die gerade in Familien ohne akademische Vorbildung häufig einen höheren Stellenwert hat.

Informationen müssen noch zugänglicher gemacht werden

Um der Ungerechtigkeit entgegenzuwirken und den Anteil von studierenden Akademiker- und Arbeiterkindern aneinander anzugleichen, braucht es daher in erster Linie zusätzliche Informationsangebote. Auf diese Weise wird es allen Abiturienten ermöglicht, sich in einem gleichen Ausmaß über alle Vor- und Nachteile eines Studiums zu informieren – außerhalb der eigenen Familie. Informationstage an Schulen, ein Tag der offenen Tür an Universitäten oder Gespräche mit Berufsberatern sind nur einige Möglichkeiten, um eine größere Chancengleichheit herzustellen.

Auch sollten Abiturienten über die verschiedenen Möglichkeiten informiert werden, wie sie ein Studium finanzieren können, welche Kosten tatsächlich auf Sie zukommen und was ein Studium für die zukünftige Karriere bringen kann. Für viele scheinen solche Informationen selbstverständlich zu sein, doch zeigt sich immer wieder, dass genau an diesen Punkten Informationslücken bestehen, die dazu führen können, dass nach dem Schulabschluss eine Ausbildung angestrebt wird, weil einfach kein ausreichendes Wissen über ein Studium vorhanden ist.

Gerade an den Schulen sollten deshalb möglichst viele und breitgefächerte Informationen vermittelt werden. Nur so kann die persönliche Entscheidung über Studium oder Ausbildung wirklich fundiert getroffen werden – und hängt im Zweifelsfall nicht von der familiären Situation ab.

[Bildnachweis: Stock-Asso by Shutterstock.com]
22. Juli 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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