Hören Sie mit dem Rauchen auf
Krankheiten, Husten, gelbe Finger - Nikotin ist nicht unbedingt als Lebenselixier bekannt. Auch fügt die Wissenschaft dem Mosaik regelmäßig neue Puzzlestücke des Grauens hinzu. Jetzt stellt sich heraus: Rauchen ist nicht nur furchtbar ungesund - es wirkt sich bei Arbeitslosigkeit sogar ganz erheblich auf die Perspektiven aus, wieder einen neuen Job zu finden. Und es reduziert überdies die Gehaltsaussichten. Warum Arbeitslose mit dem Rauchen aufhören sollten ...

Arbeitslos: Wahrscheinlich Raucher?

Das Image der Alltagsdroge Nikotin hat in den letzten Jahrzehnten einen wahren Sturzflug hingelegt. Vom Mode-Accessoire der Coolen und Schönen hin zum todbringenden Proleten-Stängel. Und die Negativschlagzeilen reißen nicht ab.

Ende März zeigten Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), dass die Lebenserwartung in Deutschland von Region zu Region aufgrund sozioökonomischer Bedingungen höchst unterschiedlich sei. Neben Bildung, Bewegung und Ernährung dabei ein wichtiger Faktor: Rauchen.

Während ein heute neugeborenes Mädchen im bayerischen Starnberg damit rechnen kann, 83,6 Jahre alt zu werden, sind es in Pirmasens in der Pfalz lediglich 77,1 Jahre - über sechs Jahre weniger. Im Breisgau schaffen Frauen im Schnitt sogar über 85 Jahre. Bei den Männern ist der Unterschied sogar noch größer. Starnberger Männer werden im Schnitt 81,3 Jahre alt, Männer in Pirmasens nur 73 Jahre.

Rauchen: Jobkiller

Eine große Studie des Leipziger Helmholtz-Zentrums und des Deutschen Krebsforschungszentrum kam vor rund zwei Wochen zu dem Ergebnis, dass Kinder von rauchenden Müttern sogar noch fünf Jahre nach ihrer Geburt Veränderungen im Erbgut mit sich herumtragen. Wer während der Schwangerschaft raucht, schädigt also das Erbgut seines Kindes nachhaltig, begünstigt wahrscheinlich Krankheiten wie Diabetes, aber auch Übergewicht.

Nun hat die Stanford University School of Medicine in einer Studie, die am 11. April 2016 im Fachmagazin JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde, herausgefunden, dass sogar der Arbeitsmarkt Raucher abstraft.

Schon in einer früheren Arbeit waren Medizin-Professorin Judith J. Prochaska und ihr Team darauf gestoßen, dass unter jobsuchenden Kaliforniern überproprotional viele Raucher zu finden waren. Die Arbeitslosen rauchten deutlich häufiger als die Erwerbstätigen. Die entscheidende Frage dabei: War die Nikotinabhängigkeit der Grund oder eher das Resultat ihrer Erwerbslosigkeit? „Man weiß nicht, ob Raucher sich schwerer tun, eine Stelle zu finden oder ob sie häufiger ihren Job verlieren - oder ob sie als Nichtraucher ihren Job verlieren und daraufhin anfangen zu rauchen“, spekuliert Prochaska.

Arbeitslose Raucher: 30 Prozent weniger

Daher begleitete sie von September 2013 bis August 2015 131 arbeitslose Raucher und 120 arbeitslose Nichtraucher und fragte sie nach ihrer Erwerbssituation - am Beginn der Studie, nach sechs Monaten und nach einem Jahr. "Wir fanden heraus, dass Raucher wesentlich größere Probleme hatten, eine eine neue Stelle zu finden", so Prochaska.

Nach zwölf Monaten hatten 29 von 109 Rauchern, also rund 27 Prozent, eine neue Stelle gefunden, demgegenüber aber 60 von 108 Nichtrauchern, ca. 56 Prozent. Die Nichtraucher hatten somit eine um 30 Prozent höhere Wahrscheinlchkeit, nach einem Jahr wieder beschäftigt zu sein. Mehr noch: Von denen, die einen neuen Job gefunden hatten, verdienten die Raucher im Schnitt fünf Dollar pro Stunde weniger als ihre nichtpaffenden Vergleichspersonen. Fazit: Raucher sind nicht nur länger arbeitslos, sie verdienen nach ihrer Neueinstellung auch weniger.

Rechnete man nun noch andere Faktoren aus der Gleichung heraus, zum Beispiel Alter, Bildung, Dauer der Arbeitslosigkeit, Ethnie und kriminelle Vorgeschichte der Probanden, so änderte sich das Ergebnis nicht grundlegend. Die Vorteile der Nichtraucher blieben bestehen. Ihre Wiedereinstellungsrate war um 24 Prozent höher als die der Raucher.

Twittern gegen das Rauchen

Corporate-Twitter-150 Wer einem Freund oder Bekannten dabei helfen will, dem blauen Dunst abzuschwören, sollte sich den Weltnichtrauchertag am 31. Mai vormerken - und an diesem Tag etwas Motivierendes auf Facebook oder Twitter posten. Eine Big-Data-Untersuchung der San Diego State University kam vor einigen Tagen zu dem Schluss, dass speziell der Great American Smokeout, ein Nichtraucher-Aktionstag in den USA, zu erstaunlichen Ergebnissen führt. Die Wissenschaftler bemerkten, dass zum Beispiel die Zahl der Anti-Nikotin-Tweets an diesem Tag enorm anstieg - und daraufhin auch wesentlich mehr Menschen über Google und Wikipedia nach Tipps suchten, um mit dem Rauchen aufzuhören. Ihre Schlussfolgerung: Öffentlichkeitswirksame Aktionstage sensibilisieren die Menschen in Zeiten von Social Media ganz besonders - und animieren sie zur Selbsthilfe.

Die Gründe: Prioritäten verschoben?

Endgültige Gewissheit über die Hintergründe gibt es zwar nicht, aber Hinweise. Als die Raucher nach ihren Ausgaben befragt wurden, stand Nikotin auf der Prioritätenskala weit oben - noch vor Beförderungskosten (Benzin, Bahn-Tickets etc.), Kosten fürs Mobiltelefon und Körperpflege, den Friseurbesuch zum Beispiel. Alles Ausgabenposten also, die die Stellensuche eher begünstigen. Eine weitere Erklärung: Die Raucher könnten aufgrund ihrer ungesunden Angewohnheit einen schlechteren Lebenslauf vorzuweisen haben - durch längere Fehlzeiten im früheren Job etwa - und daher bei den Arbeitgebern einen ungleich schwereren Stand haben.

Aber wichtig ist auch: Die Studie beinhaltet nur ein vergleichsweise kleines Sample aus einer sehr speziellen und sehr gesundheitsbewussten Region, der Bay Area rund um San Francisco. Ob sie ohne Weiteres auf Berlin oder Baden-Württemberg übertragbar wäre, ist durchaus fraglich.

Dennoch: Der grundsätzliche Tenor ist einleuchtend. Rauchen kostet Geld, ist ungesund, führt zu Ausfallzeiten. Wer den Glimmstängel aus der Hand legt, macht finanzielle Kapazitäten frei, ist körperlich fitter und schafft insgesamt bessere Rahmenbedingungen für die Jobsuche.

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[Bildnachweis: Milles Studio by Shutterstock.com]

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